Winterspiele 2030 Olympia-Initiatoren aus Schmalkalden wollen nicht aufgeben

Autorenporträt Tino Geist
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Ein Jahr nach der Thüringer Olympia-Idee wollen die Initiatoren einen neuen Anlauf starten. Die Politik soll sich nach der Corona-Krise nochmal mit dem Thema beschäftigen. Geht es nach den Initiatoren, ist die Vision, die Olympischen Winterspiele 2030 unter anderem in Thüringen auszurichten, damit noch nicht vom Tisch. Allerdings stehen die Chancen dafür sehr gering.

Es war der 19. November 2019: Erst spät am Vortag landete eine E-Mail mit einer Einladung für eine Pressekonferenz in Schmalkalden in den Postfächern der Journalisten. Worum es dabei gehen sollte, klärte sich noch in der Nacht. Über die Deutsche Presse-Agentur wurde eine Meldung verbreitet, die später sogar Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) dazu veranlasste, zweimal auf den Kalender zu schauen. Nein, es war nicht der 1. April. Und nein, der Vorschlag sollte ernst gemeint sein. Die Olympischen Winterspiele sollten im Jahr 2030 in Thüringen stattfinden.

Pressekonferenz mit Aufsehen

Die schnell einberufene Pressekonferenz in den Räumen einer Bank in Schmalkalden wurde zum Sammelplatz verdutzter Journalisten, die nicht so recht wussten, ob sie hier gerade über einen schlechten Witz oder etwas ganz Großes berichten.

An den Mikrofonen nahmen Mike Helios, der Sprecher der VR-Bank Bad Salzungen/Schmalkalden, der Schmalkalder Bürgermeister Thomas Kaminski (parteilos) und Ex-Biathlon Bundestrainer Frank Ullrich Platz. "Es ist keine Schapsidee", sagte Mitinitiator Mike Helios auf die Nachfrage eines Journalisten. Die Idee der Initiatoren: Es sollten andere Spiele werden. Nach den Vorstellungen sollten für die Olympischen Spiele hauptsächlich bereits vorhandene Sportstätten genutzt werden. So sollten unter anderem die Biathlon-Wettbewerbe in Oberhof stattfinden. Dazu wären weitere Austragungsorte in Mitteldeutschland und darüber hinaus gekommen. Sogar Info-Material, Flyer und eine Website gab es. All das sollte später noch für reichlich Diskussionsstoff sorgen. Fest stand aber: Die Thüringer Olympia-Idee war in der Welt.

Gewaltiges Medienecho

Das Handy von Mitinitiator Mike Helios stand nicht mehr still. Die Reaktionen konnten unterschiedlicher kaum sein. Vor allem die Sportverbände und ihre Funktionäre hat die Thüringer Olympia-Idee kalt erwischt. Denn auch sie erfuhren größtenteils aus der Presse davon. "Dieser Vorstoß ist weder mit den Wintersportverbänden noch mit dem DOSB abgestimmt. Ich höre davon zum ersten Mal. Es kann nicht sein, dass sich jeder, wie er will, für Olympia bewirbt", sagte zum Beispiel Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbands Deutschland (BSD) in einem dpa-Interview. Ex-Biathlon Bundestrainer Frank Ullrich reagierte fast schon euphorisch und voller Tatendrang. Er habe schon als Kind von so etwas geträumt, sagte Ullrich in die Mikrofone auf der Pressekonferenz.

Rechtsstreit mit dem DOSB

Vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) bekamen die Initiatoren um Mike Helios und Hannes Hofmann, ein Publizist aus Schmalkalden, sogar eine Unterlassungserklärung zugestellt, weil sie Olympische Symbole widerrechtlich verwendet haben sollen. Diese fanden sich auf der besagten Website und in den Infoflyern wieder. Die Unterlassungserklärung wurde nach Angaben von Mike Helios mittlerweile unterschrieben, allerdings "stark modifiziert", wie er sagt. Kritik gab es auch daran, dass die Initiatoren ihre Vision mit einer Bank im Hintergrund auf den Weg brachten. Eine Bank, die unter anderem schon mehrfach im Sportbusiness für Aufsehen sorgte. Unter anderem mit der Verpflichtung des Ex-Bundesliga-Profis Stefan Effenberg.

