Rodelbahn Oberhof
Ein Rennrodler auf der Bahn in Oberhof (Archivbild). Bildrechte: IMAGO

Thüringer Schlittenträume Was die Rodel-WM 2023 für Oberhof bedeutet

Als am letzten Februar-Wochenende die Saison für die Rennrodel-Weltelite endete, ging für die Organisatoren des Weltcups in Oberhof der Countdown erst richtig los. Vier Monate banges Warten - bis im Juni der Rodelweltverband FIL im slowenischen Ljubljana darüber entscheidet, ob Thüringen im Jahr 2023 die Weltmeisterschaften ausrichten darf. Für den Standort Oberhof eine große Chance, aber auch eine Verpflichtung.

von Sascha Mönch

Rodelbahn Oberhof
Ein Rennrodler auf der Bahn in Oberhof (Archivbild). Bildrechte: IMAGO

Sie haben getan, was sie konnten: Trotz wechselhaften Wetters eine Super-Bahn hingestellt, insgesamt 8.000 Zuschauer an den Eiskanal an den Fallbächen gelockt, die für stimmungsvolle Wettbewerbe sorgten und die Politprominenz des Landes eingeflogen, um Geschlossenheit und Rückhalt zu demonstrieren. Zum Weltcup Anfang Februar präsentierten die Oberhofer Organisatoren sich als die gewohnt guten Gastgeber. Sogar sportlich kam man den Gästen aus aller Welt entgegen - etwa, indem man bei den Männern zum ersten Mal seit 16 Jahren das Podium komplett der nicht-deutschen Konkurrenz überließ. Keine Frage: Oberhof kann Rennrodeln, und Oberhof kann auch eine Rennrodel-Weltmeisterschaft. Schließlich hat man das 1973, 1985 und 2008 schon bewiesen. Dennoch hat Oberhof die WM 2023 noch lange nicht sicher.

Hausbahn der Deutschen

Dabei könnte ausgerechnet die Dominanz der deutschen Mannschaft zum Problem werden. Oberhof gilt als die deutsche Hausbahn schlechthin. In der technisch anspruchsvollen und vergleichsweise kurzen Eisrinne können die Lokalmatadore ihre Stärken vor allem am Start und beim Material voll ausspielen. Oft genug war das Siegertreppchen - wie erst jüngst in der Damenkonkurrenz beim Weltcup - vollständig in schwarz-rot-goldener Hand. Das wiederum dürfte bei einigen der Delegierten beim FIL-Kongress im Sommer in Ljubljana wenig Lust wecken, die Titelkämpfe ausgerechnet hierher zu vergeben. Zumal das dann bereits die vierte WM auf deutschem Boden innerhalb von elf Jahren wäre.

Rodelbahn muss modernisiert werden

Außerdem ist der Eiskanal am Rennsteig ziemlich in die Jahre gekommen und benötigt dringend eine Frischzellenkur. Am dringendsten benötigt wird eine zweite Bahnstraße. Aktuell gibt es nur eine einzige asphaltierte Strecke, die vom Ziel entlang der 14 Kurven nach oben führt. Auf ihr werden die Rodler an den Start und die Bahnarbeiter an ihre Einsatzstellen gebracht. Wenn aber wie zuletzt beim Weltcup bis zu 4.000 Besucher an einem Tag ebenfalls diese Straße als Fußweg entlang der Bahn nutzen, sind teils abenteuerliche Begegnungen vorprogrammiert. Eine zweite Strecke könnte diese Situation erheblich entspannen.

Aber auch an der Bahn selbst muss in der einen oder anderen Kurve Hand angelegt werden. Die Bausubstanz ist schließlich zum Teil fast 50 Jahre alt, die letzte größere Renovierung gab es vor über zehn Jahren im Vorfeld der WM 2008. "Wir können nicht tatenlos zusehen, wie uns die Bahn zerfällt", deshalb auch der etwas drastische Hilferuf von Andreas Minschke, Präsident des Thüringer Bob- und Schlittenverbandes. Und nicht zuletzt gilt es auch die Energiebilanz in den Griff zu bekommen. Aktuell verschlingt die zeitweise Kühlung der Anlage Unsummen - konkrete Beträge sind kaum in Erfahrung zu bringen.

