Neonazis auf dem Rechtsrock-Festival in Themar
Besucher des Neonazi-Festivals in Themar. Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer

Kreis Hildburghausen Über 2.000 Neonazis beim Rechtsrock-Festival in Themar

Zum zweitägigen Rechtsrock-Festival in Themar kamen deutlich mehr Besucher als zuvor erwartet. Zwischenzeitlich unterbrach die Polizei das Konzert einer Neonazi-Band, da sie ein verbotenes Nazilied gespielt hatte.

Neonazis auf dem Rechtsrock-Festival in Themar
Besucher des Neonazi-Festivals in Themar. Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer

Im Rahmen des Rechtsrock-Festivals im südthüringischen Themar sind laut Polizei über 80 Anzeigen erstattet worden. Der Großteil richtete sich laut Polizei gegen Konzert-Teilnehmer. Lediglich bei einem Besucher der Gegendemonstration habe die Polizei einschreiten müssen.

Teilnehmern des Rechtsrock-Konzerts wird unter anderem vorgeworfen, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet sowie gegen das Betäubungsmittel- und gegen das Versammlungsgesetz verstoßen zu haben. Zwei Anzeigen wurden wegen Volksverhetzung erstattet. Insgesamt zählte die Polizei bei dem Rechtsrock-Konzert über 2.200 Teilnehmer. An der Gegenveranstaltung beteiligten sich demnach rund 300 Menschen.

Konzert einer Neonazi-Band abgebrochen

Zwischenzeitlich unterbrach die Polizei das Konzert der Neonazi-Band "Brutal Attack". Eine Polizeisprecherin bestätigte, dass die Gruppe ein verbotenes Neonazilied gespielt hatte. Der Sänger wurde von Beamten von der Bühne geführt und von der Versammlung ausgeschlossen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot von rund 1.000 Beamten im Einsatz.

Polizei beendet Auftritt der rechtsextremen Band „Brutal Attack“ wegen Spielen eines indizierten Liedes - Sänger (blaues TShirt) wird abgeführt und von Versammlung ausgeschlossen!
Der Sänger der Band "Brutal Attack"(blaues T-Shirt) wird von der Polizei vom Gelände geführt. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Zu den Gegenprotesten kamen am Samstagnachmittag rund 300 Menschen, wie ein Sprecher der "Mobilen Beratung in Thüringen" sagte. Nahe am Gelände des Neonazi-Konzertes hatten sich mehrere Stände von Initiativen platziert. Außerdem gab es regelmäßige Friedensgebete in der Friedhofskapelle. Im Anschluss wurden jeweils bis zu 20 weiße Kreuze in die Nähe der Festivalwiese getragen und dort aufgestellt. Die Kreuze sollten die Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland symbolisieren, insgesamt 193 seit 1990.

In Bildern Themar, Neonazis und Protest

Beim Rechtsrock-Festival in Themar konnten über 2.000 Neonazis ihre menschenverachtenden Parolen verbreiten. 300 Menschen protestierten dagegen. Die Bilder vom Samstag.

