Investor gegen Stadtrat Sanierung von Schützenhaus in Meiningen muss warten

Seit 1996 steht das Schützenhaus Meiningen leer. Der herrschaftliche Bau aus dem Jahr 1831 hat schon glorreichere Zeiten erlebt. Die Ehrhardt AG wollte das einzige in Meiningen noch erhaltene Gesellschaftshaus aus dem 19 Jahrhundert sanieren. Doch es kam anders.

von Bettina Ehrlich

Volkshaus in Meiningen
Schützenhaus in Meiningen: Bis 1996 war hier die legendäre Diele. Die Disco war seit den 1970er-Jahren Treff für Südthüringer Jugendliche. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Wilfried Erhardt verkauft normalerweise Autos. Als Vorstandsvorsitzender der Ehrhardt AG führt er auch das Autohaus, das nur einen Steinwurf vom Meininger Schützenhaus entfernt liegt. Und für dieses Gebäude hatte er große Pläne: "Wir wollten dort ein völlig neuartiges Autohaus für E-Autos einrichten", sagt er mit viel Bedauern in der Stimme. "Gerade bei der Elektromobilität spielen Gefühle eine große Rolle und mit unserem Konzept wollten wir etwas ganz Besonderes, etwas noch nie Dagewesenes schaffen." Auch eine Bar war geplant. Am Werra-Ufer sollte ein Strand für Open-Air-Konzerte entstehen.

Stadträte kritisch

Aber das Konzept des Unternehmers ging den Meininger Stadträten dann doch zu weit: Denn die Ehrhardt AG wollte zum Schützenhaus auch noch den kompletten Volkshausplatz erwerben. Den Platz, auf dem wochentags hunderte Pendler parken - ebenso wie die Besucher des nahegelegenen Theaters und des erst vor gut einem Jahr sanierten Volkshauses gleich daneben. Und zwar bisher alle kostenfrei.

Beim Volkshausplatz ist eine rote Linie überschritten

"Hier war für uns eine rote Linie, die wir nicht überschreiten konnten", sagt Bürgermeister Fabian Giesder (SPD). Er sei zwar enttäuscht, dass die Verhandlungen mit Ehrhardt am Ende gescheitert sind. Aber, sagt Giesder: "Die Stadt ist gut beraten, solche 'wichtigen Flächen' nicht aus der Hand zu geben". Auch die Stadt hat ein Interesse, künftig über die Höhe der Parkgebühren in Meiningen entscheiden zu können.

Ehrhardt kann die Sorgen der Stadträte nicht so ganz nachvollziehen. Klar wären auf der Fläche E-Ladesäulen entstanden, aber der größte Teil des Volkshausplatzes wäre weiter öffentlicher Parkplatz geblieben. "Was ist daran so schlimm, wenn man für eine Tageskarte zwei Euro bezahlt?" Und dann wird der Unternehmer noch ein wenig deutlicher. "Meiningen kann doch nicht erwarten, dass ein Investor mehrere Millionen Euro in so ein Haus steckt, im Gegenzug wird er dann aber so sehr beschnitten, dass das wirtschaftliche Konzept nicht mehr passt."

Parkplatz vor dem Volkshaus in Meiningen
Am Volkshausplatz sind die Verhandlungen schließlich gescheitert. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Keine schnelle Lösung in Sicht

Eine schnelle Lösung für das Schützenhaus wird es nun nicht geben. "Konzepte, die viel Geld kosten, gibt es jede Menge", sagt Bürgermeister Giesder. "Die Kunst sei es, aus dem Haus etwas zu machen, dass sich irgendwann von selbst trägt." Vielleicht könnte ein Restaurant einziehen und so das benachbarte Volkshaus wunderbar ergänzen. Auch ein Hotel sei denkbar. An Ideen fehlt es nicht.

Meiningen wird jetzt erst einmal alle Möglichkeiten für Fördermittel ausloten und die Sache vielleicht selbst in die Hand nehmen. Oder es meldet sich tatsächlich doch noch ein Investor. "Wer weiß, vielleicht spielt uns die Zeit in die Karten", so der Bürgermeister.

Bis sich tatsächlich etwas tut, wird die Stadt das Haus so gut wie möglich sichern. Obwohl es schon seit den 90er-Jahren leer steht, ist es laut Experten in einem erstaunlich guten Zustand. "Zumindest das lässt hoffen", sagt Giesder.

Volkshaus in Meiningen
Blick in das Schützenhaus. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. Januar 2020 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2020, 05:00 Uhr

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