Licht-Desinfektion aus Thüringen UV-C-Strahlung: Mit Licht gegen das Coronavirus

MDR THÜRINGEN-Reporter Olaf Nenninger
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Desinfektionsmittel, ob zum Sprühen oder in Tüchern, sind derzeit für viele Menschen ständige Begleiter bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Doch es gibt auch sinnvolle Ergänzungen zum Einsatz der Chemikalien - zumal viele Oberflächen die alkoholhaltigen Lösungen vieler Mittel gar nicht vertragen. Mit ultraviolettem Licht lassen sich Bakterien und Viren nicht nur von Oberflächen, sondern auch aus Luft und Wasser zuverlässig entfernen.

Während die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen das Jahr 2020 am liebsten aus den Büchern tilgen würden, laufen die Geschäft von PURION in Zella-Mehlis glänzend. Kurzarbeit? Fehlanzeige! Auftragseinbußen? Ganz im Gegenteil! Denn PURION liefert das, was die Welt derzeit anscheinend braucht wie die Luft zum Atmen: Keimfreiheit. Seit bald 15 Jahren stellt das kleine Unternehmen mit gerade einmal 13 Mitarbeitern technische Lösungen zur Verfügung, um Luft, Wasser und Oberflächen zu desinfizieren. Und zwar nicht auf chemischen Wege, sondern mittels UV-C-Strahlung.

Bewährte Technik zur Desinfektion ohne Flüssigkeiten

Die Technik ist lange bekannt und wurde in der Vergangenheit auch häufig in Kliniken und Arztpraxen verwendet. Eine Quecksilberdampflampe emittiert Licht mit Wellenlängen von mehr als 250 Nanometern. Viren und Bakterien, die der UV-C-Strahlung einer längeren Zeit ausgesetzt werden, sterben ab. Das funktioniert aber nur auf glatten Oberflächen, im Wasser oder in der Luft, also überall dort, wohin das kurzwellige Licht ungehindert gelangen kann. Auf der fein strukturierten menschlichen Haut ist die Strahlung kaum wirksam. Da sie auch nicht in den Körper eindringen kann, sind UV-C-Strahlen auch kein Heilmittel gegen COVID-19. Darauf hat kürzlich auch noch einmal das Bundesamt für Strahlenschutz hingewiesen.

Längliches, graues Desinfektionsgerät für Raumluft
Auch die permanente Desinfektion der Raumluft ist möglich. Viren und Bakterien haben keine Chance.  Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Volle Auftragsbücher in dank Corona-Krise

Weil UV-C-Bestrahlung das Virus aber zuverlässig abtötet, erlebt PURION durch die Pandemie einen nie gekannten Hype. Dabei stellt die Firma seit langem Geräte zur Desinfektion von Leitungswasser in Mehr- und Einfamilienhäusern und Wohnmobilen her. Auch Wasserreinigungsanlagen für Gartenpools und Desinfektionsgeräte für Raumluft und Oberflächen gehören seit Jahren zum klassischen Portfolio des Unternehmens. Seit gut drei Monaten kommen vermehrt Kundenanfragen aus aller Welt. Spanische Zahnärzte fluten beispielsweise nach Behandlungen ihre Räume mit UV-C-Strahlung. Auch in Osteuropa gehört das Prinzip nach wie vor zum guten Ton in medizinischen Einrichtungen, erzählt PURION-Geschäftsführer Mark Wipprich.

Desinfektionsboxen für Alltagsgegenstände gefragt

Am stärksten nachgefragt ist aber derzeit die so genannte UVC Box. Das Gerät kommt auf den ersten Blick wie eine Mikrowelle daher. In zwei Größen erhältlich, lassen sich damit kleinere Gegenstände desinfizieren: Schlüsselbünde, Geldbörsen, Handys, Fernbedienungen oder Laptops. Das heißt Geräte, die sich entweder schlecht chemisch behandeln lassen oder unter dem Einfluss klassischen Desinfektionsmittels kaputt gehen würden. Mark Wipprich: "Viele Unternehmen integrieren die Box in ihre Hygienepläne. Das ZDF reinigt damit zum Beispiel Headsets, Hotels ihre Schlüsselkarten, Kriminalämter nutzen die Box zur Desinfektion von Tatortkameras. Überall da wo Gegenstände von unterschiedlichen Menschen geteilt werden müssen, findet man auch unsere Boxen."

Eine Quecksilberdampflampe neben UV-C-LED-Streifen
Generationenwechsel dank Forschungskonsortium: Die Quecksilberdampflampe soll bald von UV-C-LEDs abgelöst werden.  Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Weiterentwicklungen mit LED-Technik in Arbeit

Desinfektion heißt übrigens: nach der Behandlung müssen Oberflächen, Wasser oder Luft zu 99,99 Prozent keimfrei sein. Das entspricht log-Wert 4 auf der Keimreduktionsskala. PURION lässt sich diese Resultate regelmäßig in Wirksamkeitsnachweisen unabhängiger Labore bestätigen. Forschungspartner ist das Ilmenauer Fraunhofer-Institut. Gemeinsam mit 45 weiteren deutschen Unternehmen und Forschungsinstituten hat PURION das Konsortium "Advanced UV for Life" gegründet. Ziel ist die Weiterentwicklung der UV-Technik vor allem mit Blick auf kostengünstige LEDs. Denn die Entsorgung der Quecksilberdampflampen ist umweltschädlich. Sie werden über kurz oder lang auf der Verbotsliste der Bundesregierung landen. Da sind sich alle Partner sicher.

UV-C-LEDs werden derzeit zwar hergestellt, aber besonders wirtschaftlich ist das noch nicht. Die nötigen Kristalle zu züchten ist schwierig, die Ausbeute ist sehr gering. Die LEDS werden sehr heiß, so dass sie Gehäuse aus Quartz-Glas oder Keramik benötigen. LEDs sind eben schwierige Biester.

Thomas Westerhoff Fraunhofer-Institut

Dabei würden UV-C-LEDs ihre Vorteile nicht nur beim Umweltschutz ausspielen. Auch baulich gäbe es völlig neue Möglichkeiten. Denn momentan werden Entkeimungsgeräte immer um die Quecksilberdampfröhre herumgebaut. Das limitiert die Form und die Wirksamkeit der Geräte. Künftig könnten kostengünstige LEDs so verbaut werden, dass sie noch effizienter desinfizieren würden.

Zwei Handgeräte zur Lichtdesinfektion aus Fernost
Das Ilmenauer Fraunhofer-Institut rät von derartigen "Spielzeugen" für die UV-C-Desinfektion ab.  Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Hochwertige Technik aus Zella-Mehlis hat ihren Preis

Ganz günstig sind die PURION-Geräte nicht. Mehrere hundert Euro muss ein Kunde beispielsweise für eine UVC Box hinblättern. Dagegen halten preiswerte Anbieter zumeist aus Fernost, die technische Lösungen zur UV-C-basierten Reinigung von Gesichtsmasken, Oberflächen oder Handys offerieren. In vielen Fällen sind dort sogar LEDs verbaut und alles für deutlich unter 50 Euro. Thomas Westerhoff hat einige dieser Geräte unter die Lupe genommen. "Dabei hatte es sich aber nie um echte UV-C-LEDs gehandelt. Meistens emitierten sie nur blauviolettes Licht. Diese Billigangebote müssen sie schon stundenlang arbeiten lassen. Aber erwarten Sie bitte trotzdem nicht, dass sie eine desinfizierende Wirkung haben."

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 05. Juni 2020 | 13:30 Uhr

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