Bürgermeisterwahl Hildburghausen im Wahlkampf: Drei Kandidaten kämpfen um Chefsessel

In der Südthüringer Kreisstadt Hildburghausen wird am 8. März ein neuer Bürgermeister gewählt. Im Rennen sind Amtsinhaber Holger Obst für die CDU, Tilo Kummer für die Linkspartei und AfD-Kandidatin Ines Schwamm. Jeder kämpft auf seine Weise um die Stimmen der Hildburghäuser.

Zwei Männer und eine Frau stehen nebeneinander.
Sie kandidieren in Hildburghausen: (von links) Tilo Kummer (Linke), Holger Obst (CDU) und Ines Schwamm (AfD). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer aus Richtung Schleusingen mit dem Auto nach Hildburghausen kommt, kann die beiden riesigen Wahl-Aufsteller mitten im Verkehrskreisel gar nicht übersehen. Holger Obst und Tilo Kummer lächeln einem entgegen.

Ein Wahlplakat von Ines Schwamm sucht man in der Stadt dafür vergeblich. Sie verzichtet komplett auf Plakate. „Ich glaube nicht, dass die viel bringen“, sagt sie. Außerdem würden sie die Stadt verschandeln und für die Umwelt seien sie auch nicht gerade ein Segen. Erst müssten sie gedruckt, aufgehängt und dann wieder entsorgt werden. Schwamm setzt im Wahlkampf daher eher auf das Gespräch mit den Menschen.

In jedem Ortsteil, in jedem Wohngebiet hat sie deshalb Termine angesetzt. „Dort können die Leute kommen, ich stelle mein Programm vor und ich beantworte Fragen“, erläutert die AfD-Kandidatin ihre Wahlkampfstrategie. Die Themen seien völlig unterschiedlich und manchmal ginge es um ganz kleine Probleme, die man sogar als Stadträtin relativ einfach lösen könne. Wie zum Beispiel die Reparatur eines Brückengeländers oder eine Rasenfläche, die regelmäßig gemäht werden müsse.

Zwei Wahlplakate stehen auf einer Wiese an einer Straße.
Zwei von drei Kandidaten haben große Wahlplakate in Hildburghausen aufgestellt. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Kein AfD-Logo auf dem Flyer der AfD-Kandidatin

Auf ihrem Flyer, den sie in ganz Hildburghausen verteilt, verzichtet Ines Schwamm auf das AfD-Parteilogo. „Nicht aus wahltaktischen Gründen, sondern weil es hier um die Stadt und die Menschen, nicht um eine Partei geht“, sagt sie. Trotzdem trage sie ganz bewusst deren Politik.

„Die Bürger wissen, dass ich in der AfD bin, da brauchen wir das nicht extra noch mal drauf zu drucken“, sagt Schwamm. Für sie sei die Wahl eine reine Personenwahl, Parteien würden daher kaum eine Rolle spielen. Vor zwei Jahren war Schwamm in die AfD eingetreten, vorher hatte sie ihre politische Heimat bei den Freien Wählern gesehen.

CDU-Politprominenz bleibt außen vor

Auch die beiden anderen Bürgermeisterkandidaten setzen auf Gespräche mit den Menschen vor Ort. Der Amtsinhaber Holger Obst (CDU) hat ebenfalls in allen Stadt- und Ortsteilen Termine angesetzt. „Da geht es meistens um Dinge vor der Haustür“, berichtet Obst. In Weitersroda zum Beispiel wünschen sich die Einwohner endlich einen sicheren Radweg bis in die Innenstadt nach Hildburghausen.

Auf große CDU-Politprominenz verzichtet Obst dagegen. „Ich glaube nicht, dass mir das in der derzeitigen verkorksten Lage in Erfurt und im Bund etwas nützt“, sagt Obst. Außerdem ginge es um Hildburghausen und die Sorgen der Menschen vor Ort.

Vier Männer und eine Frau sitzen auf einem Podium auf einer Bühne.
Die drei Kandidaten - mit Moderatoren - bei einem Wahlforum des "Freien Wortes". Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Auch das Erfurter Politchaos ist Thema

Etwas anders sieht das Tilo Kummer von der Linkspartei. Er hat nicht nur die meisten Wahlplakate in der Stadt aufgehängt, sondern sich auch den ehemaligen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow als Wahlkampfhilfe nach Hildburghausen geholt. Inklusive einem Liedermacher aus Schalkau im Landkreis Sonneberg.

