Landkreis Hildburghausen Neonazi will Schloss Bockstadt bei Eisfeld kaufen

Verwunschen liegt es da, das Schloss in Bockstadt bei Eisfeld. Die Besitzer wollen es endlich loswerden und verlieren langsam die Geduld. Jetzt könnte das Schloss sogar in rechte Hände fallen.

von Bettina Ehrlich

Eingangstor, dahinter Schloss Bockstadt
Vom einstigen Glanz von Schloss Bockstadt ist nicht mehr viel übrig. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Wer sich nach Bockstadt bei Eisfeld in Südthüringen verirrt, könnte glauben, dass er plötzlich in Schottland gelandet ist. Hinter einer halb verfallenen Mauer und dichten Hecken verbirgt sich Schloss Bockstadt. Freiherr von Münchhausen hat es um 1900 bauen lassen. Im schottischen Landhausstil mit prachtvollem Park, Alleen und Teichen.

Pferdelazarett und Gefangenenlager

Vom einstigen Glanz ist nicht mehr viel übrig geblieben. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war hier erst ein Pferdelazarett, später wurden Kriegsgefangene untergebracht. Zu DDR-Zeit lag Bockstadt in der Sperrzone und im Schloss wurden Senioren betreut. Nach der Wende hat Eisfeld das Schloss verkauft. Momentan gehört es noch einer Eigentümer-GbR mit drei Gesellschaftern. Und die wollen den Bau endlich loswerden. Ihr Anwalt ist Benjamin Richert aus Waren an der Müritz. Und der kann Bockstadt langsam nicht mehr hören.

Eigentümer gehen Hochstaplern auf den Leim

Im Sommer vergangenen Jahres hatte ein Paar aus dem benachbarten Oberfranken das Schloss gekauft. Die beiden Investoren hatten große Pläne. Für rund zwei Millionen Euro wollten sie das Schloss sanieren und zu einer gehobenen Seniorenresidenz umbauen. Auch ein gemütliches Café sollte entstehen. Nur den Kaufpreis haben die Beiden nie gezahlt. Heute sind sie wie vom Erdboden verschluckt. Im nur wenige Kilometer entfernten Bad Rodach sollen sie ihre Pacht für ein Café nicht gezahlt haben. Auch Bäcker- und Fleischer blieben offenbar auf ihren Rechnungen sitzen.

Kreis Hildburghausen Trauriger Zustand: Schloss Bockstadt bei Eisfeld

Seit Jahren verfällt das Schloss Bockstadt bei Eisfeld in Südthüringen. Pläne bisheriger Eigentümer zur Sanierung wurden nicht realisiert. Wer hier investiert, muss einiges Geld mitbringen.

Schloss Bockstadt
Wie ein Dornröschenschloss liegt es versteckt... Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Schloss Bockstadt
Wie ein Dornröschenschloss liegt es versteckt... Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Schloss Bockstadt
... Schloss Bockstadt bei Eisfeld. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Eingangstor, dahinter Schloss Bockstadt
Seit Jahren steht das Objekt leer. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Schloss Bockstadt
Zu DDR Zeiten lad Bockstadt im Sperrgebiet. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Schloss Bockstadt
Um das Haus zu erhalten, sind mehrere Millionen nötig. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Eingangsbereich des Schlosses Bockstadt
Die Detailaufnahme zeigt eindrücklich den Zustand des Gebäudes. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Verfallene Mauer am Schloss Bockstadt
Die Mauer um das Grundstück ist an einigen Stellen eingestürzt. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Schloss Bockstadt
Das Schloss steht unter Denkmalschutz - vielleicht eine Chance für Eisfeld Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten regional | 27. Januar 2020 | 19:30 Uhr

Neonazis wollen das Schloss

Nachdem der Deal endgültig geplatzt war, trat Tommy Frenck auf den Plan, der in der Region bereits eine Immobilie besitzt und mit der Organisation von Neonazi-Konzerten weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Frenck hat beim Anwalt der Eigentümer ein schriftliches Angebot für das Schloss in Bockstadt eingereicht. Details nennt der Anwalt nicht. Stattdessen konnte er eine neue Interessentin vermelden.

Neuer Interessent zieht sich zurück

Rechtsanwalt Richert und seine Mandanten sind froh, das Schloss nicht an einen Neonazi verkaufen zu müssen. "Aber aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen hat der Interessent sein Angebot nun zurückgezogen", teilte der Anwalt mit. Nun bleibe also nur noch Frenck. Die Geduld bei den Besitzern ist offenbar am Ende. Sollte Frenck das Schloss noch wollen, rechnet Richert mit einem schnellen Vertragsabschluss.

Eisfeld kann den Deal noch verhindern

Widerspruch kommt aus der Stadt: "So schnell schießen die Preußen nicht", wendet Bürgermeister Sven Gregor ein. Das Schloss Bockstadt stehe schließlich unter Denkmalschutz. Die Stadt Eisfeld muss und kann daher das Konzept des potenziellen Investors prüfen. Der Stadtrat muss dann möglicherweise entscheiden, ob Eisfeld das Vorkaufsrecht wahrnimmt. Aber auch dann bleibt die Frage, was wird aus dem Schloss Bockstadt. Das Haus steht seit Jahren leer und droht zu verfallen. "Wer hier einsteigt, muss richtig Asche haben", sagt der Bürgermeister.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) erklärte am Dienstag, er werde alles dafür tun, den Verkauf der Immobilie an Frenck zu verhindern. Generell stünden bei solchen Geschäften aber auch die Verkäufer in der Verantwortung. Diese dürften es sich nicht zu einfach machen, indem sie ihre Immobilie an Rechtsextremisten verkauften.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten regional | 27. Januar 2020 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2020, 18:34 Uhr

48 Kommentare

Der Matthias vor 3 Wochen

@ der_Silvio

"Das darf aber keinesfalls darin münden, jemandem die Lebensgrundlage zu entziehen!"

Wenn jemand sich aufgrund seiner rechtsextremistischen Gesinnung ganz bewusst außerhalb unserer FDGO stellt (diese sogar gezielt diffamiert und bekämpft), kann es durchaus passieren, dass er dadurch konkrete persönliche (ggf. auch handfeste finanzielle) Nachteile hat. Man kann sich auch durchaus selber "die Lebensgrundlage entziehen" und sich sein eigenes Leben ruinieren, dazu braucht es nicht einmal den Rechtsstaat, den man dafür ggf. verantwortlich machen könnte.

der_Silvio vor 3 Wochen

@Martin;
Aber auch die Rechte des Staates sind eingeschränkt und das Handeln darf nicht in einer Gesinnungsdiktatur enden. Denn damit würde man sich der Praktiken der Leute bedienen, die man 'bekämpfen' will.
Und wäre man dann besser?
Ich meine nein.

der_Silvio vor 3 Wochen

@Der Matthias;
Man kann das Gedankengut ächten, da bin ich ganz bei ihnen. Man kann und muß entsprechende Straftaten verurteilen.
Die Gesellschaft muß gegen jedwede Art von Extremismus vorgehen.
Das darf aber keinesfalls darin münden, jemandem die Lebensgrundlage zu entziehen! Das wäre m.E. gegen die Grundrechte, die auch solche Menschen haben.

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