Themar Maier sagt Unterstützung für Proteste gegen Rechtsrock zu

von Bettina Ehrlich

Der Saal im Schützenhaus war am Donnerstagabend fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Etwa 150 Einwohner aus Themar, aber auch aus den angrenzenden Orten Kloster Veßra, Marisfeld, Lengfeld sowie Schleusingen oder Hildburghausen waren zum Jahresempfang des Bündnisses für Demokratie und Weltoffenheit gekommen. Es ging vor allem darum, Bilanz zu ziehen.

Am 15. Juli 2017 erlebte Themar europaweit das größte Neonazikonzert des Jahres. Nach Angaben der Polizei waren deutlich mehr als 6.000 Neonazis aus Deutschland und dem europäischen Ausland gekommen.

Der Innenminister Georg Maier ist der Einladung des Bündnisses gerne gefolgt. "Vor allem, um ein Zeichen zu setzen und den Menschen hier meine Wertschätzung zu zeigen", sagte er MDR THÜRINGEN. Maier sagte den Aktivisten seine und die Hilfe des Innenministeriums zu. "Wir müssen den Rechtextremismus an der Wurzel bekämpfen", so Maier. Er sieht vor allem gesellschaftliche Ursachen für das Erstarken der radikalen Rechtsbewegung. "Weil wir es haben geschehen lassen."

Menschen bei Neujahrsempfang des Antirechtsbündnisses in Themar
Voller Saal im Schützenhaus Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Er will dafür sorgen, dass künftig immer ausreichend Polizeikräfte vor Ort kommen. Rechtsbrüche wie beim Juli-Konzert, bei dem Dutzende Teilnehmer den Hitlergruß zeigen konnten, werde es dann nicht mehr geben. Dieses Thema hatte Maier auch bei der Innenministerkonferenz angesprochen. Mehrere Bundesländer sagten Thüringen im Bedarfsfall Hilfe zu. Maier will den Protest vor Ort aber auch konkret unterstützen. "Ich werde dafür sorgen, dass auch Busse aus Erfurt, Jena oder Gera anreisen", sagte der Minister. 

Juristische Beratung vom Ministerium

Sein Ministerium hat Maier angewiesen, die Landratsämter vor Ort besser in juristischen Fragen zu beraten. Alle nur erdenklichen Möglichkeiten sollten ausgeschöpft werden, um solche Naziveranstaltungen zu verhindern. "Wir sind gut, aber noch nicht gut genug und lernen bei jedem Neonazikonzert dazu", so Maier.

"2017 war ein schwieriges Jahr aber kein schlechtes", sagte Bürgermeister Hubert Böse. "Denn es gab aktiven Widerstand gegen die rechte Szene, und das hat das Bild in der Öffentlichkeit mitgeprägt."

Das soll auch weiter so bleiben. Die Stadt wird laut Böse bei den Gegenveranstaltungen kräftig unterstützen und auch eigene Veranstaltungen organisieren. "Uns schwebt in Themar ein Sommer der Solidarität, ein Sommer der Menschlichkeit vor", sagte er.

"Wir sind im letzten Jahr dann doch ganz schön an unsere Grenzen gekommen", gab Bündnissprecher Thomas Jacob unumwunden zu. Insgesamt hatten die Aktivisten vier große Gegenveranstaltungen auf die Beine gestellt. "Uns war wichtig, dass keine Nazis in die Stadt kommen und das haben wir geschafft“, so Jacob.

Er kündigte an, dass das Bündnis auch in diesem Jahr wieder "Flagge zeigen" werde. Am 8. und 9. Juni 2018 ist ein zweitägiges Festival der rechtradikalen NPD geplant. „Aber zwei Tage Widerstand organisieren, das kostet Kraft“, so Jacob.  Deshalb ist das Bündnis auch auf der Suche nach neuen Mitstreitern. Außerdem soll das Netzwerk noch weiter ausgebaut werden mit Hilfe von sozialen Netzwerken.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 05. Januar 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Januar 2018, 19:07 Uhr

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40 Kommentare

07.01.2018 13:59 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 40

@ 34:
Zitat "Das Städtchen steht noch ohne dass es zu nennenswerten Auseinandersetzungen Körperverletzungen etc. kam."

Aber es kam zu nennenswerten Rechtsbrüchen: Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen (Hitlergruß zu "Sieg Heil!") in tausendfacher Ausführung.
Und die Polizei hat einfach in die andere Richtung geschaut...

Dieses Bild wirkt immer noch nach!

07.01.2018 13:03 martin 39

@34 Micha: Die Polizei war vor Ort, um die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten sowie zur Verhinderung bzw. Ahndung von Straftaten. Letzteres hat "nicht so richtig" funktioniert. Das (Nicht-) Verhalten einiger Beamter scheint zwar Ihre Auffassung des Einsatzzwecks zu bestätigen - aber das macht Ihre Aussage noch nicht richtig(er).

Zu Hamburg: Zum einen haben die Straftäter beim G20 nicht halb Hamburg in Schutt und Asche gelegt, wie Sie behauptet haben. Zum anderen zeigt die Aufarbeitung der Straftaten, dass es einerseits nicht nur "Linke Aktivisten" waren, sowie dass die überwiegende Mehrheit der sog. "Linken Aktivisten" friedlich demonstrieren wollten. Wer es für falsch hält, dass alle "rechten Aktivisten" mit dem NSU in einen Topf geworfen werden, der sollte nicht genau dieses Verhalten bei den "Linken Aktivisten" selbst an den Tag legen.

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