Finanzierung steht - unter Vorbehalt

In Oberhof und auch in Erfurt hat man diese Probleme längst erkannt. Die Landesregierung möchte gerne 25 Millionen Euro investieren, um die Rodelbahn in Oberhof auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Und betont dabei immer wieder, dass es dabei nicht nur um die WM 2023 gehe, sondern vor allem darum, die Zukunft des Rennrodelsports in Thüringen zu sichern. Von den rund 23.000 Fahrten pro Jahr auf der Bahn entfällt schließlich nur knapp die Hälfte auf den Leistungssport. Den größeren Anteil machen Nachwuchs- und Breitensport mit Vereinen aus der gesamten Region sowie touristische Angebote aus. Die Crux dabei: Ein Teil dieser Investitionen soll aus Bundesmitteln gestemmt werden, von sechs Millionen ist die Rede. Die wiederum fließen aber nur, wenn Oberhof die WM 2023 auch tatsächlich bekommt. Insofern wird die Vergabe-Entscheidung im Sommer ein Stück weit auch zur Schicksalsfrage für den Thüringer Rodelsport.

Nachwuchs in den Startlöchern

Rennrodlerin Dajana Eitberger
Olympia-Silbermedaillen-Gewinnerin Dajana Eitberger könnte die Rodel-WM 2023 als krönenden Karriere-Abschluss nutzen (Archivbild). Bildrechte: IMAGO

Denn starken Nachwuchs wird es brauchen in den Jahren nach der WM. Aus der aktuellen Thüringer Rodelgilde dürften einige dann schon gar nicht mehr dabei sein - wie etwa Team-Olympiasieger Johannes Ludwig. Andere, wie Olympia-Silbermedaillen-Gewinnerin Dajana Eitberger oder das Weltmeister-Doppel Toni Eggert und Sascha Benecken, könnten die WM auf heimischer Bahn als krönenden Karriere-Abschluss nutzen.

Die Generation danach steht durchaus schon in den Startlöchern - etwa in Person von Max Langenhan aus Friedrichroda, der in dieser Saison seinen ersten Heim-Weltcup erlebte. Und auch in der Junioren-Trainingsgruppe von Karsten Albert tummeln sich einige Hoffnungsträger, die vielleicht schon 2023, aber auf jeden Fall darüber hinaus von sich reden machen können. Dass es solche Talente auch in den Jahren danach noch gibt - dafür wäre diese WM enorm wichtig. Zugleich würde sie damit aber auch zur Verpflichtung für Oberhof - 25 Millionen Fördergeld mit sportlicher Zukunft zurückzuzahlen.

Nochmals: Was die Oberhofer tun konnten, das haben sie getan. Selbst FIL-Präsident Josef Fendt zeigte sich gebührend beeindruckt und gesteht Oberhof gute Chancen zu, die Titelkämpfe zu bekommen. Schon allein deshalb, weil nach aktuellem Stand Oberhof der bislang einzige Bewerber ist. Das aber muss nicht zwingend so bleiben: Bis Ende März haben potenzielle Konkurrenten wie das schweizerische St. Moritz noch Zeit, ihren Hut in den Ring zu werfen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2019, 11:17 Uhr

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6 Kommentare

26.02.2019 13:16 Schuchert 6

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25.02.2019 20:03 Petra Stein 5

Und wie sieht es mit dem ÖPNV aus? Wird das Rondell wieder angefahren werden? Was ist mit der Bahnstrecke durch den Thüringer Wald? Wird das Busnetz endlich mal vertaktet statt weiter ausgedünnt?

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