Lehrermangel Mehrere Grundschulen müssen Klassen zusammenlegen

Die Klasse 1b an der Grundschule in Schmalkalden gibt es nach den Winterferien nicht mehr. Weil Lehrer fehlen, müssen in Süd- und Westthüringen gleich mehrere Klassen zusammengelegt werden. Die Kinder sind traurig, die Eltern wollen Antworten. Das Problem kennen auch andere Regionen des Freistaats.

Kinder warten hinter Schulranzen, die in einer Reihe stehen
Eltern hatten in einem offenen Brief auf die Lage aufmerksam gemacht. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen müssen an mehreren Grundschulen Klassen zusammengelegt werden. Hintergrund ist der Mangel an Lehrern.

Betroffen sind unter anderem Schulen in Schmalkalden, Floh-Seligenthal sowie in Wernshausen. Wie eine Sprecherin des Bildungsministeriums sagte, ist die Lage dramatisch. An der Grundschule in Brotterode zum Beispiel fehlen momentan wegen Krankheit und Elternzeit insgesamt vier Lehrer. Für acht Klassen gebe es deshalb nur sechs Pädagogen.

Ähnlich sei die Lage auch in Ostthüringen, sowohl auf dem Land als auch in Gera selbst. Ersatz sei meilenweit nicht in Sicht. Es fehle einfach an Bewerbern. Daher müssten nun vorübergehend Klassen zusammengelegt werden. Sehr große Schülergruppen sollen künftig im Unterricht wenigstens durch Erzieher unterstützt werden.

Mit einem offenen Brief hatten Eltern aus Schmalkalden auf die Situation aufmerksam gemacht.

Zehn Männer und Frauen halten ein Plakat mit der Aufschrift: Lasst uns unsere Klasse 1d.
Mit der Situation möchten sich die Eltern der betroffenen Schüler nicht zufriedengeben. Bildrechte: MDR/ Bettina Ehrlich

Eltern: Wir wurden per Zettel informiert

Beispiel Südthüringen: Mit Tränen in den Augen kam die Tochter von Karina Ehrle aus Schmalkalden einen Tag vor Beginn der Winterferien nach Hause. Ihre Klassenleiterin hatte den Kindern sagen müssen, dass sie ab dem nächsten Schulhalbjahr an einer anderen Schule unterrichten muss.

Die 1b wird aufgelöst - statt vier gibt es dann nur noch drei Erste Klassen an der Grundschule in Schmalkalden, mit dann 24 Kindern in einer Klasse. "Wir Eltern sind davon nur per Zettel informiert worden", schüttelt Ehrle den Kopf. Sie ärgert sich vor allem über die Art und Weise wie mit dem Thema umgegangen wird. Deshalb haben sich die Eltern in einem Offenen Brief an das zuständige Schulamt in Suhl sowie an das Bildungsministerium in Erfurt gewendet.

Grundschullehrer dringend gesucht

Doch die Antworten, die bisher kamen, sind für die betroffenen Eltern wenig befriedigend. "Wir haben einfach viel zu wenige Bewerber", sagt Ministeriumssprecherin Silke Fließ. Wegen Krankheit und Elternzeit fehlen einfach viel zu viele Lehrer. An der Grundschule in Brotterode zum Beispiel gleich vier. Für acht Klassen hat die Schule gerade mal sechs Lehrer im Stammpersonal. Daher bleibe einfach nichts anderes übrig, als Lehrer von anderen Schulen abzuberufen und Klassen zusammenzulegen. Betroffen sind unter anderem auch die Grundschulen in Fambach und Wernshauen.

Der Mangel an Lehrern ist laut Ministerium kein spezielles Südthüringer Problem. Im ganzen Freistaat fehlen laut Fließ Pädagogen. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. "Wenn die Klassen jedoch sehr groß werden, sollen Erzieher als Zweitbesetzung den Unterricht unterstützen."

Einstellungsbedarf liegt bei etwa 1200 Lehrern

Außerdem werde man wohl kaum daran vorbeikommen, stärker über den Einsatz von Quereinsteigern nachzudenken, auch wenn dieser Ansatz umstritten ist. Insgesamt, so schätzt Fließ, liegt der Einstellungsbedarf bei etwa 1200 Lehrern. Derzeit sind 115 unbefristete Stellen ausgeschrieben. Doch wenn es keine Bewerber gebe, könnten eben auch keine eingestellt werden.

