Interaktive Tafel white Board an der Petersbergschule Nordhausen
Interaktive Tafel "Whiteboard" an der Petersbergschule Nordhausen. Bildrechte: MDR/Marc Neblung

Studie der TU Ilmenau Mängel bei Medienbildung an Thüringer Schulen

An Thüringer Schulen gibt es laut einer Studie Mängel bei der Medienbildung. Es fehlt sowohl an inhaltlichen als auch an technischen Grundlagen. Das Fach "Medienkunde" wird im Freistaat nicht als eigenständiges Fach unterrichtet, soll aber Kinder und Jugendliche zu kompetentem Verhalten in der digitalen Welt erziehen.

Interaktive Tafel white Board an der Petersbergschule Nordhausen
Interaktive Tafel "Whiteboard" an der Petersbergschule Nordhausen. Bildrechte: MDR/Marc Neblung

Nichts alles ist schlecht, nicht alles gut in der Medienbildung an Thüringer Schulen. So lautet ein Fazit der Studie der Technischen Universität Ilmenau, die das Bildungsministerium in Auftrag gab. Das Ministerium wollte seinen Kursplan Medienkunde evaluieren. Auf über 100 Seiten sind Bewertungen und Einschätzungen von Lehrern und Schulleitern zu lesen, aber auch von Experten des Thüringer Instituts für Lehrerbildung und die Behörde des Thüringer Landesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit.

Mängel treten bei der Medienbildung zu tage. Fast 370 Lehrer und Schulleiter haben Fragebögen ausgefüllt unter anderem dazu, wie gut Schülerinnen und Schüler das Wirkungspotenzial von Gewalt in Medien einschätzen können. Und wie gut sie erkennen, was Werbung und was journalistische Inhalte sind oder ob sie Quellen richtig angeben können. Sicheres Surfen im Internet, die Arbeit mit Datenbanken und Computerprogrammen und der Schutz der eigenen Daten und der Privatsphäre wurden ebenfalls thematisiert.

Spezielle Fachlehrer für Medienbildung fehlen

Die Lehrer und Schulleiter sollten angeben, wie oft sie Medientechnik, Software und Medienangebote einsetzen, wo sie ihre Kompetenzen erworben haben und die Bedingungen an der Schule benoten. Dabei gaben rund 80 Prozent der Schulleiter an, dass die Schulen schnellere Internetverbindungen und ein besseres Vernetzen der Räume benötigen. Etwa ebenso viele Befragte sehen einen Bedarf an mehr Fortbildungszeit. Außerdem fordern 85 Prozent der Lehrer spezielle Fachlehrer für Medienbildung an jeder Schule. Die Mehrzahl will das bisherige Konzept des Kurses Medienkunde aber beibehalten.

Medienkunde wird an Thüringer Schulen nicht als eigenständiges Fach, sondern seit 2009 innerhalb des sonstigen Fachunterrichts vermittelt. Schüler der 5. bis 10. Klassen lernen in einer Unterrichtsstunde pro Woche unter anderem Bilder, Texte und Videos zu bearbeiten oder im Internet zu recherchieren. Dafür erhalten sie jährlich einen sogenannten Medienpass. In Anbetracht der Ergebnisse spricht sich Studienleiter Jens Wolling, Fachgebietsleiter Empirische Medienforschung und Politische Kommunikation an der TU Ilmenau, dafür aus, dieses Konzept zu ergänzen.

Technische Universität Ilmenau
Technische Universität Ilmenau Bildrechte: IMAGO

So könnten bei den Schülern Grundlagen, z.B. für den Umgang mit dem Computer und mit Datenbanken gelegt und ihnen ein Grundverständnis von digitaler Kommunikation vermittelt werden. "Das geht nicht nebenbei", sagte er. "Stellen sie sich vor, wir würden Physiklehrern sagen, sie sollten nebenher Sport unterrichten und die Mathelehrer machen Englisch und die Chemielehrer Deutsch. Dass das nicht zu befriedigenden Ergebnissen führen kann, liegt auf der Hand".

