Platz mit Mikro im Gerichtssaal
Das Gericht will am Dienstag ein Urteil fällen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Missbrauchsprozess Meiningen: Achtjähriges Opfer sagt vor Gericht aus

Der Prozess um einen Kindesmissbrauch in Meiningen hätte nach zwei Tagen zu Ende sein können. Doch nachdem der Angeklagte sein Geständnis vom ersten Verhandlungstag widerrufen hatte, wurden weitere Verhandlungstage nötig. Die Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin, die der 35-Jährige laut Anklage zweimal missbraucht hatte, musste vor Gericht aussagen.

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

von Cornelia Hartmann

Platz mit Mikro im Gerichtssaal
Das Gericht will am Dienstag ein Urteil fällen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das öffentliche Interesse an diesem Verfahren ist inzwischen groß. Fast 100 Zuschauer verfolgten am Dienstag den Prozess. Während der Vernehmung des heute achtjährigen Mädchens mussten alle den Saal verlassen. Auch der Angeklagte. Das Kind hatte Angst, in seiner Gegenwart befragt zu werden, hieß es zur Begründung.

Danach war die Verhandlung wieder öffentlich. Als die persönlichen Lebensumstände des Angeklagten erörtert wurden, auch die Beziehungen und sexuellen Vorlieben, durften alle zuhören.

Danach wurde ein psychiatrischer Sachverständiger zur Schuldfähigkeit gehört.

Der Gutachter attestierte dem Angeklagten, bei dem auch 3.000 kinderpornografische Bilder gefunden wurden, eine pädophile Neigung. Seine Einsichts- und Schuldfähigkeit seien aber nicht beeinträchtigt, so der Sachverständige.

Familie wird bedroht

Nach Geständnis und Widerruf hatte der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung am Dienstag die Vorwürfe wieder eingeräumt. Das Verfahren hat inzwischen auch Konsequenzen für die Familie des 35-Jährigen, sagt seine Anwältin. Die Familie werde angefeindet, im Internet, aber auch im Wohnort. Am Haus würden beleidigende Plakate aufgehängt. Selbst Kinder aus dem familiären Umfeld des Angeklagten würden nicht verschont.

Solche Anfeindungen helfen weder Opfer noch Täter, sagt die Anwältin. Einem Täter falle es dann noch schwerer, sich in einem Gerichtssaal öffentlich zu seinem Fehlverhalten zu bekennen. Und die heute Achtjährige werde sich auch in einigen Jahren noch als Missbrauchsopfer im Internet finden.

Das Meininger Landgericht will am Dienstag in einer Woche sein Urteil verkünden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 06. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2019, 20:35 Uhr

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