Hoffen auf 100.000 Besucher Dampflok-Erlebniswelt entsteht in Meiningen

Mit größeren Bauprojekten kennt sich die Südthüringer Theaterstadt Meiningen aus. Für rund fünf Millionen Euro hat die Stadt zum Beispiel das Volkshaus saniert. Doch die geplante Dampflok-Erlebniswelt hat noch einmal eine ganz andere Dimension. Vor inzwischen sechs Jahren hatten sich die Stadt Meiningen, der Freistaat Thüringen und die Deutsche Bahn AG öffentlich zu dem Vorhaben bekannt, das künftig Zehntausende Besucher anlocken soll. In diesem Jahr geht es endlich los.

So könnte die künftige Dampflok-Erlebniswelt in Meiningen einmal aussehen. Hauptattraktion wird eine begehbare Lok sein.
So könnte die künftige Dampflok-Erlebniswelt in Meiningen einmal aussehen. Hauptattraktion wird eine begehbare Lok sein. Bildrechte: Stadt Meiningen

Viel zu sehen gibt es momentan noch nicht. Schon im November hat die Stadt vor der einstigen Kantine des Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) ein Bauschild aufgestellt. Doch für den Bürgermeister Fabian Giesder (SPD) war das ein besonders emotionaler Moment. "Denn damit wird klar: Jetzt geht es endlich los."

Rund 9,7 Millionen Euro sollen in die einzigartige Ausstellung fließen. Vom Land gibt es Fördermittel. Die Anträge dafür waren laut Giesder jedoch nicht ganz einfach. Weil es mit dem Thüringer Wirtschaftsministerium und der Städtebauförderung gleich zwei verschiedene Zuständigkeiten gibt. "Wir haben zum Beispiel ein Jahr gebraucht, um die Schnittstelle zu klären. Bis wohin fördert die Städtebauförderung und wo fängt das Wirtschaftsministerium an? Also bis wohin ist es eine bauliche Sanierung eines Gebäudes und ab wann wird dann tatsächlich eine Ausstellung eingerichtet?", beschreibt Giesder die bürokratischen Hürden.

Ganz zu Beginn war Meiningen auch von rund 7,5 Millionen Euro Investitionskosten ausgegangen. Heute wird mit knapp zehn Millionen gerechnet. Giesder ist sich trotzdem sicher: Die längste Zeit hat es inzwischen gedauert. Spätestens zu den Dampfloktagen im September 2023 soll die Erlebniswelt eröffnet werden.

Begehbare Dampflok als Herzstück

Dreh- und Angelpunkt für das ehrgeizige Projekt ist das europaweit einzigarte Dampflokausbesserungswerk. Seine Geschichte geht bis ins Jahr 1863 zurück und ist heute das letzte große Instandhaltungswerk für Dampflokomotiven. Zu den Kunden gehören Eisenbahnmuseen und Museumsbahnen in ganz Europa und Australien. Trotzdem soll die neue Erlebniswelt etwas noch nie Dagewesenes schaffen.

"Wir wollen keinem technischen Museum Konkurrenz machen", sagt Fabian Giesder. Ihm geht es tatsächlich mehr um das Erleben und Anfassen. Dafür lagert im Werk ein noch ziemlich unansehnlicher und unscheinbarer Rosthaufen. Was einmal eine Dampflok war, soll wieder eine werden. Die Handwerker aus dem Werk setzen sie Stück für Stück zusammen und schneiden sie dann in der Mitte durch. Damit sie für die Besucher begehbar wird. Geplant ist außerdem ein virtueller Führerstand, in dem sich dann jeder als Lokomotivführer versuchen kann.

