Pandemie-Bekämpfung Massentests im Corona-Hotspot Schmalkalden-Meiningen angelaufen

Ganz genau 310 Menschen haben sich zum Auftakt in den Thüringer Orten Schmalkalden, Fambach und Steinbach-Hallenberg freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Die Massentests sind gestartet. Mit ihnen will der Kreis Schmalkalden-Meiningen Infektionsketten nachvollziehen und durchbrechen. Die Organisatoren sind mit dem Zuspruch erst einmal zufrieden und wollen die Tests weiter anbieten.

Eine lange Schlange an Menschen, die vor einem Gebäude anstehen
Kurz nach der Öffnung des Testzentrums in der Mehrzweckhalle bildete sich schon eine Schlange von etwa 30 Menschen. Bildrechte: MDR/Landratsamt Schmalkalden-Meiningen

Montagnachmittag kurz nach 16 Uhr. Das Testzentrum in der Mehrzweckhalle in Schmalkalden ist gerade erst geöffnet und schon kurz danach bildet sich eine Schlange von etwa 30 Menschen. Alle warten mit Abstand und medizinischer Maske. In der Schlange steht Edeltraut Knies. Sie muss in der kommenden Woche in eine Augenklinik nach Fulda. "Ich will einfach sichergehen, weil ich am Auge operiert werden muss. Mit einem negativen Test fühle ich mich da einfach wohler", sagt sie.

Felix Schliewenz studiert in Erfurt und schreibt in dieser Woche eine Klausur. Nur wenn er negativ ist, will er in die Uni fahren. "So lange es noch keinen Impfstoff gibt, ist das die einzige Möglichkeit, die Zahlen runterzubringen", sagt Johannes Lohs. Jeder müsse doch eigentlich wissen, wie dramatisch die Lage im Landkreis gerade ist. Hald Uhlemann wird noch deutlicher. "Es geht ums eigene Fell und andere zu schützen. Ich kann diejenigen nicht verstehen, die nur an sich denken. Sie vergessen aber dabei, dass sie andere anstecken könnten."

Die meisten Infektionen auf Arbeit und in Familie

Im Testzentrum gibt es zwei Behandlungszimmer. Dort werden die Rachen- und Nasenabstriche durchgeführt. Danach geht es für etwa eine Viertelstunde in den großen Saal. Nach etwa 15 Minuten liegt das Ergebnis vor.

Eine Frau wird von einer Person mit Schutzkleidung auf das Coronavirus getestet. Eine weitere Person in Schutzkleidung steht daneben.
310 Menschen haben sich am Montag in Schmalkalden, Fambach und Steinbach-Hallenberg freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Bildrechte: MDR/Landratsamt Schmalkalden-Meiningen

Zeitgleich in Schmalkalden ist auch in Fambach und Steinbach-Hallenberg getestet worden. Nach Angaben von Christopher Eichler im Meininger Landratsamt sind insgesamt 310 Menschen zum freiwilligen Test gekommen. Nur einer der Tests war positiv. Die betroffene Person ist gleich vor Ort zu einem PCR-Test geschickt worden. Außerdem wurde Quarantäne angeordnet.

Hohe Inzidenz im Kreis Schmalkalden-Meiningen

Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen weist gegenwärtig den höchsten Inzidenzwert in Thüringen auf und zählt auch deutschlandweit zu den am stärksten betroffenen Landkreisen. Mit den freiwilligen Massentests will der Kreis Infektionsketten nachvollziehen und durchbrechen.

Der Vizelandrätin Susanne Reum ist die Erleichterung anzusehen. Sie ist froh, dass die Massentests doch so gut angenommen werden. Besonders auf Arbeit und in der Familie stecken sich ihren Angaben zufolge die meisten Menschen im Landkreis an. In der Region gibt es rund 900 Industriebetriebe mit rund 1.400 Beschäftigen. "Viele von ihnen arbeiten am Band und können nicht einfach so Homeoffice machen", so Reum. Die mobilen Testteams fahren deshalb auf Wunsch auch in die Firmen. Die Unternehmen zahlen pro Test die Unkosten von 8,50 Euro.

Tests so lange wie nötig

Für alle anderen sind die Tests kostenfrei. Die freiwilligen Schnelltests will der Landkreis nun so lange wie nötig anbieten. Dass sich Menschen mehrfach testen lassen, ist laut Reum ausdrücklich erwünscht. "Nur wenn sich möglichst viele Menschen testen lassen, können wir weitere Infektionsketten durchbrechen", so die Vizelandrätin. Weil viele Menschen ohne Symptome unwissentlich das Virus weiterverbreiten würden.

