Keine Tarifbindung mehr Streik am Panorama-Hotel Oberhof

Streik am Panorama-Hotel Oberhof: Rund 50 Beschäftigte des Betriebs haben am Dienstagmorgen für rund eine Stunde ihre Arbeit niedergelegt. Damit folgten sie dem Aufruf zu einem Warnstreik der Gewerkschaft Nahrung-Genuss und Gaststätten (NGG). Der ursprünglich für zwei Stunden geplante Ausstand endete nach einer Stunde, da die Ahorn-Gruppe als neuer Hotelbetreiber der NGG zwei Gesprächstermine anbot. Die Hotel-Geschäftsführung teilte mit, sie habe der Gewerkschaft bereits am 21. Januar drei Terminvorschläge gemacht. Die NGG habe aber nicht geantwortet.

Gewerkschaft fordert "armutsfeste Löhne" fürs Gastgewerbe

Die Gewerkschaft fordert, dass für die Angestellten auch weiterhin der Entgelttarifvertrag des Thüringer Gastgewerbes gilt. Die Mitarbeiter waren bis zum Verkauf an die Ahorn-Gruppe Anfang Dezember 2018 tarifgebunden beschäftigt gewesen. Ein Koch mit Vollzeitstelle erhält laut dem Tarifvertrag einen Stundenlohn von 10,08 Euro. Das bleibt zwar auch weiterhin so, doch ohne Vertrag erhalten die Oberhofer Beschäftigten laut NGG keine automatischen Erhöhungen mehr. Für solch eine Aufstockung setzt sich die Gewerkschaft gerade ein: "Wir fordern armutsfeste Tariflöhne, das bedeutet mindestens 12,40 Euro pro Stunde", sagte Gewerkschaftssprecher Jens Löbel dem MDR THÜRINGEN. Die NGG hatte den bisherigen Entgelttarifvertrag in Thüringen daher gekündigt und will neu mit dem Arbeitgeberverband DEHOGA verhandeln.

Mitarbeiter streiken vor Panorama-Hotel Oberhof
Warnstreik am Panorama-Hotel: Die Beschäftigten fordern verbindliche Tarifverträge. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Mit Blick auf den aktuellen Mangel an Arbeitskräften sei es unverständlich, dass sich gerade das größte Haus in Oberhof einer Tarifbindung entziehe, sagte Löbel. Mit der Übernahme im Dezember vorigen Jahres wurde den Mitarbeitern schriftlich mitgeteilt, dass die Ahorn Hotel Oberhof Betriebs GmbH nicht tarifgebunden ist und die Mitarbeitern künftig keinen Tariflohn erhalten. Im Panorama-Hotel Oberhof sind derzeit rund 70 Mitarbeiter beschäftigt.

Laut NGG werden auch andere Ahorn-Mitarbeiter nicht nach Tarif entlohnt. So beschäftige auch das Ahorn-Berghotel in Friedrichroda im Kreis Gotha seine rund 100 Mitarbeiter ohne Tarifbindung. Das Hotel gehört bereits seit 1999 zur Ahorn-Gruppe. Gewerkschafter kritisieren seit langem eine generell niedrige Tarifbindung und den hohen Anteil an Minijobbern im Gastgewerbe.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Januar 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2019, 18:32 Uhr

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10 Kommentare

23.01.2019 08:52 Brotteröder 10

Wir Steuerzahler bauen euch ein schönes Stadtzentrum ins Dorf und eine neue Protzanlage für die Bundeswehr-Profis an den Rennsteig und nun das. Was würde nur euer Entdecker W. Ulbricht dazu sagen?
Oberhof bleibt halt Oberhof, trotz der vielen sinnlosen Millionen!!!
Vieleicht hat der schlechte Ruf der Hotels auch was mit der erbärmlichen Bezahlung zu tun? Wer weiß.
Den Walter können wir nicht mehr fragen...

23.01.2019 08:02 martin 9

@6 bingo: Sie schreiben: "Im öffentlichen Dienst kennt man solche Probleme nicht, ... um die Sicherheit der Arbeitsplätze muß man sich nämlich nicht kümmern." Dann empfehle ich mal das Gespräch mit Angestellten in etlichen THüringer Kommunen zu suchen. Da werden Sie eine Reihe von Menschen finden, die das so nicht unterschreiben würden.

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