Unverhoffte Aufmerksamkeit für Fachwerkstadt Schmalkalden

Die Diskussion um die Olympia-Initiative führte zumindest für Schmalkalden zu unverhofften Presseberichten. Die Stadt, die eigentlich keine Wintersporthochburg ist, stand als Ortsmarke in jedem Bericht. Rückblickend, sagt Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski, würde er es genauso wieder tun. Denn die Stadt hat offenbar von der Aufmerksamkeit rund um die Olympia-Vision profitiert. Kaminski sagte MDR THÜRINGEN, ähnliche Aufmerksamkeit habe der Erdfall vor gut zehn Jahren ausgelöst. Für ihn sei das ein Ereignis gewesen, das Sorgen bereitet. Trotzdem wurde die Stadt deswegen international wahrgenommen. Auch die Olympia-Idee habe eine solche Marke gesetzt. Er bewerte das als sehr positiv.

Thüringer Olympia-Bewerbung: Wie geht es jetzt weiter?

In der Corona-Krise ist die Diskussion um die Thüringer Olympia-Bewerbung abgeflacht. Vor einem Jahr undenkbar, aber heute Realität: Auch die Stadt Schmalkalden hat aktuell andere Probleme, als sich mit einer Olympia-Bewerbung zu beschäftigen. Trotzdem soll es das noch nicht gewesen sein mit der Vision der Initiatoren. Wie Sprecher Mike Helios MDR THÜRINGEN sagte, soll sich die Politik nach der Corona-Krise nochmal mit dem Thema beschäftigen. Ziel ist es, die Ministerpräsidenten von Thüringen, Sachsen und Bayern zum gemeinsamen Gespräch zu bewegen. "Wir hoffen auf die Unterstützung der Ministerpräsidenten", sagt Mike Helios und ergänzt: "Ja, es ist möglich."

Thüringer Sportministerium lehnt ab

Steigt Thüringen also doch noch auf die ganz große Olympia-Bühne? Wohl kaum. Ein Sprecher des Thüringer Sportministeriums sagte auf Anfrage, zu der Initiative aus Schmalkalden sei alles gesagt. Schon vor einem Jahr hatte Sportminister Helmut Holter (Linke) zurückhaltend reagiert. Holter sagte damals, es sei besser, sich auf eine erfolgreiche Austragung der Doppel-WM im Biathlon und Rennrodeln im Jahr 2023 in Oberhof zu konzentrieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. November 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Matthi vor 8 Wochen

In Zeiten wo alle an Umweltschutz denken und es regelmäßig Demos gibt ist die Idee olympische Winterspiele indiskutabel. Thüringen hat gar nicht die Schneesicherheit, wenn man überlegt wieviel Strom und Wasser alleine für Schneekanonen gebraucht wird dazu die vielen LKW Ladungen Schnee. Die wenigsten Länder die Olympia ausgerichtet haben konnten mit einen finanzplus aus den Spielen gehen also wer soll die kosten Tragen der Bürger über Steuern?

Guter Schwabe vor 8 Wochen

@Monazit: Die Landräte oder Minister fragen doch in der jetzigen Zeit auch nicht die Bevölkerung. Warum sollen sie das dann bei einer Bewerbung für die Spiele.

Monazit vor 8 Wochen

Eine Bewerbung sollte mit dem Segen der Bevölkerung stehen oder fallen. Wenn die Bevölkerung dahinter steht - warum nicht. Kleine schnuckelige Spiele jenseits der Gigantismus wie z.B. in Sotchi würden den Olympischen Spielen mal gut tun. Lillahammer hat auch keine 30000 Einwohner.

Wenn die Bevölkerung aber nicht komplett dahiner steht, dann sollte auch kein selbstverliebter Landrat oder Minister eine Bewerbung durchpeitschen.

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