Gefahrgutzug der Feuerwehr im Einsatz Umschlag mit "Sarin"-Aufschrift und Ampullen bei Polizei Meiningen abgegeben

Ein Umschlag mit der Aufschrift "Sarin" hat am Montag bei der Polizei in Meiningen für Aufregung gesorgt. Der Umschlag war im Gebäude der Polizeiinspektion Schmalkalden-Meiningen abgegeben worden. Sarin ist ein chemischer Kampfstoff, der in geringsten Mengen tödlich ist. Nach Angaben der Suhler Polizei befanden sich in dem Umschlag, der alt sei und in Deutsch und Kyrillisch beschriftet sei, mehrere Ampullen mit einer kristallinen Substanz. Ein Mann und seine Mutter hätten den Umschlag am Morgen vor einer Garage in mehreren hundert Metern Entfernung gefunden und zur Polizei getragen.

Gefahrgutzug der Feuerwehr im Einsatz nach der Abgabe einer verdächtigen Sendung in der Polizei Meiningen.
Spezialisten der Feuerwehr im Einsatz nach der Abgabe einer verdächtigen Sendung in der Polizei Meiningen. Bildrechte: MDR/Steffen Ittig

Das Polizei-Gebäude wurde geräumt und der Gefahrgutzug der Feuerwehr gerufen. Die Feuerwehrleute stellten zunächst fest, dass der Inhalt der Sendung nicht radioaktiv ist. Auch ein Test auf Kampfstoffe durch Experten vom Kampfmittelräumdienst ergab ein negatives Ergebnis.

Die Feuerwehr baute eine sogenannte Dekontaminationsstrecke auf, die vier Personen durchlaufen mussten - die beiden Finder und zwei Polizeibeamte. Um 15 Uhr konnte das Gebäude dann wieder betreten werden.

Stichwort: Was ist Sarin? Das Nervengas Sarin wird zu den giftigsten Kampfstoffen gezählt, die neben Tabun, Soman und VX je hergestellt wurden. Über die Atemwege und die Haut aufgenommen, kann die Phosphorverbindung binnen weniger Minuten zu Atemlähmung und Herzstillstand führen. Bereits ein Milligramm Sarin kann tödliche Folgen haben. Ende der 1930-er Jahre haben deutsche Chemiker das Gas als Insektenvernichtungsmittel entwickelt und später als Kampfstoff im zweiten Weltkrieg produziert - jedoch nie eingesetzt.

Die Streitkräfte vieler Länder verfügen heutzutage über Sarin. So auch Syrien, wie das Institut für strategische Studien in London befürchtet. Seit den 1970er Jahren sollen dort große Mengen Chemiewaffen - darunter auch das Giftgas - produziert worden sein, dass anschließend in die Hände von Terroristen gelangt sein könnte. Sarin wurde bereits 1995 bei einem Anschlag in Tokios U-Bahn eingesetzt. Die Aum-Sekte tötete dadurch 13 Menschen, mehr als 6.000 wurden verletzt. Dem Giftgas entgegenwirken kann Atropin, ebenfalls ein Gift, was dem Betroffenen in hohen Dosen injiziert wird. Die Nachbehandlung kann mehrere Wochen andauern. Der Einsatz von Giftgas gilt bei bewaffneten Konflikten nach allen internationalen Konventionen als Kriegsverbrechen.

Der Vorfall erinnert an einen ähnlichen Mitte Januar in Erfurt: Damals waren Räume des Thüringer Landtags geräumt worden, nachdem eine Postsendung an AfD-Fraktionschef Björn Höcke untersucht worden war. Die Sendung stellte sich später als ungefährlich, aber widerlich heraus: Das Päckchen enthielt eine volle Windel mit Urin.

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 27. Januar 2020 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2020, 16:52 Uhr

2 Kommentare

MDR-Team vor 3 Wochen

Ja natürlich, vielen Dank für den Hinweis. Ist korrigiert.

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 3 Wochen

Das Antidot heißt Atropin, nicht Antropin.

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