Diskussion um Lkw-Transporte Oberhof: Bürgermeister verteidigt Schnee-Lieferungen aus Gelsenkirchen

Vor dem Biathlon-Weltcup in Oberhof erhitzen Schnee-Transporte aus dem Ruhrgebiet die Gemüter. Der Bürgermeister des Austragungsortes hält die Lieferungen für angemessen, während viele User infrage stellen, ob der Aufwand tatsächlich gerechtfertigt ist. Darüber hinaus machen Spekulationen um gekauften Schnee aus einer Skihalle bei Hamburg die Runde.

Ein mit Schnee beladener Lkw in Oberhof
Der natürliche sowie der vor Ort produzierte Schnee reichen für den Biathlon-Weltcup in Oberhof möglicherweise nicht aus, deshalb wird aus Gelsenkirchen nachgeliefert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bürgermeister Thomas Schulz (Freie Wähler) hat die Schneelieferungen aus Gelsenkirchen für den Biathlon-Weltcup in Oberhof verteidigt. Schulz sagte, es sei besser, den bereits produzierten Schnee zum Absichern der Wettkämpfe nach Oberhof zu bringen, als ihn schmelzen zu lassen. Möglicherweise würde der zusätzliche Schnee gebraucht - möglicherweise auch nicht. Er könne nicht voraussagen, wie das Wetter zum Weltcup ab 9. Januar sei.

Bürgermeister verweist auf Bedeutung des Weltcup in Oberhof

Schulz betonte, wer internationale Wettkämpfe ausrichte und Sportler aus aller Welt nach Oberhof hole, müsse die Veranstaltung absichern. Außerdem sei der Weltcup eine wichtige Einnahmequelle für die Wintersportvereine. Ein Großteil der Einnahmen fließe an die Vereine, die damit Ausrüstung für die Nachwuchs-Wintersportler kauften.

Ein Weltcup-Sprecher erklärte, die Weltcup-Rennen könnten planmäßig stattfinden. Alle Voraussetzungen seien erfüllt. Das hätten die Organisatoren der Internationalen Biathlon-Union (IBU) am Donnerstag mitgeteilt.

Schnee vor Stadion des FC Schalke 04 gelagert

Für den Biathlon-Weltcup werden 2.000 Kubikmeter Schnee aus Gelsenkirchen nach Oberhof transportiert. Wie Organisationschef Silvio Eschrich MDR THÜRINGEN sagte, werden 30 bis 35 Lastwagen den Schnee aus dem Ruhrgebiet in den Thüringer Wald schaffen. Der Schnee war nach dem Biathlon-Wettbewerb "World Team Challenge" vor der Veltins-Arena gelagert worden, in der sonst der FC Schalke 04 seine Heimspiele in der Fußball-Bundesliga spielt.

Die Biathlon-Strecke in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen.
In der Arena in Gelsenkirchen traten die Biathleten Ende Dezember zur "World Team Challange" gegeneinander an. Bildrechte: imago images / Revierfoto

Spektulationen um Schnee aus Skihalle bei Hamburg

Um die Herkunft der weißen Ware hat es zuletzt Spekulaktionen gegeben. Das Portal Insuedthueringen.de erwähnt, dass Schnee vorher schon aus der Skihalle in Bispingen bei Hamburg gekommen sei, auch in den sozialen Netzwerken halten sich entsprechende Gerüchte. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es weiterhin nicht.

Anfang der Woche hatten die Organisatoren gegenüber MDR THÜRINGEN erklärt, dass Lkw lediglich zwischen den Schneedepots in Oberhof beziehungsweise später nach und von Gelsenkirchen unterwegs sind. Auch die Geschäftsführung der Skihalle in Bispingen dementierte auf Nachfrage eine Lieferung nach Oberhof. Das Haus habe dafür derzeit überhaupt keine Kapazitäten, hieß es. Das Unternehmen, das gut 50 Kilometer von Hamburg angesiedelt hat, bietet Schnee zum Verkauf an - für 40 bis 60 Euro pro Kubikmeter zuzüglich Verladekosten.

Diskussion um Schnee-Transporte zum Weltcup nach Oberhof

Auch die Schneetransporte aus Gelsenkirchen sorgen für Diskussionen. Hier stehen Fragen zu Klimaschutz, Umweltverschmutzung und Aufwand im Mittelpunkt. In einer nicht-repräsentativen Abstimmung auf unser Internetseite sprach sich eine klare Mehrheit der Nutzer gegen die Lkw-Transporte nach Oberhof aus. Elf Prozent halten die Lieferung von außerhalb dagegen für sinnvoll (Stand: Freitag: 10 Uhr).

Hier können Sie selbst an der Umfrage teilnehmen und sich das Ergebnis anzeigen lassen:

Sind die Lkw-Transporte nach Oberhof für den Weltcup gerechtfertigt?

