Meiningen Rosemarie Fickel: Seit 32 Jahren Ortsteilbürgermeisterin in Bauerbach

Rosemarie Fickel lebt in und lebt für Bauerbach bei Meiningen. Seit inzwischen 32 Jahren ist sie Bürgermeisterin in dem kleinen Dorf. Und das mit Leib und Seele.

Eine Frau an einem Rednerpult, daneben stehen weitere Personen
Ein wichtiger Meilenstein ist geschafft, aber es gibt noch viel zu tun. Rosemarie Fickel (zweite von rechts) bleibt hartnäckig, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Als am 26. Juni bei herrlichstem Sonnenschein das frisch sanierte Schillermuseum in Bauerbach eingeweiht wird, strahlt Rosemarie Fickel mit der Sonne um die Wette. "Heute ist ein toller Tag, wir haben viel erreicht", sagt sie. Allerdings wäre sie nicht sie selbst, wenn sie nicht auch darauf hinweisen würde, was es alles noch zu tun gibt.

Fickel wurmt es zum Beispiel mächtig, dass auf der Autobahn kein einziges Schild auf das Museum in Bauerbach hinweist. "Sogar für die Viba-Nougatwelt in Schmalkalden wird da geworben", schüttelt sie den Kopf. Wenn das Schillermuseum in Weimar stehen würde, dann könnte es sich vor Besuchern kaum retten. Stattdessen steht es nun mal aber mitten in der Südthüringer Provinz.

Eine ältere Frau mit einer Sonnenbrille
Rosemarie Fickel kurz vor der Einweihung des frisch sanierten Schillermuseums. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Theaterverein rettet das Museum

"Wäre Rosemarie nicht gewesen, würde es das Museum wahrscheinlich gar nicht mehr geben", ist Karla Banz überzeugt. Als Reporterin bei der Tageszeitung "Freies Wort" hat Banz die Laufbahn der Ortsteilbürgermeisterin fast über drei Jahrzehnte verfolgt. 2017 war es, als die Klassikstiftung Weimar das Museum aus Spargründen so nach und nach eindampfen wollte. Es gab sogar Gerüchte, das Haus müsse komplett schließen.

"Rosemarie hat dann einen genialen Plan ausgeheckt", wie Banz findet. Auf Fickels Betreiben gründeten einige Bauerbacher und Freunde den Schillerverein. Der hat mit der Klassikstiftung dann eine einmalige Kooperation veinbart. Von da an kümmert sich der Verein ehrenamtlich um die Besucher und die Klassikstiftung um das Haus. Dieses Pilotprojekt ist ein voller Erfolg. Und jetzt hat sich die Klassikstiftung für den Einsatz mehr als revanchiert. Mehr als 900.000 Euro hat sie in die Sanierung des Fachwerkgebäudes gesteckt. Die Ausstellung zu Schillers Zeit in Bauerbach wurde überarbeitet. Besucher können ab sofort mit dem Tablet auf den Spuren des Dichters wandeln.

Ein Haus
Das neu sanierte Schillermuseum ist ein Schmuckstück geworden. Ohne Rosemarie Fickel wäre es vielleicht längst geschlossen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Rat des Kreises ließ nicht locker

Das ist ein wichtiger Meilenstein in  Rosemarie Fickels 32-jähriger Bürgermeisterkarriere.  Sie war Mitte 20 als sie von einem Mitarbeiter des damaligen Rat des Kreises Meiningen angerufen wurde. "Der hat mich regelrecht angefleht, dass ich den Job als Bürgermeisterin übernehme", erinnert sie sich. Irgendwann dann habe sie zugesagt. Damals war sie Kandidatin für die SED, ist aber nie in die Partei eingetreten. Später nach der Wende ist sie parteilos geblieben. "Auf der kleinen lokalen Ebene spielen Parteien keine Rolle", ist Fickel überzeugt. "Nur hartnäckig muss man sein", fügt sie mit einem Lächeln hinzu.

Bald Übernachtungen in Bauerbach?

Sie wird vermutlich nicht eher Ruhe geben,  bis endlich ein Schild auf der Autobahn auf Schiller in Bauerbach hinweist. Und auch das Haus hinter dem Museum muss noch saniert werden, findet sie. Fickel träumt davon, dass Schulklassen bald in Bauerbach übernachten können. Im Museum gibt es dann lebendigen Deutschunterricht und auch die Gastwirtschaft im Dorf hätte wieder mehr zu tun.

Jedenfalls ist für Rosemarie Fickel auch mit 60 noch lange nicht Schluss. "So lange ein Team um mich rum ist, mache ich weiter", sagt sie. Zu diesem Team gehört auch Karla Banz. Im Laufe der Jahre sind beide Frauen Freundinnen geworden. Ihre Liebe zur Meininger Provinz und dem kleinen aber feinen Schillermuseum in Bauerbach verbindet sie.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Juli 2020 | 06:00 Uhr

1 Kommentar

Kelte vom Oechsenberg vor 5 Wochen

Als Kelte aus dem Tullifeld gratuliere ich Frau Frickel für ihr 32 Jahre ehrenamtliches Engagement im Henneberger Land.
So geht Südthüringen. Jedoch vermisse ich eine derartige Anerkennung durch den "Graf von Henneberg"

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