Blick in den Gerichtssaal
Sollten die Vorwürfe stimmen, haben die sechs Kinder der Familie M. die Hölle erlebt. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Landgericht Meiningen Prozess: Unfassbare Vorwürfe gegen Ehepaar aus Südthüringen

Zweiter Verhandlungstag im Missbrauchsprozess: Angeklagt ist ein Ehepaar aus Südthüringen - wegen sexuellen Missbrauchs. Eine LKA-Beamtin belastetete am Dienstag den Vater schwer: Er habe zwei seiner Söhne mehrfach sexuell missbraucht. Die Mutter soll laut Anklage davon gewusst haben. Unklar ist momentan noch, ob möglicherweise neben den beiden Jungen auch die anderen leiblichen Kinder missbraucht worden sind.

von Bettina Ehrlich

Blick in den Gerichtssaal
Sollten die Vorwürfe stimmen, haben die sechs Kinder der Familie M. die Hölle erlebt. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Zu Beginn des zweiten Prozesstages am Meininger Landgericht hat eine Vernehmungsbeamtin des Thüringer Landeskriminalamtes ausgesagt. Sie berichtete von schwerem Missbrauch an mindestens zwei Söhnen, die zum Zeitpunkt der Taten noch im Grundschulalter waren. Nach den Vergewaltigungen soll der 45-jährige Ehemann die Kinder stundenlang in eine Kiste gesperrt haben. Die Kleinen sollen sich der Mutter anvertraut haben, sie habe jedoch nichts getan, um ihre Kinder zu schützen, wirft ihr die Anklage vor.

Junge Mutter mit ihren Zwillingen offenbar entführt

Ans Tageslicht sind diese Vorwürfe erst gekommen, als die Polizei das Paar verdächtigte, im vergangenen Jahr eine junge Mutter aus Schmalkalden entführt zu haben. Die Frau ist leicht geistig gehandicapt und lebte mir ihren beiden Säuglingen in einem Mutter-Kind-Haus. Die Angeklagten gaben vor, Kindersachen für sie zu haben. Offenbar sehr gutgläubig ist die Frau mit ihnen mitgegangen und war nach Angabe der Staatsanwaltschaft zwei Wochen lang in den Fängen der Verdächtigen. Irgendwann, so sagt es die Vernehmungsbeamte, hatte sie jedoch Mut gefasst und ist weggelaufen. Kurze Zeit später wurde die Frau mit ihren beiden Babys auf der Werrabrücke in Ritschenhausen aufgegriffen und in Sicherheit gebracht.

Angeblich Menschenhandel geplant

Sie sollte, so heißt es in der Anklageschrift, an einen Menschenhändler verkauft werden. Die Ermittler haben auf dem Computer des Angeklagten einen entsprechenden Chat gefunden. Der vermeintliche Menschenhändler gab vor, mit einem Clan in Gambia in Kontakt zu stehen. Immer wieder habe er glaubhaft machen können, dass er die Frau nach Afrika verschwinden lassen könne, beschreibt die LKA-Beamtin dem Gericht die unfassbaren Pläne des Ehepaares. Denn auch die Mutter sei sehr wohl verwickelt gewesen. So habe sie dem angeblichen Sklavenhändler berichtet, dass die Frau ihre Regel habe und deshalb gebärfreudig sei.

Ermittlungen bis nach Sachsen

Wie die Ermittler herausfanden, hatte der Chatpartner aus Sachsen jedoch zu keiner Zeit irgendwelche Verbindungen zu Menschenhändern. Das alles war für ihn offenbar lediglich ein Fetisch. Auch er muss mit einem Verfahren rechnen. Die Meininger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann. Ob und wo ein Prozess stattfinden soll, steht aber noch nicht fest.

Ermittler rechneten mit dem Schlimmsten

Im Nachhinein hatte die junge Mutter aus Schmalkalden offenbar großes Glück. Was wäre mit ihr passiert, wenn sie nicht davongelaufen wäre? Die LKA-Ermittlerin jedenfalls habe mit dem Schlimmsten gerechnet, sagte sie aus. Der Angeklagte war ihren Angeben zufolge bis 2016 in verschiedenen Internet-Foren unterwegs. Darin hatte er mehrfach nach Sexsklaven gesucht, die er später auch kannibalisieren und abschlachten wollte.

Mutmaßliche Opfer müssen nicht aussagen

Dem mutmaßlichen Entführungsopfer bleibt im Prozess eine Aussage erspart. Der Angeklagte hat über seinen Anwalt sämtliche Vorwürfe aus der Anklageschrift eingeräumt. Aus diesem Grund verzichtete das Gericht darauf, die Frau in den Zeugenstand zu rufen. So bleibt es auch den beiden Jungen erspart, im Prozess aussagen zu müssen.

Unklar ist momentan noch, ob möglicherweise neben den beiden Jungen auch die anderen leiblichen Kinder missbraucht worden sind. Zumindest bei der ältesten Tochter sind bei der medizinischen Untersuchung entsprechende Hinweise gefunden worden. Sollten die Vorwürfe stimmen, haben die sechs Kinder der Familie M. die Hölle erlebt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. Juni 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2019, 17:48 Uhr

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