Der Pfarrer der Kirche von Walldorf
Pfarrer Heinrich von Berlepsch war beim Brand 2012 in Walldorf dabei. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Sieben Jahre nach dem Brand Pfarrer von Walldorf: "Der Wiederaufbau hat uns gutgetan"

Paris scheint weit weg. Doch bei manchen weckt der Brand der Notre-Dame Erinnerungen. So wie bei Pfarrer Heinrich von Berlepsch. Er musste am 3. April 2012 mitansehen, wie ein Feuer seine Kirche in Walldorf zerstörte.

Der Pfarrer der Kirche von Walldorf
Pfarrer Heinrich von Berlepsch war beim Brand 2012 in Walldorf dabei. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Herr von Berlepsch, werden beim Brand der Pariser Notre-Dame Erinnerungen wach?

Ich habe es etwas spät erfahren. Dann hat es mich betroffen gemacht. Es ist irgendwie eine Geschichte, die mir sehr bekannt vorkommt.

Wie haben Sie damals das Feuer in Walldorf erlebt?

Ich habe gesehen, wie die Flammen auf dem Dachstuhl ausbrachen. Am Ende gab es eine Verpuffung. Ich stand davor und konnte nicht glauben, was ich gesehen habe.

Galerie Ein schwarzer Tag für Walldorf

Der 3. April 2012 war für Walldorf ein schlimmer Tag. Ein Brand zerstörte die Kirche bis auf die Grundmauern. In unserer Bildergalerie blicken wir zurück - und zeigen, wie die Kirche heute aussieht.

Um ein Kirchengebäude befindet sich Baustelle
Walldorf vier Jahre nach der Katastrophe: Die alte Wehrkirche sieht von außen wieder gut aus. Beim Wiederaufbau wurde ganze Arbeit geleistet. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Um ein Kirchengebäude befindet sich Baustelle
Walldorf vier Jahre nach der Katastrophe: Die alte Wehrkirche sieht von außen wieder gut aus. Beim Wiederaufbau wurde ganze Arbeit geleistet. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Rohbau im Inneren einer Kirche
Innen gibt es jedoch noch eine Menge zu tun. Dort befindet sich noch alles im Rohbau. Die Walldorfer sind aufgerufen, ihre Vorschläge zum Wiederaufbau mit einzubringen. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Um ein Kirchengebäude befindet sich Baustelle
Das gesamte Außengelände wird umgestaltet. Die Walldorfer Kirchenburg soll künftig für alle offen sein, ob getauft oder nicht, egal welcher Konfession. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Ein Kreuz im Inneren einer im Rohbau befindlichen Kirche
Die Walldorfer Kirchenburg wurde im 10. Jahrhundert erbaut. Vor vier Jahren kam es dann zur Katastrophe. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
zwei Feuerwehrmänner in Schutzkleidung blicken zu einer Kirche. Neben dieser ist eine Hebebühne eines Feuerwehrautos aufgefahren. Auf der Hebebühne steht ein Feuerwehrmann und spritzt aus einem Schlauch Wasser auf die Kirche. Aus dem Kirchenschiff steigt Rauch auf.
Am Nachmittag des 3. April 2012 brach ein Brand aus, der sich über das ganze Gebäude ausbreitete. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Vor einer Kirche stehen zwei Löschwagen der Feuerwehr mit ausgefahrenen Hebebühnen. Auf diesen stehen Feuerwehrleute und spritzen Wasser auf die Kirche. Aus dem Kirchenschiff dringt Qualm, der Dachstuhl des Kirchturms ist verkohlt.
Die Flammen fraßen sich bis in den Kirchturm hinauf. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
in Feuerwehrmann steht auf der Plattform einer ausgefahrenen Hebebühne und spritzt aus einem Schlauch Wasser auf den Turm einer Kirche.
Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um den Brand zu bekämpfen. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Neben einer Kirche steht eine Hebebühne eines Feuerwehrautos, auf deren Plattform steht ein Feuerwehrmann und spritzt mit einem Schlauch Wasser in Richtung des Kirchturms. Das Dach des Kirchenschiffs ist eingestürzt, nur noch einige verkohlte Balken ragen in die Luft.
Das Dach des Kirchenschiffs wurde durch das Feuer völlig zerstört. Auch der Turm erlitt schwerste Schäden. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Bildbeschreibung: Aus dem Schiff einer Kirche, das Dach ist eingestürzt, dringt dichter weißer Rauch.
Die Kirche ist Teil einer alten Wehranlage, deren Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Sechs Feuerwehrautos stehen hintereinander in einer Straße eines Dorfes. Am Ende der Straße steht ein Krankenwagen. Neben den Feuerwehrautos stehen mehrere Feuerwehrleute in Schutzkleidung.
Mehrere Feuerwehren aus der Region waren mit insgesamt rund 100 Leuten im Einsatz. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Auf einer Dorfstraße liegen zwei lang ausgerollte rote Wasserschläuche der Feuerwehr.
Rund 1,5 Kilometer Feuerwehrschläuche mussten von der Werra zum Brandherd verlegt werden. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
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In der Notre-Dame wurden Kunstgegenstände gerettet. Wurde in Walldorf auch einiges gefunden?

