Handwerk aus Thüringen Fleißige Bienchen: Imkerhonig aus Ilmenau

Eigentlich sollten sie ihre Produkte auf Weihnachtsmärkten verkaufen, doch Corona lässt das nicht zu. In unserer Serie über Thüringer Traditionshandwerker und Handwerkerinnen stellen wir diesmal eine Imkerin vor. Bienen sind Katharina Kerntopfs Leidenschaft. Sechs Völker mit jeweils 10.000 Bienen stehen in ihrem Garten in Ilmenau. Neben Honig aus dem Thüringer Wald gibt es bei ihr auch selbstgezogene Kerzen aus Bienenwachs.

Honiggläser in einem Korb
Köstlicher Honig aus dem Thüringer Wald. Würzig und wohltuend. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Katharina Kerntopf ist eine von 540 Imkern in Thüringen. Ein Bienenvolk ist zwar ein Mädelshaushalt, Imkervereine sind das aber nicht. Doch es tut sich was in der Männerdomäne. Eigentlich ist Kerntopf Grafikerin. Und sie ist Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Ilmenau.

Ihr Atelier liegt hinterm Haus, im zauberhaften Garten der Familie. Es wirkt verwunschen durch die Kunstwerke, das leichte Durcheinander und den riesigen Apothekerschrank. Immer im Blick hat sie von dort ihre Bienenkästen unterm Apfelbaum. Im Frühjahr herrscht unterm blühenden Apfelbaum und neben der Kräuterspirale reger Flugbetrieb. Bis zu 60.000 Bienen pro Kasten fliegen unermüdlich ein und aus.

Bienenstöcke
60.000 Bienen fliegen hier im Sommer ein und aus. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Eigenes Design für eigenen Honig

Sechs Völker mit jeweils 10.000 Bienen wärmen jetzt im Winter je eine Königin. Mit schnellen Muskelkontraktionen wird Wärme erzeugt. Auf 30 Grad heizt das Volk seiner Königin ein. Dabei verhält sich die sogenannte Wintertraube wie ein Pinguinschwarm. Die Tiere rotieren und jede Biene muss mal nach außen in die Kälte. Und weil wärmen hungrig macht, ist Bewegung im Bienenstock. Die ganze Wintertraube wandert immer zu einer mit Honig gefüllten Wabe und labt sich dort.

Der letzte Honig im Jahr gehört immer den Bienen. Die restlichen knapp 40 Kilogramm hat Katharina Kerntopf in Gläser gefüllt. Und weil sie Grafikerin ist hat sie ihrem Honig ein eigens Etikett designt. Es hat einen dunklen Grund und ist geschmückt mit bunten Blumen und Bienen. Es soll die Freude des Sommers zeigen, sagt sie.

Es heißt zwar "fleißiges Bienchen", aber das ist eine Imkerin auch - fleißig. Und zwar das ganze Jahr. Kästen kontrollieren, Königinnen im Zaum halten, Geräte warten, Honig schleudern.

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch
Katharina Kerntopf in ihrem Atelier. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

In diesem Jahr hat Katharina Kerntopf auch erstmals selbst Kerzen gemacht. Weil das eigentlich ziemlich viel Spaß macht und wunderbar duftet, sagt sie. In normalen Jahren, erzählt sich fast schon traurig, übernehmen das Kerzenmachen die Kinder während des Fischereifestes. Doch in diesem Jahr musste ja alles ausfallen.

Handwerkskunst: Kerzen selber machen

Sie selbst sammelt ihr Bienenwachs mit einem Sonnenwachsschmelzer. Der steht bis zum Herbst in ihrem Garten, ausgerichtet nach Süden. Sie stellt die alten verbrauchten Waben hinein, das Wachs schmilzt und läuft in einen kleinen flachen Kasten. Anschließend muss das Wachs noch geklärt werden. Dazu gibt sie es in einen alten Alumilchtopf mit doppeltem Boden, lässt Wasser in die Zwischenwand und schmilzt das Wachs.

Imkerutensilien
Das hier wird mal eine Kerze. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Anschließend spannt sie eine alte Strumpfhose über eine Eispackung und lässt das heiße Wachs hindurchlaufen. Fertig. Zum Herstellen der Kerzen schmilzt sie das so geklärte Wachs dann wieder und lässt es in Silikonformen mit Docht laufen. So entstehen Teelichter oder kleine Zapfen. Wenn sie angezündet werden, erfüllen sie den ganzen Raum mit einem zarten Bienenwachsduft.

Duften herrlich: Teelichter aus Bienenwachs

Ohne Märkte und Feste musste sich Katharina Kerntopf wie andere Imker auch was einfallen lassen. Sie hat ein Teelicht entworfen mit Wintermotiven. Zusammen verpackt mit einem Teelicht aus Bienenwachs kann man es in den beiden Ilmenauer Buchhandlungen kaufen. Ihren Honig aus dem Thüringer Wald gibt es derzeit nur bei ihr. Er schmeckt würzig und fruchtig, ist etwas dunkler und wurde von ihren Bienen im Naturpark Thüringer Wald gesammelt.

Teelicht mit Weihnachtsmotiv
Teelicht mit Weihnachtsmotiv Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Dabei fliegen die Bienen alles an, was blüht und das seien nicht nur die Bäume, meint Kerntopf. Sie mag ihren Honig am liebsten auf einem frischen Brötchen mit Butter. Und wenn sie dann von ihren Bienen schwärmt, ist Vorsicht geboten. Denn ihre Liebe zum Imkern kann ansteckend sein.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 07. Dezember 2020 | 07:10 Uhr

1 Kommentar

Lothar Thomas vor 11 Wochen

Honig direkt vom Imker, dass ist etwas ganz Feines.

Oooch, ein frisches Brötchen mit Butter und dann richtigen Imkerhonig, da läuft mir doch glatt das Wasser im Mund zusammen.

Es muss aber Honig vom Imker sein, kein mit sonstwas gestreckter aus dem Glas, wo man nicht weiß was wirklich drin ist.

Ich kann der jungen Frau nur viel Glück wünschen, dass ihre Bienchen immer schön fleißig bleiben und dass sie vor allem von der Varroamilbe verschont bleibt.

Wenn es sich ergibt, werde ich gerne mal ein Glas Honig mit Waldtracht kaufen und mir schmecken lassen.

Ein guter Kumpel von mir war auch Imker und da hatte ich auch immer frischen Honig, aber der Mann lebt leider nicht mehr.

Jetzt kaufe ich mir frischen Honig eben auf dem Wochenmarkt.



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