Großer Besprechungsraum im Kunstdepot.
Großer Besprechungsraum im Kunstdepot. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Meiningen Gemälde statt Geldbündel: Bank ist jetzt Kunstdepot

Im ehemaligen Zentralbank-Gebäude in Meiningen werden keine Geldbündel mehr gelagert, sondern Kunst. Privatsammler und Museen können unter höchsten Sicherheitsstandards dort jetzt ihre Kunst unterbringen. Ein Besuch bis an die Tresor-Tür.

von Isabelle Fleck

Großer Besprechungsraum im Kunstdepot.
Großer Besprechungsraum im Kunstdepot. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

"So gut wie hier, waren die Bedingungen nie", sagt Galerist Helmut Schuster. Er hat selber einen Raum im "Zentraldepot" gemietet. Bisher steht noch nicht viel drin. Ein paar zeitgenössische Schwarz-Weiß-Fotografien aus Amerika und in hellbauen Stoff gehüllte Leinwände. Man erkennt nicht, von wem die Bilder sind.

Ein Raum im Kunstdepot im ehemaligen Bundesbankgebäude in Meiningen.
Der Raum von Kurator Helmut Schuster. Er wird hier seine eigene Sammlung aufbewahren. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

"Sie würden nicht glauben, unter welchen Bedingungen sogar Kunst über 100.000 Euro sonst gelagert wird. Das geht von Keller bis Palette in einer Garage", so Schuster. Sein klimatisierter Raum ist rund 60 Quadratmeter groß und befindet sich in der dritten Etage. Hier können Kunstsammler mit einem eigenen Schlüssel ihren eigenen Raum betreten. Wer nebenan was lagert - das erfahren sie nicht. Eine Etage tiefer kommen die Sammler nur in Begleitung eines Wachmannes in den gemieteten Raum. Um den großen Tresor mit der höchsten Sicherheitsstufe zu öffnen, braucht es zwei Wachmänner und diverse persönliche Codes. Kunden kommen hier nie hin. Alles ist sehr diskret. Es fallen keine Namen, keine Preise.

Spannungsfeld Stolz und Verschwiegenheit

Das Kunstdepot im ehemaligen Bundesbankgebäude von Meiningen gibt es erst ein paar Monate. Und trotzdem ist es laut Betreibern schon gut gebucht.

Kurator Helmut Schuster und Ingenieur Ulrich Schulte schauen sich in einem Depot-Raum ein Kunstwerk an und freuen sich.
Kurator Helmut Schuster (l.) und Ingenieur Ulrich Schulte (r.) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einfach hineinspazieren und umsehen, ist nicht möglich. "Die Interessenten müssen die Hürde des ersten Gesprächs nehmen", erklärt Schuster. "Ich werde keine Namen nennen. Wir sind an Seriosität und Langfristigkeit interessiert. Und wir müssen vorsichtig sein, wer hier her kommt - wir wollen nicht in schlechter Gesellschaft sein", so Schuster.

Er berät als Kurator die Geschäftsführer, wer zum Konzept passt. Welche Sammlungen, welche Sammler. Er plant aber auch einen Ausstellungsbereich, der öffentlich zugänglich sein soll.

Raus mit den Wasserleitungen

Dass sich das ehemalige Bundesbankgebäude perfekt dafür eignen würde, Kunst einzulagern, das erkannte Ingenieur Ulrich Schulte ziemlich schnell. Er hat den Entwurf des Star-Architekten Hans Kohlhoff für die Bundesbank im Jahr 2000 umgesetzt und das Haus gebaut.

Eingangsbereich des Kunstdepots im ehemaligen Bundesbankgebäude in Meiningen. Im Mamor-Muster entdeckt mancher Besucher eine Wächterin oder einen beschützenden Engel.
Eingangsbereich des Kunstdepots im ehemaligen Bundesbankgebäude in Meiningen. Im Mamor-Muster entdeckt mancher Besucher eine Wächterin oder einen beschützenden Engel. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Nur zwölf Jahre hatte die Bundesbank hier ihre Filiale. Das Haus ist robust, klar und schön und es ist von Anbeginn unheimlich sicher. Ein europäisches Sicherheitszertifikat bescheinigt dem Haus auf einer Sicherheitsskala mit möglichen 100 Punkten ganze 98.

