Mitglieder von Straßengang in U-Haft "Saat des Bösen" soll 17-Jährigen gekidnappt haben

Was die Polizei preisgibt, liest sich haarsträubend: Mitglieder der Straßengang "Saat des Bösen" sollen in Suhl einen Jugendlichen gekidnappt, wochenlang festgehalten, misshandelt und zu Straftaten gezwungen haben.

Drei mutmaßliche Mitglieder der kriminellen Straßengang "Saat des Bösen" sollen in Suhl einen 17-Jährigen über Wochen hinweg gefangen gehalten, gequält und zu Straftaten gezwungen haben. Wie die Suhler Polizei mitteilte, sitzen drei 18, 21 und 23 Jahre alte Beschuldigte in Thüringer Gefängnissen in Untersuchungshaft. Der Älteste von ihnen sei der mutmaßliche Haupttäter. Er sei erst am Mittwoch von Spezialeinsatzkommando (SEK) der Thüringer Polizei in Dillstädt im Kreis Schmalkalden-Meiningen festgenommen worden. Unter Verdacht stünden zudem fünf mutmaßliche Helfershelfer.

Opfer erschien zwei Tage vor dem Jahreswechsel bei Polizei

Nach Darstellung der Polizei erschien das Opfer am 29. Dezember beim Inspektionsdienst in Suhl. Dort habe der junge Mann angegeben, er sei wochenlang von zwei Männern in einer Wohnung im Osten von Suhl gefangen gehalten worden. Dabei sei er mit Handschellen an einen Heizkörper gekettet gewesen. Seine Peiniger hätten ihn mit glühenden Zigaretten verbrannt sowie mit Messern bedroht und verletzt. Außerdem hätten seine Kidnapper Finger oder Zehen von ihm mit einer brennbaren Flüssigkeit begossen, diese angezündet und wieder gelöscht. "Es ging darum, Schmerzen zuzufügen", sagte ein Polizeisprecher.

Aus Gefangenschaft befreit

Außerdem gab der Mann an, von den beiden Peinigern mehrfach zu Diebstählen und zum Verkauf von Drogen in Suhl gezwungen worden zu sein. Bei diesen Straftaten habe sich mindestens einer der Kidnapper in unmittelbarer Nähe aufgehalten und ihn anschließend wieder in die Wohnung gezwungen, wo er wieder festgekettet worden sei. Schließlich sei es ihm gelungen, sich aus den Handfesseln zu befreien und aus der Wohnung zu fliehen. Seine Bewacher seien zu diesem Zeitpunkt nicht da gewesen.

Die Polizei gibt an, die Aussage des Jugendlichen habe sich als schlüssig erwiesen. Außerdem habe eine rechtsmedizinische Untersuchung den geschilderten Tatablauf bestätigt.

Einer stellt sich, zwei werden aufgestöbert

Am Silvestertag habe sich der jüngste mutmaßliche Täter selbst gestellt, heißt es von der Polizei. Offenbar habe er Wind von den Ermittlungen bekommen. Nach einer Vernehmung, bei der er Straftaten eingeräumt habe, sei gegen ihn ein Haftbefehl beantragt und erlassen worden. Den zweiten mutmaßlichen Täter im Alter von 21 Jahren hätten Beamte von SEK und Suhler Kripo Mitte Januar in einer Wohnung in Suhl festgenommen, wo er sich versteckt habe. Bei weiteren Ermittlungen hätten sich Hinweise auf den mutmaßlichen Haupttäter ergeben. Er gehöre wie die anderen beiden der Straßengang an, die hierarchisch aufgebaut ist. Der 23-Jährige habe seine hochrangige Position in der Bande ausgenutzt, um andere Mitglieder zu Straftaten zu nötigen - Diebstahl, Drogendelikte oder Erpressung.

Die Polizei gibt an, zwei der drei mutmaßlichen Täter in U-Haft hätten sich in Vernehmungen als Mitglieder der "Saat des Bösen"-Bande bekannt, ein dritter sei entsprechend tätowiert. Die mutmaßlichen Helfershelfer sollen unter anderem Wohnungen zur Verfügung gestellt haben.

Die Gruppe "Saat des Bösen" soll sich im damaligen Thüringer Jugendgefängnis Ichtershausen zwischen 2006 und 2009 gegründet haben. Dort sollen die Männer von anderen Häftlingen unter anderem Zigaretten erpresst haben. Nach der Entlassung des Anführers begannen die kriminellen Aktivitäten zunächst in Suhl. Später soll die Gang Straftaten auch in Nordhausen, Weimar, Apolda und Gera begangen haben. Mehrere hochrangige Mitglieder der Gruppierung verbüßen Haftstrafen

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2017, 14:19 Uhr

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15 Kommentare

25.02.2017 22:49 Martin 15

Ich habe den Eindruck, dass diese Truppe durchaus schon der organisierten Kriminalität zuzurechnen ist. Wenn ich mich richtig erinnere, wurden doch einige / etliche Mitglieder vor gar nicht so langer Zeit vom Landgericht zu Haftstrafen verurteilt. Scheinbar aber nicht alle. Demnächst aber hoffentlich ein paar weitere ....

25.02.2017 22:45 Martin 14

@13: Ich glsube auch nicht, dass Jochens Stimme was ändert, wenn er eine Partei seines Vertrauens wählt. Weder NPD noch die Rechten noch der sog. Dritte Weg werden über 5% kommen.