„In den vielen Gesprächen mit den Menschen spüre ich, dass sie schon wissen wollen, wie es in Erfurt weitergeht, deshalb sollen sie ihre Fragen stellen können", sagt Kummer. „Doch die große Landespolitik treibt die Menschen in Hildburghausen nicht so sehr um wie die Themen vor ihrer eigenen Haustür.“

Auch er stellt sich den Fragen der Einwohner. Am liebsten auf dem Marktplatz, wo er mit den Menschen direkt ins Gespräch kommen kann. Immer wieder sprechen ihn die Leute an, weil auf dem Markt außer an den Markttagen kaum noch etwas los ist. "Viele kleine Geschäfte in der Innenstadt kämpfen ums Überleben, da muss was passieren", reklamiert er.

Die Sparkasse sei weggezogen, das Landratsamt auch und die Tourist-information macht freitags um 14 Uhr zu. Das müsse sich ändern. Vielleicht indem wieder mehr öffentliche Einrichtungen auf den Markt ziehen.

Dutzende Menschen sitzen in einem Saal
Von Politikverdrossenheit keine Spur: Die 300 Plätze im Stadttheater zum Wahlforum des "Freien Worts" reichten kaum aus. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Hunderte Menschen bei Wahlforen

Von Politikverdrossenheit ist in Hildburghausen momentan jedenfalls nichts zu spüren. Zu einem Wahlforum, zu dem die Freien Wähler Anfang März eingeladen hatten, waren mehr als 200 Menschen gekommen. Zu dem von der Tageszeitung „Freies Wort“ am vergangenen Donnerstag sogar rund 300. Das Stadttheater war voll bis auf den letzten Platz.

Und tatsächlich wollen die Menschen wissen, wie es mit Hildburghausen weitergehen soll. Was getan werden kann, damit auf dem Markt wieder mehr los ist. Und auch, wo die Jugend mal feiern kann. Der Stadt fehlt ein Saal für Veranstaltungen.

Holger Obst und Tilo Kummer plädieren dafür, endlich den Anbau am Stadttheater in Angriff zu nehmen. Ines Schwamm will lieber den einstigen Industriekomplex am Busbahnhof zu einer Eventhalle umbauen. Das sei deutlich günstiger. Ihre beiden Gegenspieler bezweifeln das. Wie gut, dass sich die Teilnehmer des Wahlforums ihre eigene Meinung bilden können.

Wer von den drei Kandidaten die Wähler am besten überzeugt, wird sich zeigen: Am 8. März um 18 Uhr schließen die Wahllokale.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. März 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Hans Dampf vor 13 Wochen

Was denn für eine Wahl, die kannst du doch alle 3 vergessen.
Bsp. Herr Kummer der alte Wachposten vom MfS. Hat keinen Beruf gelernt und nur weil er zu Hause 3 Hühner und 2 Schafe hat, wurde er von seiner Fraktion als Agrarpolitischer Sprecher eingesetzt. Aber da stimmt der alte Spruch: Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit

Thueringer Original vor 13 Wochen

Meine Auffassung ist schon seit längerem, dass keine Politikverdrossenheit, sondern Politikerverdrossenheit vorherrscht.

Von Herrn Kummer hätte ich gerne gewusst, was denn "passieren muss", damit die Läden in den Städten nicht schließen? Wie will er das verhindern?

Marc Busch vor 13 Wochen

Und schon der nächste Test für die neue Politik, dass man. Sich nicht von AfD wählen lassen darf.
Beispiel 1. Wahlrunde:
Kummer (LINKE). 40 %
Obst (CDU). 35 %
Fr. Schwamm (AfD) 25 %
2. Wahlrunde (Stichwahl)
Nur noch Obst und Kummer im Duell, Frau Schwamm ruft ihre 25% Wähler auf, den Kandidaten der CDU zu unterstützen.
Ergebnis:
Kummer (LINKE) wieder 40 %
Obst (CDU) jetzt 60 %

Und nun?

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