Anwältin und Klient im Gerichtssaal.
Anwältin und Angeklagter im Gerichtssaal. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zugeben, bestreiten, wieder zugeben Im Meininger Missbrauchs-Prozess muss das Opfer aussagen

Im Prozess um einen Kindesmissbrauch am Landgericht Meiningen muss das Opfer am Dienstag aussagen. Zuvor hatte der Angeklagte die Taten gestanden, zog das Geständnis aber wieder zurück. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

von Cornelia Hartmann

Anwältin und Klient im Gerichtssaal.
Anwältin und Angeklagter im Gerichtssaal. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zu Prozessbeginn betrat er den Verhandlungssaal des Meininger Landgerichts als freier Mann. Laut Anklage hat der 35-Jährige die Tochter seiner Freundin zweimal missbraucht. Bei einer Hausdurchsuchung wurden hunderte kinderpornografischer Bilder auf seinen Festplatten gefunden.

Erst gestanden, dann zurückgezogen

Die Tochter seiner Freundin hatte Papa zu ihm gesagt - dieses Vertrauen hatte der 35-Jährige auf üble Weise ausgenutzt. Und das räumte der Mann am ersten Verhandlungstag auch ein. Er schäme sich, ließ der 35-Jährige seine Anwältin ausrichten. Damit ersparte er dem heute achtjährigen Mädchen eine Aussage im Prozess.

Ein Mann hält sich einen Hefter vor das Gesicht
Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht hinter einer Akte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Etwa 3.000 Bilder mit kinderpornografischen Darstellungen fanden die Ermittler auf seinem Rechner. Einem IT-Gutachter zufolge hat der Angeklagte diese Bilder zwischen 2013 und 2017 unter einem Pseudonym heruntergeladen. Er wolle eine Therapie machen, sagte der 35-Jährige reumütig am ersten Tag seines Prozesses.

Am zweiten Verhandlungstag zog der Mann plötzlich und überraschend sein Geständnis zurück. Nach Gesprächen mit seiner Mutter und seiner Psychologin sei ihm klar geworfen, dass er nichts zugeben könne, was er nicht getan habe, sagte er dazu. Konsequenz seines Sinneswandels: sofortige Festnahme im Gerichtssaal und anschließende U-Haft. Die Straferwartung sei ohne Geständnis viel höher, hieß es zur Begründung des Haftbefehls. Es bestehe nun Fluchtgefahr.

Kind muss vor Gericht aussagen

Angesichts dieser Situation wollte der Angeklagte nun doch wieder ein Geständnis ablegen. Doch das Kind muss jetzt gehört werden. So will es das Gericht. Ein Geständnis müsse glaubhaft ein, sagte die Vorsitzende Richterin. Durch das Hin und Her in der Aussage des Angeklagten sei diese Glaubwürdigkeit erschüttert, die Vernehmung des Kindes deshalb unumgänglich. Am Dienstag nun muss das Mädchen im Landgericht Meiningen aussagen. Wie bei Kindern üblich, wird das unter Ausschluss der Öffentlichkeit passieren.

Ursprünglich waren bei dem Prozess keine weiteren Verhandlungstermine geplant. Wie das Gericht in Meiningen am Vormittag mitteilte, ist am Dienstag aber noch nicht mit einem Urteil zu rechnen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2019, 05:00 Uhr

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