Weltcup "Gewäsch": Bundestrainer nach Schnee-Diskussion in Oberhof sauer

Seit Tagen wird in Thüringen und darüber hinaus über die Lieferung von Kunstschnee per Lkw aus dem Ruhrgebiet nach Oberhof diskutiert. Kurz vor dem Start des Weltcups hat sich Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner zu Wort gemeldet. Angesichts der Klimadiskussion forderte er eine klare Strategie für die Wintersport-Regionen in Deutschland.

Mark Kirchner
Bundestrainer Mark Kirchner hat sich in die Diskussion um die Schnee-Lieferungen zum Weltcup in Oberhof eingeschaltet. (Archivfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Kritik am Schnee-Transport mit mehr als 30 Lkw von Gelsenkirchen zum gut 370 Kilometer entfernten Biathlon-Weltcup in Oberhof ist Bundestrainer Mark Kirchner sauer aufgestoßen. "Alle Beteiligten müssen sich grundsätzlich mal überlegen - ob das Politiker oder andere Funktionäre sind: Wenn man Weltmeisterschaften und andere Veranstaltungen ausrichten möchte in Regionen, wo es eher dünn mit Schnee ist, und dann diese Klimathematik in den Vordergrund schiebt, müssen wir sagen: Dann machen wir komplett zu", sagte Kirchner am Rande der Wettkämpfe im Thüringer Wald.

Schnee-Transport von Schalke nach Oberhof in der Kritik

2000 Kubikmeter Schnee waren nach der World Team Challenge in der Schalker Fußball-Arena laut Organisationschef Silvio Eschrich nach Oberhof transportiert worden. Der von 37 Schneekanonen produzierte Schnee hatte alleine nicht ausgereicht, um die erforderliche Menge für die Rennen am Grenzadler zu stellen. Die Lieferung löste daraufhin hitzige Diskussionen aus, Oberhofs Bürgermeister Thomas Schulz (Freie Wähler) verteidigte die Lkw-Fahrten später.

"Angesichts des Klimawandels ist das nicht zu verantworten", sagte Naturschützer Burkhard Vogel vom BUND Thüringen der Bild. Auch für den Weltcup der Skilangläufer am Wochenende in Dresden wurden laut Sächsischer Zeitung 120 Lkw-Ladungen Kunstschnee von einem Flughafendepot ans Königsufer transportiert.

Biathlon-Bundestrainer fordert in Oberhof klare Wintersport-Strategie

"Ich glaube, auch wenn hier ein Meter Schnee liegt, funktioniert so eine Veranstaltung nicht klimaneutral", sagte Kirchner in Bezug auf Oberhof und forderte von allen Beteiligten, "grundsätzlich erstmal klar im Kopf" zu sein: "Will man für die Region, für Deutschland oder auch international weiter Wintersport betreiben oder will man es nicht? Und wenn man das für sich entschieden hat, kann man sich eine Strategie in die eine oder andere Richtung zurechtbauen." Alles andere sei "ein Verwässern, ein Gewäsch oder ein Zug, auf den man aufspringt, und nicht die Realität, die man im Auge behält".

Biathlon-Weltcup in Oberhof: Bilder von den letzten Vorbereitungen

Letzte Vorbereitungen in Oberhof. Stadion, Piste und Schießstand werden präpariert.
Die Athleten können kommen, das Stadion ist fast fertig. Auf jeden Fall fehlen noch der Start- und Zielbereich. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Letzte Vorbereitungen in Oberhof. Stadion, Piste und Schießstand werden präpariert.
Die Athleten können kommen, das Stadion ist fast fertig. Auf jeden Fall fehlen noch der Start- und Zielbereich. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Blick aus dem Pistenbully auf die Strecke
So kurz vor dem Wettkampf bleibt nur noch Zeit für das Finetuning auf der Strecke. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Schneekanonen warten auf ihren Einsatz
Der heiße Sommer hat dem eingebunkerten Schnee sehr zugesetzt. Das Schneedepot war schon im Oktober fast leer. Deshalb soll jetzt ein neues gebaut werden. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Pistenpräparator vor seinem Bully, auf der Strecke
Detlef Kotlinsky ist der Streckenchef - er trägt große Verantwortung. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Letzte Vorbereitungen in Oberhof. Stadion, Piste und Schießstand werden präpariert.
Am Schießstand bleibt noch Einiges zu tun. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Pistenpräparator prüft den Schnee auf der Piste
Der Kunstschnee ist hart genug. Nur ringsum fehlt noch etwas Weiß. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Mann mit Schaufel
Ohne freiwillige Helfer wäre hier allerdings nichts fertig. Danke! Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
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DSV: Schnee in Oberhof wird nachhaltig genutzt

Laut Sprecher Stefan Schwarzbach mache sich auch der Deutsche Skiverband (DSV) "sehr wohl Gedanken, und nicht erst seit gestern, wie wir unseren Sport nachhaltig gestalten". Der DSV arbeite deshalb "eng mit Experten zusammen - mit Klimaforschern, der Uni Köln und mit unserem Umweltbeirat, den es auch schon seit mehreren Jahrzehnten gibt". Der Schnee in Oberhof bilde nach dem Biathlon-Weltcup zudem auch die Grundlage für Nachwuchs-Weltcups und Trainingseinheiten und werde somit nachhaltig genutzt, sagte Schwarzbach weiter.

Sind die Lkw-Transporte nach Oberhof für den Weltcup gerechtfertigt?

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Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,sid

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2020, 15:36 Uhr

24 Kommentare

Stefan Der vor 6 Wochen

Danke für die Aufklärung. Da habe ich wohl tatsächlich etwas falsch verstanden. Ich nehme die Aussage hinsichtlich des Bundestrainers selbstverständlich zurück.

Hans Frieder leistner vor 6 Wochen

Was ist aber, wenn das Regenwasser aus saurem Regen besteht? Übersäuert dann das Elbufer und die Elbe? Wer meckern will findet immer einen Grund und wenn er noch so lachhaft ist.

Hans Frieder leistner vor 6 Wochen

Ich habe fast 86 Jahre auf dieser Erde verbracht. Da werde ich wohl auch die restliche Zeit diese Trolle aushalten. Beispiel: Das TV überschlägt sich täglich mit den rieseigen Waldbränden in Australien.Was macht Australien? Riesiges Sylvesterfeuerwerk und Neuerrichtungen im Steinkohlebergbau.

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