Oberhof 50 Jahre und bald ein bisschen neuer: "Panorama"-Hotel erlebt eine Renaissance

7. Oktober 1969: Auf den Tag genau vor 50 Jahren wurde das traditionsreiche Panorama-Hotel in Oberhof eröffnet. Das Haus hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Als nobles Interhotel der DDR erreichte es weltweite Bekanntheit. In den letzten Jahren aber wurde immer wieder über ein mögliches Aus für das "Pano" spekuliert. Seit dem Jahreswechsel hat das Hotel nun einen neuen Eigentümer. Es geht wieder bergauf.

Autorenporträt Tino Geist
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

von Tino Geist

Es war einmal das erste Haus am Platz. Die Prominenz aus Ost und West gab sich jahrelang im "Panorama" in Oberhof die Klinke in die Hand. Diese Zeiten sind vorbei. Das musste auch die neue Hoteldirektorin Jacqueline Schambach schnell feststellen. "Damals war das Haus ja tatsächlich eine Nobelherberge. Dieses und ganz viel von dem, was damals war, habe ich nicht mehr gefunden, als wir das Haus im Dezember übernommen haben. Es war schon an manchen Stellen auch traurig, was wir übernommen haben“, sagt Schambach mit nun zehn Monaten Abstand.

Die Übernahme sei ein Irrsinn gewesen sagt sie heute, denn das Haus wechselte im laufenden Betrieb die Eigentümer. "Wir haben die Gäste aber von Anfang an mitgenommen. Ihnen gesagt, dass es noch viel zu tun gibt. Und die meisten haben das auch verstanden. Weil sie auch gesehen haben, dass sich etwas tut im Panorama." Und das war auch nötig, denn das Hotel stand kurz vor dem Aus. Oberhofs Bürgermeister Thomas Schulz (Freie Wähler) ging vom Schlimmsten aus. "Ich bin fest davon ausgegangen, dass dieses Haus schließt. Alle Parameter sprachen einfach dafür. Die Gäste wurden immer weniger. Dafür häuften sich die Beschwerden. Umso dankbarer bin ich, dass es einen Käufer gefunden hat. Und auch, dass der frühere Eigentümer das Haus nicht geschlossen hat, sondern im laufenden Betrieb übergeben hat", sagt Schulz, der früher selbst fünf Jahre lang als Techniker im Panorama gearbeitet hat.

Mehrere Millionen Euro in Panorama-Hotel Oberhof investiert

Seit dem Verkauf des Oberhofer "Panorama"-Hotels hat der neue Eigentümer mehrere Millionen Euro investiert. Laut Geschäftsführer Michael Bob, flossen bisher allein etwa eine Million Euro in den Umbau des Traditionshauses. Zudem hat der Kauf einen hohen einstelligen Millionenbetrag gekostet. Bob hat mit seiner Gruppe AHORN Hotels & Resorts bereits Erfahrung mit solchen Häusern. Unter anderem gehört auch das AHORN Berghotel in Friedrichroda zur Hotelkette. Jacqueline Schambach hat das Hotel 17 Jahre lang erfolgreich mitgestaltet. Nun warten in Oberhof neue Aufgaben auf sie.

Panorama-Hotel in Oberhof von außen
Weithin bekannt durch seine auffällige Architektur: Die Form des Hotels soll an Skisprungschanzen erinnern. Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Urlaub für Familien im mittleren Preissegment, darauf hat sich die AHORN Gruppe spezialisiert. Stück für Stück soll das neue Konzept auch im Panorama-Hotel umgesetzt werden. Michael Bob hatte beim alten Eigentümer persönlich Interesse am Panorama bekundet. "Ich habe ihn angerufen und gesagt, dass wir uns mal zusammensetzen sollten. Eigentlich innerhalb von zwei Wochen sollte ich eine Antwort bekommen. Er rief mich aber schon am nächsten Tag zurück." Vom schlechten Zustand des Hotels hat sich Bob bei den folgenden Verhandlungen nicht abschrecken lassen: "Dieses Haus ist in seiner Architektur einzigartig. Es ist wirklich etwas sehr Besonderes und hat mich schon früher fasziniert. Ich habe auch vor einigen Jahren schon mal hier übernachtet und habe schon damals gesehen, dass in dem Haus enorm viele Mängel waren. Aber ich habe das Potential gesehen."

Hotel mit Streichelzoo und Kino

Mittlerweile ist im "Panorama" viel passiert. Etwa drei Viertel der 488 Zimmer sind bereits renoviert. Bis Jahresende sollen alle fertig sein. Die Mitarbeiterzahl stieg von 70 auf knapp 100. Auch die Gästezahlen steigen nach Angaben der Betreiber wieder. In den Herbstferien ist das Hotel fast ausgebucht. Das Restaurant wurde modernisiert. Ein Streichelzoo, ein Fußballfeld und ein Kino wurden gebaut. Mittlerweile liegt das Panorama bei den Gästebewertungen im Internet wieder bei über 80 Prozent Weiterempfehlung. Nach Angaben der Betreiber, fast doppelt so gut wie vor einem Jahr.

Trotzdem muss in Zukunft weiter investiert werden. Denn nur auf den alten Charme will man sich in Oberhof nicht verlassen, sagt Hoteldirektorin Jacqueline Schambach: "Was ist der Mythos Panorama? Man kann es nicht festmachen an einer bestimmten Veranstaltung, man kann es nicht an einem Raum festmachen. Aber das Panorama als solches ist aufgrund seiner Optik bekannt und das wird es auch bleiben. Aber die Ausrichtung des Hauses wird sich den Häusern unserer Kette anpassen."

Gefeiert wird das runde Jubiläum im November. Und aus 50 Jahren "Panorama" gibt’s dann sicher Einiges zu erzählen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2019, 11:49 Uhr

6 Kommentare

Udo vor 5 Wochen

Ich kann bestätigen, dass man sich im Ahorn-Panorama-Hotel wirklich wohl fühlen kann.
Inzwischen habe ich wiederholt dort für mehrere Tage entspannt und konnte die Fortschritte selbst erkennen.

part vor 6 Wochen

Richtig erkannt Herr Merseburger, doch manche Generalsekretäre erkennen nicht mal den Balken im eigenen Auge weil sie es selbst nicht erleben durften und mit der Märchenpresse sozialisiert wurden. Als absteigender Ast und Wessiimport holen sie nun wieder die ganz große Keule aus dem Keller ohne jegliche Kenntnisse von Völkerrecht und weiter bestehenden Errungenschaften.

Nawienn vor 6 Wochen

Ja Herr Merseburger,Sie haben das genau durchschaut,denn die
Erungenschaften von vor 50 Jahren, kann ja Bodo nicht für sich
vereinnahmen, aber den "Unrechtsstaat" zu leugnen kann,
nur einer der in diesem "NIE" gelebt hat.
Ich hoffe diese verhohlene Heuchlerei hat endlich den
letzten gezeigt,welch Geistes Kind dieser MP ist.
Einen schönen Abend noch...

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