Cafe Spindler in Allzunah von außen
Café Spindler im kleinen Dörfchen Allzunah. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Wegen Fachkräftemangel Aus für Café Spindler am Rennsteig

Der Kuchen schmeckt, die Gäste kommen: Seit 50 Jahren ist das Café Spindler im kleinen Örtchen Allzunah beliebte Einkehr für Wanderer und Skifahrer. Jetzt hat es geschlossen - weil niemand dort arbeiten will.

von Bettina Ehrlich

Cafe Spindler in Allzunah von außen
Café Spindler im kleinen Dörfchen Allzunah. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Die Stühle stehen umgedreht auf dem Tisch. Die Kuchentheke ist blitzblank poliert, aber leer. Der Kalender im Café Spindler in dem kleinen Dörfchen Allzunah ist am 27. Mai stehen geblieben - an dem Tag, an dem zum letzten Mal ein Stückchen Kuchen verspeist und ein Kännchen Kaffee geschlürft wurde. Schweren Herzens musste Jörg Spindler den Schlüssel von außen umdrehen. Wohl für immer.

"Allein schaffe ich es nicht mehr und ich finde einfach keine Küchenhilfe", sagt er fast entschuldigend. Im September hatte die Mitarbeiterin gekündigt, seitdem suchen die Spindlers nach Ersatz.

Der selbstgebackene Kuchen schmeckte einfach

Info-Zettel mit Hinweis zur Schließung eines Cafes
Aushang mit der Botschaft am Café. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Jörg Spindlers Eltern Ruth und Siegfried sitzen draußen im Garten. Sie wollen nicht reden. Wie schwer sie das Ende ihres Cafés trifft, ist ihnen jedoch anzusehen. Vor etwa 50 Jahren hatten sie es aufgebaut. Direkt am Rennsteig gelegen, wurde es schnell zu einem beliebten Ausflugsziel für Mountainbiker, Skifahrer und Wanderer. Der selbstgebackene Kuchen schmeckte den Leuten einfach. "Am meisten immer der, der gerade nicht da war", lacht Jörg Spindler und erinnert sich an die vielen schönen Tage.

Das Café lief bis zum letzten Tag gut und jetzt stehen jeden Tag enttäuschte Gäste vor der verschlossenen Tür. Das Problem ist, dass das Hauptgeschäft eben an den Wochenenden und Feiertag läuft. Da will offenbar niemand arbeiten. Spindlers Frau und Tochter haben nach Kräften ausgeholfen, sind inzwischen aber an ihre Grenzen gestoßen. Beide haben zusätzlich noch einen Beruf.

Kopfschütteln

"Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich mal über Personalmangel stolpere", sagt Spindler kopfschüttelnd. "Wenn es wirtschaftlich nicht funktioniert, dann ist das etwas anderes, aber so?" Alle Annoncen haben nichts gebracht, auch das Arbeitsamt konnte nicht helfen. Spindler hatte noch gehofft, vielleicht einen Studenten als Aushilfskraft gewinnen zu können, doch auch in Ilmenau hatte die Familie kein Glück. Deshalb steht das Ende jetzt fest. Jörg Spindler will noch mal umsatteln und schaut sich nach einem Job um. "Am liebsten im Forst oder in der Landschaftspflege", sagt er und schließt die Tür des kleinen Cafés am Rennsteig.

Mann mit verschränkten Armen in einem Cafe
Jörg Spindler hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachmittag | 13. Juni 2018 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2018, 16:00 Uhr

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12 Kommentare

15.06.2018 15:30 martin 12

Oder gibt es keine in Allzunah?
Oder haben sie noch keine Arbeitserlaubnis?
Oder hatten sie noch keinen Sprachkurs?
Oder .... ???

Könnte ja noch mehr Gründe geben. Und schon länger dort lebende Menschen mit Hartz IV Bezug gibt es dort bestimmt auch nicht.

14.06.2018 22:24 Diddy 11

Wo gibt es denn Probleme mit den Fachkräften, es sind doch unmengen Fachkräfte nach Deutschland gekommen.
-oder wollen die nur unseren Sozialstaat ausnutzen?
-oder fehlt doch die Qualifikation in einem Cafè zu arbeiten?
-oder war alles nur eine Lüge?

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