Lehrerausbildung auf den neuesten Stand bringen

Genau so ist aber die Situation im Bereich Medien an vielen Schulen. Es muss ein Basisfach geben, in dem informatorische und rechtliche Grundlagen vermittelt werden. Dafür müssten Fachlehrer für Medienkunde ausgebildet werden, so Wolling. Auf dem vermittelten Wissen könnten dann alle übrigen Fachlehrer in ihrem Unterricht aufbauen. In der bisherigen Lehrerausbildung fehlen laut Wolling Medieninhalte, wie der Umgang mit Online-Netzwerken oder dem Datenschutz.

Das Bildungsministerium will nun die Ergebnisse und Empfehlungen prüfen. Für ein neues Fach müssten die Stundentafel geändert und Lehrkräfte aus- und fortgebildet werden, sagte ein Sprecher des Ministeriums MDR THÜRINGEN. Als wichtigste Ergebnisse der Studie sieht das Ministerium, dass das integrative Konzept des Kurses Medienkunde weitergeführt und es um ein Fach Medienkunde ergänzt werden soll. Hinzu kommt der Auftrag, die Inhalte des Kursplans zu aktualisieren gemäß den Anforderungen der digitalen Welt sowie eine verbesserte Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer. Hinsichtlich der geforderten Ausstattung mit Computertechnik hofft das Ministerium auf Geld von der neuen Bundesregierung u.a. für schnelleres Internet.

"Medienkunde" ist kein eigenes Fach

Junges Mädchen nutzt Facebook
Medienkompetenz will gelernt sein. Bildrechte: IMAGO

Landesschülersprecher Hannes Leiteritz kritisiert die Medienbildung in Thüringen. Manche Schüler wüssten "nicht einmal, wofür sie ihren Medienpass bekommen haben". Es reiche offenbar, dafür eine Stunde am Computer zu arbeiten. Laut Landesschülervertretung spielen soziale Netzwerke und Datenschutz keine Rolle im Unterricht, obwohl sie in einer digitalen Welt mindestens genauso relevant seien wie Naturwissenschaften. Auch Leiteritz fordert deshalb bessere Computertechnik, interaktive Whiteboards für die Schulen und "echte" Medienkunde. Auch Thüringens Datenschützer wünschen sich das. Sie mahnen mehr Angebote für die Lehrerfortbildung an, was zusätzliches Personal erfordert. Medienkompetenz bedeutet für sie, dass Kinder mit Smartphones und Videokameras umgehen können. Das beinhaltet auch den Schutz privater Daten und rechtliche Fragen.

Bundesweit gibt es Medienkunde in keinem Land als eigenständiges Unterrichtsfach. Lediglich Mecklenburg-Vorpommern hat einen entsprechenden Modellversuch ab Klasse 7 gestartet. Ab dem kommenden Schuljahr soll es dort "Informatik und Medienbildung" als "Leitfach" geben. Gelehrt werde derzeit Textverarbeitung, das Nutzen von Datenbanken und Grundlagen des Programmierens, sagte Jan Hartmann vom Medienpädagogischen Zentrum in Rostock MDR THÜRINGEN. Den Umgang mit Medien und deren Wirkung vermitteln darüber hinaus die Fachlehrer integrativ in ihrem Unterricht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. März 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2018, 05:00 Uhr

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9 Kommentare

09.03.2018 15:01 martin 9

Tja, irgendwie blöd, dass Jugendliche nicht nur das anwenden, was sie in der Schule gelernt haben.

Man kann das Internet mögen, hassen oder ihm gleichgültig gegenüber stehen: Das interessiert weder das Internet noch die Jugendlichen. Sie nutzen es einfach.

Und irgendwann werden auch Menschen wie Herr Sarrazin und/oder seine Fans merken, dass hier eine neue Kulturtechnik herangewachsen ist. Und daher ist es weder Gedöhns (a la Schröder) noch Neuland (a la Merkel) sondern man muss lernen damit vernünftig umzugehen.

09.03.2018 13:00 viel zu große Herausforderung 8

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