Besucher schlägt zu Fotograf auf Neonazi-Konzert in Themar angegriffen

Beim Neonazi-Treffen im südthüringischen Themar ist ein Journalist angegriffen worden. Wie die Polizei am Sonnabend mitteilte, schlug ein Besucher dem Journalisten am späten Freitagabend ins Gesicht. Der Journalist sei leicht verletzt worden. Ein Augenzeuge berichtete dem MDR, dass es sich um einen Fotografen handelt, der hinter einem Absperrgitter im Pressebereich des Geländes Aufnahmen machte. Ein Besucher sei auf ihn zugekommen und habe ihm über das Gitter hinweg zwei Schläge versetzt. Polizisten aus Sachsen seien unmittelbar eingeschritten und hätten den Besucher in Gewahrsam genommen. Die Identität des Täters wurde von der Polizei festgestellt und Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Zu seinem Motiv machte die Polizei, die in Themar mit 1.000 Beamten im Einsatz ist, keine Angaben.

Das Musikfestival in Themar am Freitag und Samstag findet auf Privatgelände statt und ist als politische Versammlung deklariert. Bis zum Samstagabend kamen nach Angaben der Polizei rund 1.900 Besucher - und damit deutlich mehr als erwartet. Die Beamten zählten bis dahin 55 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, unter anderem zahlreiche Verstöße gegen das Kennzeichenverbot verfassungswidriger Organisationen und zeigen des Hitlergrußes. Die Neonazi-Band "Nahkampf" spielte ein Lied, das auf dem Index steht. Auch gegen Auflagen des Landratsamtes Hildburghausen wurde verstoßen. So wurde vor 20 Uhr Bier in massiven Gläsern ausgeschenkt. Die Veranstalter dürfen laut Polizei Bier nur zwischen 20 Uhr und Veranstaltungsende verkaufen und Getränke nur in Papp- oder Plastikbechern füllen. Ein komplettes Alkoholverbot des Landkreises für die Veranstaltung hatte das Verwaltungsgericht Meiningen am Freitag gekippt.

Gegner des Neonazi-Festivals haben in Themar eine "bunte Meile" organisiert, um für Weltoffenheit und Toleranz zu werben. Zu den Gegenprotesten kamen am Samstagnachmittag rund 300 Menschen, wie ein Sprecher der "Mobilen Beratung in Thüringen" sagte. Am Freitag hatten bereits rund 250 Menschen an einem Friedensgebet und einem Zug durch die Stadt teilgenommen. Dabei wurde mit 193 weißen Holzkreuzen der Menschen gedacht, die seit 1990 nach Zählung der Amadeu-Antonio-Stiftung Opfer rechtsextremistischer und rassistisch motivierter Gewalt wurden. Die Kreuze werden seit Sonnabend Mittag nach und nach in Sichtweite des Veranstaltungsortes der Rechtsextremisten aufgestellt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2018, 21:11 Uhr

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70 Kommentare

11.06.2018 20:58 martin 70

@63 irmela: Sie schreiben "... Kreuzchen tragen braucht man keinen Mut!" - das kann man in Anbetracht fotografierender "Veranstaltungs-Teilnehmer" und den Spannungen im Ort anders sehen. Ich behaupte ausdrücklich nicht, dass alle AfD-Wähler in Themar (die die AfD mit rund 30% zur stärksten Kraft gewählt haben) auch die Inhalte der NPD teilen. Aber in einer solchen Situation Flagge (oder Kreuz) zu zeigen, ist schon eine andere Nummer als sich wegzuducken.

Ob es wirklich an der Thüringer Verwaltungsgerichtsbarkeit gelegen hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Es existiert ja auch die "Verschwörungstheorie", dass die Begründung durch das Landratsamt "leider leider" doch nicht so belastbar war. Dies ist in meinen Augen nicht völlig abwegig: Ich fand es schon etwas absonderlich, dass die Naturschutzkarte gezogen wurde. Bei der Abwegung zweier Rechtsgüter, von denen das eine "diskussionswürdig" auf Basis einer einfachgesetzlichen Regelung steht und das andere Verfassungsrang hat ....

11.06.2018 17:29 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 69

@ 68. MDR-Redaktion:

Der Punkt des Konfliktes unter den Kommentierenden scheint - wieder einmal - die unterschiedliche Auffassung über die Bewertung der Gesetze zu sein.
Es ist wohl kaum im Sinne einer Kommentar-Redaktion, darüber aufzuklären; noch weniger, die Genehmigung eines Neonazi-Konzerts als 'politische Versammlung' zu bewerten.

Als ör-Medium ist es allerdings die 'Pflicht', auch über regionale Demokratieverständnis-Defizite zu berichten, wenn sie denn auffallend sind.
Ein Neonazi-Konzert als 'politische Versammlung anzumelden UND sich dann über gesonderte Alkoholausschank-Regeln zu wundern ist genauso auffällig wie einem Journalisten bei der Arbeit 'eins in die Fresse zu hauen', der Fotos von den Besuchern einer 'politischen Veranstaltung' macht.

Und an diesen Punkten läuft es bei diesem Thema zusammen: das Ignorieren von Gesetzen bis hin zum Angriff auf Ihre Kollegen!

Der Kollege war wohl nicht vom MDR...

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