Das ist auch Elternsprecherin Karina Ehrle durchaus bewusst. "Trotzdem muss jetzt einfach mal dringend etwas passieren", sagt sie. Ihr gehe es dabei auch um die Kinder, die in den nächsten Jahren in die Schule kommen. Wenigstens die sollten doch von solch einem hin und her verschont bleiben.

Lehrergewerkschaft kritisiert Zusammenlegung von Klassen

Die Thüringer Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert die Zusammenlegungen von Klassen, wenn Lehrer krank oder in Elternzeit sind. Die genannten Fälle seien ein Beispiel für verfehlte Personalpolitik, so die Thüringer GEW-Chefin Kathrin Vitzthum. Die Gewerkschafterin lastet dies den CDU-geführten Vorgängerregierungen in Thüringen an.

Mit Berufung auf das Thüringer Bildungsministerium erklärte die GEW, der Unterrichtsausfall habe im November 2019 bei sieben Prozent gelegen und sei nun nochmals gestiegen. Grund sei die hohe Zahl erkrankter Lehrer. Die Zahl der Langzeit-Erkrankten liege bei über 1.000, was etwa 5,8 Prozent entspreche. Der Grund für die vielen Langzeiterkrankungen seien schlechte Arbeitsbedingungen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh,mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. Februar 2020 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2020, 11:22 Uhr

14 Kommentare

Kelte vom Oechsenberg vor 7 Wochen

Es ist schon erstaunlich. Ich bin immer wieder verwundert über die wissenschaftliche Expertise der thüringer Kommentatoren/innen wie Rotti, Atheist, Hans Frieder leister usw. Man sollte schon mal die fragen, also jene die Abitur gemacht haben, warum sie nicht auf Lehramt studieren wollen. Man kann zu R2G stehen wie man will, wenn sich keine Interessenten für den Lehrerjob finden, was dann ? Backen geht wohl schlecht. Wenn ich mir so das Verhalten der Helikoptereltern in der Klasse meines Enkels anschaue, dann verstehe ich schon warum es den Lehrermangel gibt. Während meiner Zeit, da gab`s schon mal `ne Watschen vom Direx, ohne daß die Eltern denselbigen angezeigt haben. Die Verantwortung auf die Politik bzw. die gerade Regierenden abzuschieben ist schon sehr einfach.

Rotti vor 7 Wochen

Das ist das Ergebnis von fünf Jahren Ramelow. Da fällt einem nichts mehr dazu ein.
Der Ramelow hat sich wahrscheinlich nur um seine Wiederwahl und Macht gekümmert.
Ich fordere sofortige Neuwahlen und bis dahin eine Expertenregierung. Und mit Experten meine ich nicht das Volk, was die letzten fünf Jahre Minister war. Punkt.

goffman vor 7 Wochen

Bereits 2004 wurde in der Regierungserklärung (CDU) Personalabbau gefordert und 2005 hat die CDU das dann auch beschlossen. Begründungen: Einsparungen nötig, andere Bundesländer kommen auch mit weniger Personal aus.

Das Kabinett Ramelow hat das beibehalten, aber angeregt die "Auswirkungen der bisherigen Stellenreduktion zu prüfen". (2015)

2017 das Ergebnis: "Der von der KMK prognostizierte Rückgang der Schülerzahlen um 5,4 % - ist aus Sicht des TMBJS dahingehend zu korrigieren, dass bis 2025/26 nunmehr ein Anwachsen der Schülerzahlen um 6,7 % zu erwarten ist - notwendig, dass aktuelle Veränderungen bei den prognostizierten Schülerzahlen - künftig verstärkt in den Fokus der Betrachtungen gezogen werden müssen."

Fazit: Die CDU hat uns das Problem eingebrockt, Rot-Rot-Grün hat es als Problem erkannt und würde zwar weiter Stellen abbauen, bis Thüringen vom Verhältnis her ähnlich viele Staatsbedienstete hat wie andere Bundesländer, aber in Zukunft die Schülerzahlen mal berücksichtigen.

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