Entscheidung steht bevor Zehn Jahre nach Erdfall in Schmalkalden - Anwohner wollen Straße zurück

Am 1. November 2010 hat sich am Schmalkaldener Röthberg die Erde aufgetan. Ein ganzes Stück Straße verschwand in der Tiefe. Fast eine Woche lang sind Lastwagen im Minutentakt gefahren und haben Kies in den riesigen Krater geschüttet. Zehn Jahren später wollen zumindest einige Anwohner wieder eine kürzere Verbindung in die Innenstadt.

Erdfall in Schmalkalden
Vom Erdfall vor knapp zehn Jahren ist ein Kiesfeld geblieben. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Jedes Mal wenn Wolfgang Schneider in die Stadt muss, ärgert er sich. "Es könnte so einfach sein", sagt er während er vor dem grünen Maschendrahtzaun steht. Den Zaun hat die Stadt gebaut, denn niemand darf aus Sicherheitsgründen das Gelände betreten. Genau hier ging eine Straße direkt in die Innenstadt. Die möchten Schneider und viele Anwohner auch am liebsten zurückhaben. "Technisch ist doch heute alles möglich, es ist halt nur eine Frage des Geldes und des Willens." Nach Schneiders Vorstellungen könnte eine fast ebenerdige Brücke errichtet werden, mit einem festen Sockel jenseits des Erdfalls.

Kies verschwindet im Loch

Ute Schütze kann darüber nur mit dem Kopf schütteln. Sie wohnt in dem Haus direkt neben dem Erdfall. Wenn sie auf ihrem Balkon steht, kann sie die wunderschöne Wilhelmsburg sehen, aber auch die Überreste des Erdfalls. "Ich weiß doch, wie wackelig das alles hier ist. Die Kiesschicht setzt sich immer mehr", warnt sie. Noch vor ein paar Monaten war nur das Dach des gegenüberliegenden Stromhäuschens zu sehen, inzwischen hat sich der Kies soweit gesenkt, dass die halbe Wand sichtbar geworden ist. "Hier muss unbedingt nachgefüllt werden", fordert sie. Dass andere Anwohner eine Brücke über den Erdfall bauen möchten, darüber kann sie nur den Kopf schütteln.

Erdfall in Schmalkalden
Vom Garten aus blickt Ute Schütze direkt auf den Erdfall. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Bürgermeister hofft auf Termin im Landesamt

Bürgermeister Thomas Kaminski versteht beide Seiten. "Klar, nach zehn Jahren wollen die Leute einfach auch wieder den Zustand haben wie er mal gewesen ist". Die Stadt habe zwar viel gemacht, das meiste lief aber im Untergrund. Zum Beispiel musste die komplette Entwässerung neu verlegt werden. Ein Frühwarnsystem wurde installiert. Sollte sich im Berg wieder etwas setzen, dann geht hier der Alarm los. Damit die Menschen wieder in ihr Wohngebiet kommen, wurden auch eine weitere Zufahrt und ein Fußweg gebaut. "Doch die Straße ist steil und sehr eng", so Kaminski.

Drei Männer stehen zusammen
Bürgermeister Thomas Kaminski im Gespräch mit Anwohnern. In der Mitte steht Stadtrat Klaus-Dieter Kaiser (Linke), vorne Anwohner Wolfgang Schneider. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Auch Ute Schützes Ängste nimmt der Bürgermeister ernst. Eigentlich sollte schon im April ein Vor-Ort-Termin mit den Experten des Landesamtes für Umwelt und Geologie stattfinden. Wegen der Corona-Krise musste der jetzt erst einmal verschoben werden. Bis zum zehnten Jahrestag Anfang November aber werde es eine Entscheidung geben, verspricht der Bürgermeister.

Sicherheit geht vor

Das Allerwichtigste aber sei die Sicherheit. Nur wenn die Experten grünes Licht geben, wird es einen Weg über oder nah am Erdfall vorbei geben können. "Vielleicht gibt es auch erst mal eine Übergangslösung", so Kaminski. Ihm sei aber wichtig, dass alle mit ins Boot genommen werden. Damit die Anwohner die Entscheidungen des Landesamtes und der Stadt auch verstehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

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