Teilnehmer des Festivals Tage der nationalen Bewegung sitzen im Festivalzelt vor der Bühne
Zum Rechtsrock-Festival in Themar reisten weit mehr Besucher an als erwartet. Bildrechte: dpa
Teilnehmer des Festivals Tage der nationalen Bewegung sitzen im Festivalzelt vor der Bühne
Zum Rechtsrock-Festival in Themar reisten weit mehr Besucher an als erwartet. Bildrechte: dpa
Neonazis auf dem Rechtsrock-Festival in Themar
Die Polizei sprach von über 2.000 Teilnehmern. Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer
Neonazis auf dem Rechtsrock-Festival in Themar
Auf der Bühne traten rechtsextreme Bands, Liedermacher und Redner auf. Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer
Neonazis auf dem Rechtsrock-Festival in Themar
Dazu gab es rechte "Fanartikel". Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer
Sänger eine Neonazi-Band wird von der Polizei vom Festivalgelände geführt.
Am Samstagabend beendete die Polizei den Auftritt der rechtsextremen Band "Brutal Attack" wegen Spielens eines indizierten Liedes. Der Sänger (blaues T-Shirt) wurde abgeführt und von der Versammlung ausgeschlossen. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Neonazis auf dem Rechtsrock-Festival in Themar
Die Besucher des Rechtsrock-Konzerts kamen aus allen Ecken des rechts Spektrums. Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer
Neonazis auf dem Rechtsrock-Festival in Themar
Neonazi auf dem Festivalgelände. Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer
Konzert-Besucher pinkeln an Wahlplakate der NPD. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Polizeifahrzeuge auf einer Wiese
Die Polizei war mit rund 1.000 Beamten vor Ort. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Polizeihubschrauber hebt ab
Mit dem Polizeihubschrauber "Habicht"  wurde am Samstag die Versammlungslage über Themar gecheckt. Bildrechte: Landespolizeidirektion Erfurt, Social Media Team
Menschen tragen Kreuze auf einer Wiese.
Um an die Opfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990 zu erinnern, trugen Demonstranten Holzkreuze vor das Festival-Gelände. Bildrechte: MDR/Stefanie Magiera
Weiße Holzkreuze auf einer Wiese
Sie wurden auf einer Wiese aufgestellt. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Menschen bauen weiße Holzkreuze auf einer Wiese auf
Insgesamt waren in Themar rund 300 Menschen auf den Straßen unterwegs, um gegen das Konzert zu demonstrieren. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Banner mit der Aufschrift Ihre Ideologie tötet am Zaun des Rechtsrock-Festivals
Die Gegendemonstranten machten klar, was sie von den Neonazis halten. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Alle (14) Bilder anzeigen

Themars Bürgermeister Hubert Böse (parteilos) sagte, "man muss immer froh sein, dass sich Menschen aufmachen, auch die andere Seite von Themar zu zeigen." Er sei dankbar für jeden Einzelnen. Der Sprecher des lokalen Bündnisses gegen Rechts, Thomas Jakob, sagte dagegen, er sei enttäuscht von der geringen Teilnahme der Menschen aus Themar an den Protesten. Tatsächlich seien mehr Menschen aus der Umgebung oder aus Erfurt, Jena und Arnstadt zu den Demonstrationen gekommen als aus der 2800-Einwohner-Stadt selbst.

Gegenprotest bereits am Freitag

Bereits am Freitagabend hatten sich mehr als 200 Menschen an einem ökumenischen Friedensgebet in der Stadtkirche St. Bartholomäus beteiligt. Im Anschluss waren sie mit den weißen Kreuzen zur Festwiese der Rechtsextremisten gezogen. Neben Thüringens Innenminister Georg Maier und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (beide SPD) nahm auch die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, an dem Gottesdienst teil.

Das Oberverwaltungsgericht in Weimar hatte am Mittwoch in zweiter Instanz ein Verbot des Rechtsrock-Konzertes in Themar abgelehnt und damit eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Meiningen bestätigt. Nachdem das Verbot und mehrere Auflagen gegen das Neonazi-Festival in Themar gescheitert waren, verteidigten Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) und Hildburghausens Landrat Thomas Müller (CDU) ihr Vorgehen. Der ursprüngliche Verbotsbescheid gegen das zweitägige Festival sei handwerklich nicht schlecht gemacht gewesen, sagten beide am Samstag.

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Eine Frau singt hinter einem Mikrofon, daneben steht eine weitere Frau und spielt Geige.
Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Pünktlich zum Sommeranfang erobern Straßenmusiker die Innenstädte. Donnerstag wird in Gera, Weimar, Jena und Erfurt die Fête de la musique gefeiert.

Do 21.06.2018 11:44Uhr 00:56 min

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/erfurt/video-207154.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Juni 2018 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2018, 22:44 Uhr

Mehr aus der Region Suhl - Hildburghausen - Sonneberg - Ilmenau

Mehr aus Thüringen

Eine Frau singt hinter einem Mikrofon, daneben steht eine weitere Frau und spielt Geige.
Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Pünktlich zum Sommeranfang erobern Straßenmusiker die Innenstädte. Donnerstag wird in Gera, Weimar, Jena und Erfurt die Fête de la musique gefeiert.

Do 21.06.2018 11:44Uhr 00:56 min

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/erfurt/video-207154.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video