Meiningen Heym kündigt Rücktritt als CDU-Fraktionsvize an

Der Meininger CDU-Landtagsabgeordnete Michael Heym will nicht wieder für den Vize-Fraktionsvorsitz im Landtag kandidieren. Heym amtiert seit 2010 als Vizechef der CDU-Landtagsfraktion. Heym sagte, sein angekündigter Rückzug habe "auch damit zu tun, was ich in den letzten Monaten in der Landtagsfraktion erlebt habe. Das war nicht immer schön."

Michael Heym CDU
Michael Heym ist seit 2010 Vizechef der Thüringer CDU-Landtagsfraktion. Bildrechte: dpa

Der Meininger CDU-Landtagsabgeordnete Michael Heym will nicht wieder für den Vize-Fraktionsvorsitz im Landtag kandidieren. Das kündigte der 57-Jährige am Mittwochabend während einer Sitzung des Kreisvorstands der CDU Schmalkalden-Meiningen an, schreibt das Freie Wort. Heym begründete das indirekt mit der Kritik an seinem AfD-freundlichen Kurs, die er in seiner Fraktion erlebt habe. Der CDU-Kreisvorstand stellte sich hinter seinen Vorsitzenden Heym und dessen Fraktionskollegen, die bei der Ministerpräsidentenwahl mit der AfD für Kemmerich gestimmt hatten.

Immer mehr Christdemokraten fordern personellen Neubeginn

Unterdessen setzt sich der Aufruhr in der Thüringer CDU mit neuen Zeichen von Zerrissenheit fort. Nach den Kreisverbänden in Sonneberg und Saale-Orla fordern jetzt auch die Christdemokraten in Suhl von Mike Mohring, nicht nur als Fraktionschef, sondern als Parteivorsitzender der CDU zurückzutreten.

Für einen Neuanfang braucht es Vertrauen und Verlässlichkeit. Dies sehen wir nicht mehr in der Person von Mike Mohring gegeben."

Mark Hauptmann CDU-Kreisvorsitzender Suhl

Zugleich haben sich inzwischen sechs Kreisverbände der Forderung der Suhler CDU angeschlossen, bald einen Kleinen Parteitag der CDU zu organisieren, um untereinander und mit der Führung über die Lage zu beraten. Damit muss der Landesvorstand diese Delegiertentagung einberufen.

Entsprechende Beschlüsse fassten unter anderem die CDU-Verbände in Hildburghausen, Sonneberg und im Ilm-Kreis. Auf der anderen Seite erheben etliche Kreisverbände ausdrücklich keine Rücktrittsforderungen an Mohring. Dazu gehören Schmalkalden-Meiningen, der Wartburgkreis und der Ilm-Kreis. Das Thema Mohring spiele "keine größere Rolle“, sagte der Vizevorsitzende der Wartburgkreis-CDU, Jürgen Dücker, auf Nachfrage.

Unterschiedliche Sicht auf Ministerpräsidentenwahl

Das unterschiedliche Vorgehen spiegelt die unterschiedliche Sicht auf das Stimmverhalten bei der Ministerpräsidentenwahl wider, sowohl parteiintern als auch im Verhältnis zwischen Partei und Abgeordneten. In Hildburghausen und im Ilm-Kreis geht dieser Riss quer durch den Kreisvorstand, weshalb man hier auf keinen gemeinsamen Nenner kommt. Während dort und in den Kreisvorständen in Suhl und auch in Sonneberg keine Landesparlamentarier vertreten sind, stellten sich die CDU-Vorstände im Wartburgkreis und in Schmalkalden-Meiningen hinter ihre örtlichen Abgeordneten, die ihr Ja für Kemmerich auch im Nachhinein nicht bereuen.

Ramelow sei "vorzeigbarer Ministerpräsident" gewesen

CDU-Landtags-Fraktionsvize Heym sagte, sein angekündigter Rückzug habe "auch damit zu tun, was ich in den letzten Monaten in der Landtagsfraktion erlebt habe. Das war nicht immer schön." Mehr wolle er dazu nicht sagen. Bodo Ramelow sei in den zurückliegenden fünf Jahren ein "vorzeigbarer Ministerpräsident gewesen", sagte Heym. Ihn zu wählen, komme für ihn dennoch nicht in Frage. "Ramelow ist nur das Feigenblatt. Hinter dem eloquenten Linken-Politiker läuft eine ideologische Maschinerie“, sagte der 57-Jährige, der auch CDU-Kreisvorsitzender in Schmalkalden-Meiningen ist.

Heym amtiert seit 2010 als Vizechef der CDU-Landtagsfraktion. In der verfahrenen politischen Situation in Thüringen spricht sich Heym für einen unabhängigen Kandidaten als Ministerpräsidenten aus, wenngleich er einräumt, dass die Aussichten für einen solchen Weg derzeit nicht sonderlich erfolgversprechend sind. Er hätte auch mit einer CDU-FDP-Minderheitsregierung unter Ägide von Thomas Kemmerich gut leben können, sagte er.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. Februar 2020 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2020, 20:54 Uhr

28 Kommentare

Maenfred vor 6 Tagen

Ich bin kein Fan der AFD - was zu Herrn Lucke's Zeiten noch eine Partei mit teils berechtigtem Ansatz war ist zu einer wirklich destruktiven "Macht" herangewachsen die nunmehr in Landtagen und im deutschen Bundesrat vertreten ist. Und DAS ist das eigentliche Problem denn so ungern ich Herrn Gauland Recht gebe, Herr Kemmerich ist demokratisch gewählt worden. Man hätte ein Minderheitsregierung bilden sollen und über alle parteipolitischen Hindernisse hinweg regieren sollen um der AFD nicht den Gefallen der jetzigen Entwicklung zu tun. Sie hat jetzt mehr erreicht als sie mit der Stimmvergabe an Herrn Kemmerich zu erreichen geträumt hatte. Es ist doch klar, dass bei künftigen Wahlen gerne ein paar Stimmen geopfert werden von der AFD um so weiter Sand ins Getriebe zu streuen. Wenn sich das was von demokratischen Parteien in Deutschland derzeit noch übrig ist, nicht zusammenrauft und kompromisbereit agiert, wird die AFD stärker werden...soviel steht fest...zumindest für mich!

Kolo78 vor 7 Tagen

Es ist naiv zu glauben, dass das Kindergartentheater deutscher Politiker ein Ende haben wird ... die nächsten Wahlen werden zeigen, wohin die Reise geht! Ich erkenne aber lediglich linke Hetze und linke Parolen in unserem Land ... was mich etwas irritiert, da ich dachte, in einer Demokratie zu leben!? Egal was CDU, FDP oder auch AfD derzeit betrifft ... es wird gehetzt und draufgehauen! Übel!!

emlo vor 7 Tagen

@Herr Meier, Sie versuchen schon wieder, hier irgendwelche unterschwelligen Bedrohungsszenarien zu platzieren. Davon ist aber bei Herrn Heym absolut nichts bekannt. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Bedrohungen von Personen (egal, ob Politiker und deren Angehörige, oder andere Menschen) sind auch für mich ein absolutes NoGo! Was aber den politischen Druck angeht, so müssen das sowohl Herr Heym als auch Herr Kemmerich schon aushalten. Mit anderen Politikern (z.B. Herrn Ramelow) wird ja auch nicht gerade zimperlich umgegangen. Komischerweise scheint es Sie da weit weniger zu stören.

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