Vergangenheit Bahnschutz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sicherheitsmann Roland B. SEK-Einsatz und gefälschter Polizeiausweis

Insgesamt fünf Staatsanwaltschaften beschäftigten sich allein im Jahr 2019 mit Roland B. Doch bereits in der Vergangenheit stand der 38-Jährige wiederholt im Visier der Ermittlungsbehörden. Möglicherweise drohen jetzt sogar neue Ermittlungen.

von Bastian Wierzioch

Vergangenheit Bahnschutz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nicht nur die aktuellen Ermittlungen wegen des Verdachts der Amtsanmaßung zeigen, dass Sicherheitsmann Roland B., der teilweise auch unter dem Namen Dominik W. auftritt, eine hohe Affinität zu Uniformen und der Arbeit von Rettungs- und Einsatzkräften zu pflegen scheint. So heuerte er in der Vergangenheit kurzzeitig auch beim Deutschen Roten Kreuz im Landkreis Sonneberg an.

Den Eindruck eines ausgeprägten Faibles für die Arbeit der Polizei bestärkt auch ein Screenshot, der MDR THÜRINGEN vorliegt. Zu sehen ist ein gefälschter Polizeidienst-Ausweis ("Ausweis-Nr.: TH-890P3"). Der Mann auf dem Passbild darauf nennt sich Steffen Winterstein und hat verblüffende Ähnlichkeit mit Roland B. Allerdings gibt es keine Erkenntnisse, ob der Ausweis jemals eingesetzt wurde. Das Sicherheitsunternehmen, für das Roland B. heute arbeitet, teilte dazu auf Anfrage von MDR THÜRINGEN in einer namentlich nicht unterzeichneten E-Mail mit: "Über die Existenz eines solchen Ausweises ist uns nichts bekannt."

SEK stürmt Wohnung von Roland B. in Meiningen

Vergangenheit Bahnschutz
Roland B. posiert auf Facebook mit einer Waffe. Bildrechte: Facebook/private Gruppe

Am 21. Februar 2015 gegen 19:45 Uhr stürmte ein Spezialeinsatzkommando B.s Wohnung im Meininger Wohngebiet "Jerusalem" und nahm ihn vorübergehend fest. Zuvor soll er in einem privaten Chat gegenüber der Meiningerin Miriam Sch. Gewalttaten angekündigt und die damals 18-Jährige bedroht haben. Dabei soll er von einer "Säuberungsaktion" gesprochen haben sowie davon "einige Leute zur Hölle" schicken zu wollen. Miriam Sch. veröffentliche die Drohung bei Facebook, woraufhin sich andere Internet-Nutzer an die Polizei wandten. Zudem war in diesem Zusammenhang ein Foto im Internet aufgetaucht, das B. mit einer Waffe zeigt.

Vergangenheit Bahnschutz
Roland B. im Karibikurlaub. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bis 22:00 Uhr an diesem Samstagabend hielt die Meininger Polizei Roland B. fest. Wenig später schilderte dieser selbst die Erstürmung seiner Wohnung. So ist es in einer Audio-Datei zu hören, die MDR THÜRINGEN vorliegt: "Ich hatte heute einen SEK-Einsatz hier. Da sind 20 Leute vom Sondereinsatzkommando Suhl hier einmarschiert. Mit gezogenen Waffen und Schutzschildern und dann haben die heute um 19:45 haben die versucht mit ihrem Rammbock die Tür aufzubrechen. Die Tür war sehr stabil. Da hab ich auch die Tür aufgemacht, und dann kamen die rein. Irgendjemand hat die Behauptung aufgestellt, ich hätte angekündigt, irgendwelche Leute zu erschießen, was ich ja so eigentlich nicht gemacht hab. Und deswegen sind die hier rein gegangen. Und die haben gesagt, ich hatte mir scharfe Waffen organisiert und hätte praktisch vor, irgendwas zu machen."

Um diesen Versuch sich "scharfe Waffen" zu besorgen ging es ebenfalls in einem privaten Chat, den Roland B. mit einer weiteren jungen Frau geführt haben soll. Das Chat-Protokoll liegt MDR THÜRINGEN vor:

Roland B.: "Sag mal, du kennst doch Gott und die Welt oder?
Junge Frau: "Wieso?"
Roland B.: "Bräuchte ne Waffe mit etwa 30 Schuss. Hast ne Idee?"
Junge Frau: "Äh ne."
Roland B.: "War kein Witz"
Junge Frau: "Also doch, aber mit den Leuten möchte ich nicht verkehren. Wozu wenn ich fragen darf?"
Roland B.: "Unwichtig. Kennst jemanden oder nicht"
Junge Frau: "ne"

Am 3. Juni 2015 stellte eine Meininger Staatsanwältin das Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung gegen B. ein. Er selbst sagte damals über seine vorübergehende Festnahme: "Ich hatte meinen Spaß eineinhalb Stunden lang oder zwei und des wars".

In der namentlich nicht unterzeichneten Firmen-Mail hieß es dazu: "Herr B. hat keine strafbare Handlung begangen. Die Staatskasse hatte die Kosten für verursachte Schäden zu tragen".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrags hieß es im Titel "SEK-Einsatz wegen gefälschtem Polizeiausweis". Das ist nicht korrekt. Wir haben dies korrigiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2019, 09:05 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus der Region Suhl - Schmalkalden - Meiningen

Mehr aus Thüringen