Oberhof | Erfurt AWO Thüringen wählt Landesspitze neu

Porträt Autor Dirk Reinhardt
Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Wegen zahlreicher Rücktritte im Zusammenhang mit der Gehälteraffäre ist der AWO-Vorstand praktisch seit Wochen handlungsunfähig. Jetzt hat sie eine neue Führungsspitze. Drei neue stellvertretende Landesvorsitzende sollen den Verband bis zur Wahl im November führen.

Die wegen einer Gehälteraffäre in der Kritik stehende Arbeitwohlfahrt Thüringen hat eine neue Führungsspitze. Der Landesausschuss des Wohlfahrtsverbandes wählte am Samstag in Oberhof Petra Rottschalk (59) aus Rudolstadt, Matthias Graul (66) aus Saalfeld und Thomas Walter (50) aus Gera zu neuen stellvertretenden Landesvorsitzenden. Sie sollen den Verband bis zur Wahl eines neuen Landesvorsitzenden im November führen.

Die Wahl war nach dem Rücktritt des bisherigen Landesvorsitzenden Werner Griese im Mai und dem Rückzug seiner drei Stellvertreter aus dem Landesvorstand notwendig geworden. Zuletzt hatte Katrin Matzky am Samstag in Oberhof ihr Amt als stellvertretende Landesvorsitzende zur Verfügung gestellt.

Kritik an überhöhten Vorstandsgehältern

Die bisherige AWO-Führung stand seit Monaten in der Kritik. Ihr wurde von mehreren Kreisverbänden unter anderem vorgeworfen, unangemessen hohe Vorstandsgehälter bei der AWO-Tochterfirma AJS gGmbH geduldet und genehmigt zu haben.

Der AWO-Bundesverband hatte im Frühjahr nach einer Prüfung bemängelt, dass die Gehälter von AJS-Geschäftsführer Michael Hack und seiner Vorstandskollegen Achim Ries und Antje Wolf deutlich über den Vorgaben des seit 2017 geltenden "AWO Governance Kodex" lagen. So bezog Hack mit rund 300.000 Euro mehr als das Doppelte des als "angemessen" eingeschätzten Jahresgehaltes. Ebenfalls zu hoch waren nach Ansicht des Bundesverbandes die Gehälter von AJS-Prokurist Sebstian Ringmann und AWO-Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann. Hack, Ries und Wolf waren zum 30. Juni entlassen worden.

Die neue stellvertretende AWO-Landesvorsitzende Petra Rottschalk sprach am Samstag von einem Neuanfang im Wohlfahrtsverband. Sie bezog sich dabei auf zwei vom Landesausschuss gefasste Beschlüsse, die unter anderem die Einführung von Compliance-Regeln im Landesverband vorsehen. Künftig soll es für Geschäftsführer von AWO-Gliederungen und AWO-Unternehmen genau vorgegebene Gehaltskorridore geben. Die Gehälter der Geschäftsführer sollen in den Jahresberichten der AWO veröffentlicht werden. Der zweite Beschluss sieht die Bildung einer Arbeitsgruppe vor, die eine Neuordnung der Gesellschafterstruktur der AJS gGmbH vorbereiten soll. Diese solle breiter auf die AWO-Kreisverbände aufgeteilt werden, sagte AWO-Sprecher Dirk Gersdorf.

Derzeit sind der Landesverband mit 65 Prozent und der Kreisverband Erfurt mit 35 Prozent Gesellschafter der AJS gGmbH. Das Unternehmen betreibt zahlreiche Einrichtungen wie Pflegeheime und Kindergärten und erwirtschaftet mit rund 5.400 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro. Der Vorstandsvorsitzende des AWO-Bundesverbandes, Wolfgang Stadler, sprach am Samstag in Oberhof von einem "hervorragenden Ergebnis" der Sitzung. Der Landesverband wolle einen Neuanfang, in den sich auch der Bundesverband mit seinen Vorstellungen einbringen werde. Die Mitarbeitenden des Verbandes bräuchten das Signal, dass es weitergehe und sie eine Zukunft hätten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. Juli 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Jack vor 9 Wochen

Rücktritte und Neuwahlen sind hoffentlich nur der Beginn der Aufarbeitung. Es konnte ja nur soweit kommen, da einige bewusst weggeschaut haben. Wenn seit 2017 bekannt, dürften einige noch ihren Hut nehmen. Eventuell ist das die Begründung das der MDR super am Thema bleibt, jedoch die Politik sehr verhalten mit dem Thema umgeht und sich kaum äüßert.
Einige Untersuchungen hinsichtlich der Gemeinnützigkeit, laufen ja noch.

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