Wir konnten in Walldorf nichts retten. Die Situation war einfach zu gefährlich. Man überlegt: Tut man etwas gegen den Brand oder gibt man die Kirche auf und rettet nur, was man greifen kann. In der Kirche war es auch ganz dunkel und schwarz - wir haben kaum etwas gesehen.

Inzwischen sind sieben Jahre in Walldorf vergangen. Vor welchen Aufgaben standen sie damals?

Ich wusste in keiner Weise, was das bedeutet. Ich hatte null Erfahrung damit. Es fing ganz simpel an mit Sicherung, Schaden aufnehmen und den Gedanken, ob wir die Kirche jemals wieder aufbauen können. Nach und nach hat sich alles aufgehellt.

Inzwischen ist die Kirche wieder aufgebaut: aber anders als vorher. Warum?

In unserem Fall war das so. Notre-Dame dagegen hat eine jahrhundertelange Geschichte. Da wird versucht werden, alles so authentisch wie früher aufzubauen. Wir standen vor ganz anderen Fragen: Es gab im ganzen Bau Dinge, die sich besser machen ließen. Einige Standorte wie der der Orgel im Inneren der Kirche waren vorher nicht so praktisch. Wir haben an die Menschen von heute und morgen gedacht und sind zum Ergebnis gekommen, dass wir anders bauen müssen. Wir wollten mehr Licht und Platz in der Kirche haben.

Jetzt wird die Kirche wieder eingeweiht?

Genau, am 11. und 12. Mai weihen wir sie wieder ein. Wir freuen uns darauf, es hat auch lange genug gedauert. Ich habe meinen Leuten immer gesagt, dass es kein Industriebau ist, sondern ein Kulturbau. Und ein Kulturbau muss wachsen. Ein Industriebau kann auf dem Reißbrett entstehen. Der Wachstumsprozess in unserer neuen Kirche war ein sehr wichtiger Prozess. Der Wiederaufbau hat uns gutgetan.

Sieben Jahre nach dem Brand Kirche Walldorf vor Wiedereinweihung

Die Kirchenburg Walldorf aus dem 10. Jahrhundert brannte an diesem Mittwoch vor sieben Jahren nieder. Nach Jahren des Wiederaufbaus mit etlichen Millionen Euro steht nun am 11. Mai die Wiedereinweihung bevor.

Kirche mit Mauer als Kletterwand
Die Kirchenmauer dient jetzt auch als Kletterwand mit acht Routen. Bildrechte: MDR/Heinz DIller
Kirche mit Mauer als Kletterwand
Die Kirchenmauer dient jetzt auch als Kletterwand mit acht Routen. Bildrechte: MDR/Heinz DIller
Frau und Mann in Kirchenraum neben Orgel
Kirchendienerin Marlies Schumm, die kurz vor dem Brand noch eine Führung hatte, und Pfarrer Heinrich von Berlepsch, der Motor des Wiederaufbaus. Bildrechte: MDR/Heinz DIller
Kirchenraum mit Bänken und Predigtempore
Mehrere Millionen Euro flossen in den Wiederaufbau - bis auf Mauerwände des Kirchenschiffs und Teile des Turms ein Neubau. Bildrechte: MDR/Heinz DIller
Kirchenfenster mit aufgemaltem Kreuz und grüner Fläche
Bis heute ist die Brandursache nicht restlos geklärt. Da Brandstiftung ausschied, übernahm die Versicherung. Dazu kamen Spenden. Bildrechte: MDR/Heinz DIller
Blick von Empore in Kirchenraum mit Bänken
Die Kirche hat heute mehr Fenster als früher und ist heller. Bildrechte: MDR/Heinz DIller
Kirchenraum mit Orgel und Nische mit Fensterbild von Frau und Mann
Vor fünf Jahren waren die vier neu gegossenen Glocken geweiht worden, nun ist am 11. Mai die Weihe der ganzen Kirche vorgesehen - wegen der vielen erwarteten Besucher auch noch mal am Tag darauf. Bildrechte: MDR/Heinz DIller
Kirche und Kirchhof
"Erlebniskirche" heißt jetzt das Konzept in Walldorf. Dazu gehören auch ein Außenbereich mit überdachter Freilichtbühne, einem Zeltplatz und einem Garten. Bildrechte: MDR/Heinz DIller
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. April 2019 | 15:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmitag | 16. April 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 17:45 Uhr

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1 Kommentar

17.04.2019 10:33 Helen Loritz 1

Herr Pfarrer Fh. v. Berlepsch hat beim Wiederaufbau der Kirchenburg Walldorf Grossartiges geleistet. Er geht nun in Pension.
Hat der Herrgott aber villeicht mit dem Zaunpfahl (resp. dem Brandbalken) gewunken und möchte ihn in ein Beratergremium nach Paris schicken? Er hätte einiges einzubringen.
Alles Gute!

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