Szene-Treffpunkt Streit um Gaststätte von Neonazi Frenck in Kloster Veßra

Seit 2014 betreibt der Neonazi Tommy Frenck die Gaststätte "Goldener Löwe" in Kloster Veßra. Jetzt will die Gemeinde ihr Vorkaufsrecht geltend machen und den für die rechte Szene wichtigen Treffpunkt kaufen.

von Bettina Ehrlich

Seit Jahren ist der "Goldene Löwe" in Kloster Veßra bei Themar im Landkreis Hildburghausen der Treff für die rechte Szene in Thüringen. Tommy Frenck vom rechtsgerichteten Bündnis Zukunft Hildburghausen betreibt seit 2014 die Gaststätte. Der gelernte Koch hat den Gasthof vom Vorbesitzer gekauft. Der Kaufvertrag allerdings ist noch nicht vollzogen.

Verkauf noch schwebendes Verfahren

"Alle reden und schreiben davon, dass Frenck der Eigentümer ist, das stimmt so aber nicht", sagt Dagmar Dummer von der Verwaltungsgemeinschaft Feldstein, zu der Kloster Veßra gehört. Denn bei dem Verkauf handelt sich um ein schwebendes Verfahren, weil die Gemeinde seit vier Jahren um ihr Vorkaufsrecht kämpft. "Spiegel online" hatte zuerst darüber berichtet.

Die VG-Vorsitzende sieht auch gute Chancen, dass Kloster Veßra dieses auch bekommt. Das Landesamt für Denkmalschutz habe den "Goldenen Löwen" als schutzwürdig eingestuft. Auf dem Grundstück des Gasthofes stand früher das Kloster-Hospital. Damit handelt es sich bei dem Gelände nach Dummers Argumentation um ein für die Regionalgeschichte wichtiges Kulturdenkmal.

Urteil Ende September erwartet

Ob das auch das Meininger Verwaltungsgericht so sieht, wird sich zeigen. Ende September will es nach Information eines Gerichtssprechers darüber entscheiden. Sollte die Gemeinde das Vorkaufsrecht tatsächlich bekommen, müsste Frenck den Platz räumen. Doch auch Dummer rechnet nicht mit einem schnellen Ende des Verfahrens. Frenck habe bereits mehrfach angekündigt, bis in die letzte Instanz - also vor das Oberverwaltungsgericht - zu gehen. Als Organisator mehrerer großer Rechtsrock-Konzerte im benachbarten Themar kennt sich Frenck juristisch bestens aus, zudem hat er gute Anwälte an seiner Seite.

Erfurt: Georg Maier (SPD), Thüringens Innenminister spricht während einer Eignungsprüfung für Schutzhunde mit einem Polizeibeamten.
Innenminister Georg Maier (SPD) Bildrechte: dpa

Auch Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hofft, dass Frenck aus dem "Goldenen Löwen" ausziehen muss. Allerdings müsse alles nach Recht und Gesetz geschehen. Wichtig sei jetzt, dass die Zivilgesellschaft Courage zeigt. Das bedeute auch, eben nicht bei einem bekennenden Neonazi essen zu gehen. Allerdings, so Maier, gehört zur Wahrheit auch: "Dass Rechtsradikale Immobilien kaufen, wird sich nicht in jedem Fall verhindern lassen. Denn wann eine Gemeinde Vorkaufsrecht hat, ist vom Gesetzgeber streng geregelt", so der Minister. Und schon allein aus finanziellen Gründen könnten viele Gemeinden dieses Recht nicht immer in Anspruch nehmen.

Rechtsextremer Szene-Treff

Die Gaststätte gilt als wichtiger Treffpunkt für die rechtsextreme Szene. Allein im vergangenen Jahr fanden dort nach Angaben der Mobilen Beratung Mobit vier Rechtsrock-Konzerte und sechs Liederabende statt.

Erst im Januar dieses Jahres hatte das Amtsgericht Sonneberg den Verkauf eines weiteren Grundstücks in Kloster Veßra an den Neonazi gestoppt. Die etwa 3.000 Quadratmeter große Fläche nahe des "Goldenen Löwens" hatte Frenck im Herbst 2018 im Rahmen einer Zwangsversteigerung erworben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 02. Mai 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2019, 16:14 Uhr

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50 Kommentare

05.05.2019 10:28 der_Silvio 50

@47 Fakt; "Ja und? man kann sein Vorkaufsrecht auch komplett ohne Begründung geltend machen. Und mit Straftaten hat das gar nichts zu tun. Man will halt keine Rechtsextremen in seiner Umgebung haben - durchaus nachvollziehbar."
Nach 5 Jahren?!? Durchaus unglaubwürdig, heuchlerisch und nicht wirklich nachvollziehbar.

05.05.2019 08:57 Ekkehard Kohfeld 49

@ der_Silvio 46 @45 Eulenspiegel
Wir wollen doch, daß die Demokratie gegen ihre Feinde vorgeht, nur wollen sie nur gegen die Feinde von rechts vorgehen, ich viel lieber gegen ALLE Demokratiefeinde, egal ob von rechts oder links!##

(Unterstellung entfernt. (Red./gh)

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