Sicherheitsabfrage

Bitte geben Sie folgende Zahlen ein:

Das sagen unsere User zum Oberhofer Schnee-Transport:

"Da fragt keiner nach Umweltschutz und Geldverschwendung." (Horst Nebelung)

"Schneesicherheit in den deutschen Mittelgebirgen zu erwarten zeugt nicht von einer zukunftsorientierten Denk- und Handlungsweise. Aber solange die Steuermillionen reichlich gen Oberhof fließen, muss natürlich die Berechtigung dafür - notfalls mit der Brechstange - irgendwie behauptet werden." (martin)

Ich heiße die Aktion nicht gut, aber wenn eine Ladung Fichtenbretter von Finnland nach Italien mit dem LKW statt mit der Bahn transportiert wird, nur um Zeit zu sparen, kommt es auf den "Schneetransport" auch nicht mehr an.

Andi-1953

"Die, die sich darüber aufregen, dürften nicht mehr in den Wintersport fahren, denn Pisten und Loipen werden oftmals künstlich beschneit. Im selben Maße müssten diese ihr Umweltbewusstsein und Umweltverhalten radikal ändern." (Grosser Klaus)

"Geschäft ist Geschäft. man lässt doch auch Bananen einfliegen." (revolvere)

"Vielleicht kommt ja ein windiger Geschäftsmann auf die Idee, aus Kunststoff Schnee herstellen, der das ganze Jahr über liegenbleiben kann. Für die Natur nicht so optimal, aber dann können sie ihren Weltcup auch im Sommer machen, wenn es nicht so kalt ist." (christerix)

Ich kann den Bürgermeister verstehen, was soll er denn sonst tun, es ist sein Job! Man muss für die Zukunft aber ernsthaft über den Sinn oder Unsinn solcher Wintersportereignisse in Thüringen nachdenken, ohne wenn und aber!

Karin Sonntag

"Diese Entwicklung haben andere Regionen (Zittau) schon hinter sich (wo kaum noch Wintersport möglich ist und darin auch nicht mehr investiert wird) und man kann aus deren erfahrungen und fehlern lernen." (Berliner in Thüringen)

"Warum kann man Biathlon nicht einfach mit Inline Skates betreiben, wo die Natur den Schnee nicht hergibt. Warum muss es Kunstschnee sein? Man wäre nicht auf ein paar Veranstaltungsorte begrenzt sondern könnte sogar auf Straßen und Wegen in Afrika den Weltcup aufziehen." (Gerbser)

"Also Leute mal ganz ehrlich, habt ihr mal darüber nachgedacht was es bedeutet wenn dieser Weltcup in Thüringen nicht mehr stattfindet. Das ist das einzigste was wir in unserem Bundesland noch haben. Man muss doch mal realistisch sein. Es gibt keine richtig erfolgreiche Fußballmannschaft, kein sonstiges Grossereignis und da bin ich der Meinung dass wir solche Veranstaltung in unserem Bundesland halten müssen. Und wenn das bedeutet dass wir sowieso schon künstlich hergestellten Schnee nach Oberhof bringen dann ist es vollkommen in Ordnung so." (Hans Brandmeister Müller)

...stellt Euch vor, die Olympischen Winterspiele 2030 wären wirklich nach Thüringen gekommen....man hätte den Schnee aus ganz Europa zusammen gekarrt....

Michael Grimmer

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dr,csr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 03. Januar 2020 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2020, 11:37 Uhr

40 Kommentare

Breakpoint vor 12 Wochen

Hochgebirgsregion? Sie sind wohl ein Scherzkeks? --- Sogar die Rennsteig-Arena in Oberhof liegt höher über NN als der Bergisel in Innsbruck. --- Wenn Sie wirklich mal den Unterschied sehen wollen, schauen Sie im Februar nach Antholz in Südtirol! Dort findet die Biathlon-WM statt. Bei (wahrscheinlich wieder) traumhaftem Winterwetter. ;-))

martin vor 12 Wochen

Über die Veranstaltung in Gelsenkirchen dürfen sich gern die Kommentatoren beim WDR äußern. In Thüringen und bei diesem Artikel geht es um Oberhof.

Die meisten Kritiker regen sich nur teilweise über die LKW auf, die den Klimakohl meiner Meinung nach in der Tat nicht fett machen - sondern darauf, dass Oberhof Anfang Januar überhaupt Austragungsort ist - gesponsort von reichlich Thüringer Steuergeldern, die dann für andere Zwecke nicht mehr zur Verfügung stehen.

Normalo vor 12 Wochen

Dieser Ansatz ist sehr fiktiv, wenn nicht sogar sinnfrei. Die AfD ist nur vordergründig eine Partei des kleinen Mannes. Sie vertritt die Interessen der Reichen (erkennbar am Spendensumpf, dem fehlenden Rentenkonzept und dem Wunsch nach Erhalt der KKW). Den Klimawandel leugnen sie um ihrer konservativen Klientel zu gefallen.
Ja, noch ist es schön in Deutschland.

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