Eine große Gefahr für Bilder ist beispielsweise Wasser. In den oberen Etagen haben Handwerker daher Wasserleitungen, Waschbecken und Toiletten zurückgebaut und Leitungen trockengeblasen. So soll es keine Wasserschäden in den Räumen geben. Monatelang haben die Handwerker gewirbelt. Rund 135 Kameras haben sie eingebaut. Es ist lückenlos nachvollziehbar, wer wann und wo langgeht und die Lagerräume betritt. Wichtig für die Versicherung.

Ehemaliges Bundesbankgebäude in Meiningen, entworfen von Star-Achitekt Hans Kollhoff im Jahr 2000. War bis 2012 Filiale der Bundesbank.
Ehemaliges Bundesbankgebäude in Meiningen, entworfen von Star-Achitekt Hans Kollhoff im Jahr 2000. Bis 2012 war hier die Filiale der Bundesbank zuhause. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Das Haus war lange auf dem Markt. Für welchen Preis Schulte und Kollegen das Gebäude kaufen konnten, verrät niemand. Die Bundesbank prüfte jedoch vorher genau, was mögliche Käufer dort planen. Ein Interessent wollte ein Seniorenheim im Gebäude unterbringen. Doch die Idee, hier Kunst zu lagern und in einem öffentlichen Bereich irgendwann auch Ausstellungen zu zeigen, überzeugte.

Baugebundene Kunst im Kunstdepot im ehemaligen Bundesbankgebäude in Meiningen. Alleine das Fenster des Schweizer Malers Helmut Federle ist ein Vermögen wert und kaum einer weiß das.
Baugebundene Kunst: Alleine das Fenster des Schweizer Malers Helmut Federle ist ein Vermögen wert und kaum einer weiß das. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Und das trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Lage: Meiningen. "Als wir uns mit Logistikern verständigt haben, die Kunsttransporte abwickeln, kamen schnell Angebote. Da war die Lage keine Thematik mehr. Vielmehr liegt es in der Mitte Thüringens - fast in der Mitte Europas. Daher auch der Name "Zentraldepot". Vorgeschlagen übrigens vom bedeutenden Kunstsammler Christian Boros.

Eine Skulptur war so groß, dass Schulte eine Tresortür vergrößern ließ, ein Teil einer Decke entfernte und einen Kran einbauen ließ, der bis zu dreieinhalb Tonnen heben kann. Es muss sich gelohnt haben. Aber auch hier - keine Namen, nur Vermutungen.

Wertloses Papier?

Schulte freut sich, dass das Haus wieder zum Leben erwacht. Zehn Mitarbeiter sind momentan beschäftigt. Früher arbeiten hier bis zu 70 Bundesbank-Mitarbeiter. Heute ist von ihnen noch Olaf Berner "übrig".

Facility Manager Olaf Berner ist unter anderem für die Sicherheit im Kunstdepot zuständig. Er arbeitete schon zu Bundesbank-Zeiten im Gebäude und kennt das Haus sehr gut.
Facility Manager Olaf Berner ist unter anderem für die Sicherheit im Kunstdepot zuständig. Er arbeitete schon zu Bundesbank-Zeiten im Gebäude und kennt das Haus sehr gut. Bildrechte: MDR THÜRINGEN JOURNAL

Der "Facility Manager" kennt jede Leitung, jede Tür, jeden Raum. Er hat über Jahre die Technik gewartet und das Haus - das laut Architekten zu den einhundert schönsten Häusern Deutschlands zählt - in sehr gutem Zustand übergeben. Dass nun Gemälde und Skulpturen eingelagert werden, macht ihn genauso wenig verrückt, wie es die Milliarden Euro zu Bundesbank-Zeiten machten. "Damals war es wertloses Papier - nun sind es andere Dinge. Man darf sich nicht hineinsteigern", so Berner. Ohnehin ist für jeden etwas anderes wertvoll.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2018, 07:38 Uhr

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