Ilmenau Nach Schulverweis: Minister verurteilt Drohungen von Corona-Leugnern

Ein Schüler aus Ilmenau weigerte sich, eine Maske zu tragen - und wurde der Schule verwiesen. Daraufhin erhielt der Schulleiter Drohmails von Corona-Leugnern. Für Bildungsminister Holter wurde eine Grenze überschritten.

Die Goethe-Schule in Ilmenau.
Die Goethe-Schule in Ilmenau. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Nach den Drohungen von mutmaßlichen Corona-Leugnern gegen einen stellvertretenden Schulleiter in Ilmenau sieht Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) eine Grenze überschritten. "Schule ist ein geschützter Raum. Deshalb müssen solche politischen Auseinandersetzungen woanders geführt werden", sagte Holter am Donnerstag bei einem Treffen an der Goethe-Schule in Ilmenau.

Anfang der Woche weigerte sich ein Schüler, einen Mundschutz im Schulgebäude zu tragen. Als der stellvertretende Schulleiter Robby Krämer den Schüler daraufhin der Schule verwies, erhielt er zahlreiche Drohmails sowie Anrufe und Nachrichten. Laut Krämer wurde ihm in diesen Gewalt angedroht. So habe er zum Beipsiel eine E-Mail erhalten, in der ihm mitgeteilt wurde, dass er nach der "Systemwende zur Rechenschaft gezogen" werden würde.

Schreiben an mehrere Thüringer Schulen verschickt

Bildungsminister Holter sprach von einem Einzelfall, wies aber darauf hin, dass ein Schreiben mit "pseudowissenschaftlichen Abhandlungen" an mehrere Thüringer Schulen mit verschickt worden sei. "Die Schreiben deuten darauf hin, dass es hier um eine konzertierte Aktion geht", so Holter.

Das Schreiben wurde von der "Bürgerinitiative Eltern stehen auf Regionalgruppe Thüringen" verschickt. Laut Holter sei es nicht ausgeschlossen, dass das Schreiben auch in anderen Bundesländern verschickt wurde. Beim nächsten Treffen der Kultusminister am Freitag soll dieses Thema besprochen werden.

Im Schreiben werden Eltern nach den Hygienekonzepten an Schulen befragt. Zum Beispiel heißt es darin: "Angst sollte nicht der Motivator dafür sein, unsere Kinder in gesundheitlichen Einschränkungen und in psychisch soziale Krisen zu drängen." Des Weiteren ist die Rede davon, dass Lehrer und Schulleitungen "drangsaliert" würden, indem ihnen bei Verstößen gegen die Corona-Regeln hohe Bußgelder auferlegt werden.

Parallelen zu Demonstrationen in Berlin

Bildungsminister Holter findet in Ilmenau klare Worte.

Mir geht es um ein deutliches Zeichen der Solidarität für den Direktor und die gesamte Schülerschaft.

Helmut Holter MDR THÜRINGEN

Es gehe nicht, dass eine Debatte zur Corona-Pandemie, die sicher richtig und notwendig sei, auf dem Rücken von Kindern und Lehrern ausgetragen werde, sagte Holter. Die Schule müsse ein geschützter Raum bleiben. Bei den Hygieneanordnungen gehe es um vorbeugenden Gesundheitsschutz.

Kritiker rief Holter auf, sich direkt an ihn als Minister zu wenden. Mit Blick auf die Drohmails wollte Holter Parallelen zu den Demonstrationen in Berlin vom vergangenen Wochenende nicht ausschließen.

Thüringens Landeselternvertretung verurteilt Drohungen

Auch die Thüringer Landeselternvertretung hat die Drohungen gegen den stellvertretenden Schulleiter verurteilt. Es dürfe nicht sein, dass ein Schulleiter Regeln durchsetze und daraufhin Drohmails und Drohanrufe erhalte und in sozialen Medien vorgeführt werde, sagte Landeselternsprecher Roul Rommeiss. Bedrohungen dieser Art hätten nichts mit einem fairen Diskurs zu tun.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 03. September 2020 | 15:30 Uhr

71 Kommentare

Mario Hana vor 2 Wochen

Liebes mdr-Team: Da steht auch bewusst: "Durch das Tragen KANN die Geschwindigkeit des Atemstroms oder Speichel-/ Schleim- Tröpfchenauswurfs reduziert werden." Dieser Satz ist auch erst später (Anfang Mai) auf der Webseite des BfARM hinzugekommen - warum auch immer. Man hat aber bewusst die Formulierung KANN gewählt und nicht REDUZIERT die Geschwindigkeit. Beim BfARM arbeiten Techniker und Wissenschaftler und ich denke bei denen biegen sich sämtliche Fußnägel nach oben, wenn sie die Diskussionen um die vermeintliche Wirksamkeit einfachster Stofflappen verfolgen.

Berggeist vor 2 Wochen

Ein Fremdschutz ist bei Stoffmasken und OP Masken nur vor Tröpfchen im größeren Mikrometermeter Bereich gegeben. Menschen haben im allgemeinen keine so feuchte Aussprache das man nach einem Gespräch mit einer Person mit durchnässt Gesicht weiter geht. Und wann haben Sie das letzte Mal einen Menschen in der Öffentlichkeit Husten oder Niesen sehen Das traut sich ja schon keiner mehr, soweit sind wir schon, und wenn dann "vorschriftsmässig" in die Armbeuge.

Berggeist vor 2 Wochen

Und warum? Weil Sie diese Meinung bzw. Argumente nicht akzeptieren wollen? Erschreckend wie weit Cancel Culture mittlerweile in der Gesellschaft verankert ist.

Mehr aus der Region Gotha - Arnstadt - Ilmenau

Mehr aus Thüringen

Zigarettenpackungen und Kronkorken liegen auf der Straße 2 min
Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Der Wielandplatz in Weimar hat ein Müllproblem. Feierende Jugendliche hinterlassen Kippen, Kronkorken und Flaschen. Mittlerweile gibt es kreative Ideen, um dem Problem Herr zu werden.

MDR THÜRINGEN Sa 19.09.2020 19:00Uhr 02:29 min

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/weimar/video-wielandplatz-muell-weimar100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video