Pro Woche rechnet sie mit Kosten von bis zu 25.000 Euro. Der Kreis hofft darauf, dass der Bund wie ursprünglich einmal angekündigt ab März die Kosten für die Schnelltests übernimmt. Auch wenn durch die Tests die Infektionszahlen im Landkreis vermutlich steigen werden, ist Reum von der Testaktion überzeugt. "Ich sehe keinen anderen Weg, die Pandemie in den Griff zu bekommen."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte in der vergangenen Woche angekündigt, kostenlose Schnelltests ab März für alle Bundesbürger zur Verfügung stellen zu wollen. Seine Pläne wurden vom Kabinett aber erst einmal kassiert. Sie sollen nun zunächst bei den Bund-Länder-Beratungen am 3. März besprochen werden.

Kritik an den Massenschnelltests

Die Aktion steht im Landkreis auch in der Kritik. Vor allem in Floh-Seligenthal formierte sich Widerstand. Weil der Bürgermeister Ralf Holland-Nell die Massenschnelltests ausdrücklich unterstützte, sollte er den Gegnern der Aktion ausgerechnet an einem Sonntag vor seinem Privathaus Rede und Antwort stehen.

Tage später löste die Polizei eine nicht angemeldete Versammlung von rund 50 Teilnehmern in der Nähe des Rathauses auf. Eine Sprecherin der Gruppe sagte, dass die Schnelltests unverhältnismäßig sind. Das Geld sollte lieber in die Betriebe gesteckt werden. Ihren Namen wollte sie aber nicht nennen.

Antigen-Test versus PCR-Test

Antigen-Schnelltests bieten nicht so ein verlässliches Ergebnis wie PCR-Tests. Deshalb muss ein positiver Schnelltest auch immer mit einem PCR-Test bestätigt werden. Laut Hersteller weist der in Schmalkalden-Meiningen eingesetzte Test eine klinische Sensitivität von 96,52 Prozent und eine klinische Spezifität von 99,52 Prozent auf. Die Sensitivität zeigt an, ob alle Kranken auch als Kranke erkannt werden. Die Spezifität gibt an, ob alle gesunden, getesteten Menschen auch als Gesunde erkannt werden.

Kritiker von Corona-Massentests bemängeln oft, dass sie nur eine Momentaufnahme seien. Schon am nächsten Tag könne man zu einem komplett anderen Ergebnis gelangen - und Geld und Personal entsprechend sinnvoller einsetzen. Befürworter halten entgegen, dass die Tests dazu beitragen können, das Infektionsgeschehen besser zu kontrollieren und Infektionsherde nachzuvollziehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 23. Februar 2021 | 12:30 Uhr

5 Kommentare

DER Beobachter vor 1 Wochen

Na, Runkel, dass Sie sich hervorragend mit den Versuchen von statistischer Manipulation durch verfälschte Fakten auskennen, beweisen Sie genau mit diesem Kommentar... ;)

Ritter Runkel vor 1 Wochen

Jeder kennt den Satz: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.
Wer sich schon mal mit Statistik beschäftigt hat, weiß, wie viel Wahrheit darin liegt.
Zum Einen die Modelle, diese beruhen auf Vereinfachungen und Annahmen.
Noch wichtiger sind die Eingangsdaten und da liegt der Hund begraben.
Wie man inzwischen weiß, sind die Zahlen der Corona Toten in der Regel 4 Wochen alt.
Das RKI rechnet aber so als wären sie vom Vortag.
Ähnlich die Infektionszahlen hat schon mal jemand gefragt, warum die Kurven wöchentlich auf und ab gehen?
Weil sich ständig Daten stauen.
Vermutlich an den Wochenenden.
Dieser Daten Schrott dient dann als Grundlage für Merkels Lockdown, sie als Physikerin müsste es eigentlich besser wissen.

Ines W. vor 1 Wochen

Inwieweit sinken den Fallzahlen, die nach einem bestätigten PCR Test vom Gesundheitsamt gemeldet werden, wenn der MDR einen Zahlendreher bei der Zahl der Beschäftigten in einigen Industriebetrieben macht.

Haben sie auch Argumente oder wollen sie nur Verschwörungstheorien unters Volk bringen?

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