Diese Dampflok soll für die Ausstellung restauriert und dann aufgeschnitten werden. Auch ein begehbarer Führerstand ist geplant.
Diese Dampflok soll für die Ausstellung restauriert und dann aufgeschnitten werden. Auch ein begehbarer Führerstand ist geplant. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Diese Dampflok soll für die Ausstellung restauriert und dann aufgeschnitten werden. Auch ein begehbarer Führerstand ist geplant.
Diese Dampflok soll für die Ausstellung restauriert und dann aufgeschnitten werden. Auch ein begehbarer Führerstand ist geplant. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Dreh- und Angelpunkt für die neue Dampflok-Erlebniswelt in Meiningen ist das europaweit einmalige Dampflokwerk.
Dreh- und Angelpunkt für die neue Dampflok-Erlebniswelt in Meiningen ist das europaweit einmalige Dampflokwerk. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Noch bietet die alte Kantine des Dampflokwerkes einen traurigen Anblick. Bis zum Spätsommer soll das Haus entkernt werden. Danach kann der eigentliche Umbau beginnen.
Noch bietet die alte Kantine des Dampflokwerkes einen traurigen Anblick. Bis zum Spätsommer soll das Haus entkernt werden. Danach kann der eigentliche Umbau beginnen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Blick in die frühere Kantine des Reichsbahnausbesserungswerks in Meiningen
Blick in die frühere Kantine des Reichsbahnausbesserungswerks in Meiningen Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
So könnte die künftige Dampflok-Erlebniswelt in Meiningen einmal aussehen. Hauptattraktion wird eine begehbare Lok sein.
So könnte die künftige Dampflok-Erlebniswelt in Meiningen einmal aussehen. Hauptattraktion wird eine begehbare Lok sein. Bildrechte: Stadt Meiningen
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Diese Dampflok soll für die Ausstellung restauriert und dann aufgeschnitten werden. Auch ein begehbarer Führerstand ist geplant.
Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Feintuning für die Ausstellung in Meiningen

Im Moment arbeitet ein Kuratorium am Feintuning für die Ausstellung. Zum Team gehört auch Kai Lehmann. Er ist Direktor des Museums von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden und will vor allem die Verbindung von Mensch und Technik in der neuen Erlebniswelt erreichen. "Wenn wir nur die Technik einer Dampflok erklären, locke ich vielleicht den bahnbegeisterten Ehemann, aber was ist mit seiner Frau?", sagt Lehmann. Auch wenn er wisse, dass er damit ein Klischee bediene - so soll es neben der begehbaren Lok auch andere Perspektiven geben. Beispielsweise vom Bahnsteig aus.

Bürgermeister Giesder ergänzt, dass es ohne die Erfindung der Eisenbahn in Meiningen niemals zu einem solch kulturellen Aufschwung gekommen wäre. "Ohne die Eisenbahn, ohne die Dampflok und dieses Werk hätten die Meininger nie ihren Siegeszug in der Kultur im Theater antreten können. Die Theaterrevolution wäre von Meiningen aus ohne die Bahn nicht gerollt." Das alles soll in der neuen Erlebniswelt dargestellt werden und natürlich gibt es Platz für wechselnde Sonderausstellungen.

Komplizierter Abriss der alten Kantine

Bevor jedoch mit dem eigentlichen Umbau begonnen werden kann, muss die einstige Kantine des RAW erst noch vorsichtig abgerissen werden. Von dem Gebäude werden alle nicht tragenden Wände und Decken entfernt. Erhalten bleiben eigentlich nur die Treppenhäuser. Der Abriss ist kompliziert. Deshalb rechnen die Planer mit vier bis fünf Monaten. Sollten keine Überraschungen auftreten, kann dann im Spätsommer mit dem Rohbau begonnen werden.

Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, hat die Stadt extra eine Managerin engagiert. Kristin Rauch hat Erfahrungen mit Großprojekten wie dem Campus der Frankfurt School of Finance & Management und dem Berliner Pannenflughafen BER. Den Zeitungskollegen vom Freien Wort sagte sie, dass sie gerade in Berlin-Schönefeld viel gelernt habe. Und zwar: Wie man es besser machen muss.

Ob das gelingt, wird sich spätestens im Herbst 2023 zeigen. Pro Jahr sollen dann mindestens 50.000, besser noch bis zu 100.000 Besucher in die neue Dampflok-Erlebniswelt nach Meiningen gelockt werden. Laut Bürgermeister Giesder haben Studien ergeben, dass das durchaus zu schaffen ist.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 04. Januar 2021 | 18:35 Uhr

2 Kommentare

Harka2 vor 1 Wochen

Meiningen ist mitnichten einzigartig in Europa. Es gibt nach wie vor die Möglichkeit solche Arbeiten auch in Ost- und Südosteuropa durchführen zu lassen. Meiningen ist insbesondere für seine Kompetenz und hohe Qualität bekannt.

Lyn vor 1 Wochen

Das ist großartig.
Bitte halten Sie uns auf dem Laufenden, Bilder der fortlaufenden Arbeit wären schön.

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