Kultur im ländlichen Raum Gegen das Vergessen - Ein Villa-K-Projekt

Das Soziokulturelle Zentrum Villa K hat sich der Jugendkulturarbeit verschrieben. Ein Portät über ein Street-Art-Festival, welches jüdisches Leben zurück nach Schmalkalden bringen soll.

Arbeiten in einer Villa - inklusive eigenem Kino, Veranstaltungssaal und einem schönen Vorgarten. In Schmalkalden ist das möglich, denn dort steht die Villa K. Ein soziokulturelles Zentrum im sanierten Altbau.

Nachdem ich mich die alte Holztreppe nach oben geschlängelt habe, treffe ich im ersten Stock auf Michael Mönch und Phillip Schwabe. Micha, so scheint es, ist der alte Hase hier. Seit Jahren organisiert er alles rund um die Villa: Workshops, Jugendfreizeiten, Veranstaltungen. Er weiß, wie es geht und er kennt sie alle. Sein Wissen teilt er bereitwillig. Das ist wiederum gut für Philipp. Er ist seit einem Jahr dabei. Ursprünglich hat er als Dozent angefangen, mit den Jugendlichen gearbeitet. Jetzt ist er fest im Haus angestellt und könnte, so wirkt es, zukünftig vielleicht der neue Micha werden.

Philipp ist eigentlich Sound-Designer und von Berlin-Babelsberg zurück nach Schmalkalden, seine Heimatstadt, gezogen. Wenn er über die Arbeit mit den Jugendlichen spricht, wird sein beruflicher Backround schnell deutlich: Es geht um Podcasts, Hörspiele, Smartphone-Filme und App-Entwicklung. Die Jugendlichen abholen, wo sie stehen.

Wallcome – Street Art in Schmalkalden 2014

Und wo die Erfahrung und das Netzwerk von Micha auf das Know-how von Philipp trifft, entstehen neue Möglichkeiten. Auf Initiative des Bürgermeisters von Schmalkalden, Thomas Kaminski, wurde eine vergangene Veranstaltung wiederbelebt:

Ein Künstler auf einer Hebebühne sprayt auf eine Wand mit einer Skizze in der Hand und einer Schutzmaske und Helm auf.
Ein Künstler bemalt eine Wand auf dem "Wallcome"-Festival in Schmalkalden 2014. Bildrechte: Kulturverein Villa K. e.V.

Vor ungefähr sechs Jahren hatte Michael Mönch in Zusammenarbeit mit Björn Schorr ehemaliger Mitarbeiter in der Villa K., unter dem Namen „Wallcome“ berühmte Sprayer aus der ganzen Welt in die Kleinstadt geholt. Auf Initiative der Schmalkaldener Sprayer "Akut" und "Case", beide sind mit ihrer Kunst weltweit unterwegs, wurden während des Street-Art-Festivals Häuserwände bemalt, Diskussionsabende organisiert und die verschiedenen Kunstschaffenden über Monate medial begleitet.

„Gegen das Vergessen“ – jüdische Kultur meets Urban Art

Eine Bereicherung für die ganze Stadt, an die im Herbst wieder angeknüpft werden soll. Denn in erneuter gemeinsamer Arbeit mit Björn Schorr, mittlerweile Projektmanager bei der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Thüringen e.V., organisiert Philipp Schwabe ein zweites Street-Art-Festival in Schmalkalden. Der Titel: „Gegen das Vergessen“.

Im Herbst 2020 und im Frühjahr 2021 soll Urban Art mit der jüdischen Geschichte von Schmalkalden in Einklang gebracht werden, ganz im Zeichen des bundesweiten deutsch-jüdischen Festjahrs, das nächstes Jahr 1700 Jahre jüdisches Leben auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands feiert.

Auf einer Hebebühne steht ein Künstler vor einer Hauswand und malt an einer großen Figur, die sich über das ganze Haus ersteckt.
Beim "Wallcome"-Festival 2014 gestalteten verschiedene Kunstschaffende mehrere Hauswände. Bildrechte: Kulturverein Villa K. e.V.

Da es, so Philipp, kein aktives jüdisches Leben in Schmalkalden mehr gibt, werden Zeitzeugen und Nachfahren für das Projekt in die Stadt eingeladen. In einem Austausch mit den Sprayenden sollen mit Schmalkalden verknüpfte Geschichten erzählt und künstlerisch umgesetzt werden. In diesem Jahr werden dabei drei Wände bemalt, im nächsten werden zudem Sprayer aus Israel und der ganzen Welt eingeladen. Und dann werden auch die Jugendlichen in Schmalkalden mit in den Prozess einbezogen und die Gespräche in Form von Podcasts entwickelt und veröffentlicht. Ihr Ziel: Die Story hinter den Kunstwerken erlebbar machen, online und durch einen QR-Code auch direkt vor Ort. Zum Abschluss werden im kommenden Jahr die Menschen in Schmalkalden gemeinsam mit der ehemaligen jüdischen Gemeinde eingeladen, ein gemeinsames Begegnungsfest zu feiern.

30 Jahre Villa K - Jugendarbeit wird schwieriger

Ein großes Projekt, das passend zum 30-jährigen Jubiläum der Villa K. nächstes Jahr zelebriert. Es verbindet die bisherige Arbeit der Villa, vernetzt mit den Kunstschaffenden, die aus dem sozikulturellen Zentrum hervorgegangen sind, mit der politischen Vergangenheit der Stadt und den zeitaktuellen Problemen und Gedanken der Gesellschaft, über das Vehikel der Kunst.

Im Zentrum steht für die Villa K, damals wie heute, die Jugendarbeit. Die Jugendlichen langfristig für kulturelles Engagement zu motivieren, wird zunehmend schwieriger, sagt Philipp. Deshalb versuche er, immer neue Angebote zu schaffen, um so zu testen, welche Themen bei der Schmalkaldener Jugend angenommen werden.

Die Villa K und ihre Veranstaltung „Gegen das Vergessen“ ist eines von drei Projekten, die Kultur in regionalen Strukturen zu ihrer Aufgabe gemacht haben. Welche Herausforderungen und Schwierigkeiten ihnen dabei begegnen und warum sie dennoch vor Ort bleiben wollen, finden Sie hier:

Kulturschaffende sprechen über ihre Arbeit - Hier geht es zu den Videos:

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Quelle: MDR THÜRINGEN

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