Spielerinnen des VfB Suhl mit der "Prachtregion"-Gesäßwerbung des Landkreises Schmalkalden-Meiningen.
Der Werberat hat nun offiziell eine Rüge ausgesprochen. Die Trikotaufschrift reduziere die Sportlerinnen auf ihr Äußeres. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Meiningen Werberat rügt "Prachtregion"-Trikotwerbung der Suhler Volleyballerinnen

Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen sponsert die Suhler Volleyballerinnen mit einer Trikotwerbung, die umstritten ist und den Werberat auf den Plan rief. Am Mittwoch hat das Gremium den Landkreis offiziell gerügt. Die verantwortliche Landrätin reagiert mit Unverständnis.

Spielerinnen des VfB Suhl mit der "Prachtregion"-Gesäßwerbung des Landkreises Schmalkalden-Meiningen.
Der Werberat hat nun offiziell eine Rüge ausgesprochen. Die Trikotaufschrift reduziere die Sportlerinnen auf ihr Äußeres. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Werbespruch "prachtregion.de" auf den Trikots der Sportlerinnen vom Volleyballbundesligisten VfB 91 Suhl hat dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen eine öffentliche Rüge des Deutschen Werberats eingebracht. Der Sponsoring-Schriftzug ist auf den Hosen über dem Gesäß der Spielerinnen platziert. Damit werde die Aufmerksamkeit bewusst auf dieses Körperteil gelenkt, teilte das Selbstkontrollorgan der Werbebranche am Mittwoch mit. Die Frauen würden "auf ihr Äußeres reduziert" und eine "Sexualisierung von Sportlerinnen begünstigt" oder jedenfalls toleriert. Das Argument der Landrätin, die Werbung sei witzig gemeint, habe den Werberat nicht überzeugt:

Werbung darf doppeldeutig sein, Personen aber nicht herabwürdigen.

Der Deutsche Werberat zur Trikotwerbung "prachtregion.de"
Peggy Greiser, Kandidatin für Linke und SPD bei der Landratswahl im Kreis Schmalkalden-Meiningen am 15.04.2018
Die Landrätin von Schmalkalden-Meiningen, Peggy Greiser (pl). Bildrechte: Peggy Greiser

Landrätin Peggy Greiser hatte die Werbung schon während des Verfahrens als witziges Wortspiel bezeichnet und erklärt, dass die Suhler Volleyballerinnen "taffe Frauen und gestandene Leistungssportlerinnen" seien.

Am Mittwoch reagierte die ehemalige Leistungssportlerin mit Unverständnis auf die veröffentlichte Rüge. Sie sprach von einer "gravierenden Fehleinschätzung des Deutschen Werberates", der jegliches Augenmaß vermissen lasse.

Laut Landratsamt hätten die Spielerinnen selbst nichts gegen die Werbung an ungewohnter Stelle einzuwenden. Die Sponsorverträge würden uneingeschränkt bis Mitte des Jahres eingehalten. Schließlich seien sie durch einen Kreistagsbeschluss legitimiert.

Wenn jeder mehr oder weniger versteckte Hinweis auf geschlechterspezifische Reize künftig als Sexismus gebrandmarkt wird, brauchen wir über Werbefreiheit in Deutschland nicht mehr zu reden. Dann stehen wir kurz vor der Zensur.

Landrätin Peggy Greiser zur Rüge des Deutschen Werberats

Drei weitere Unternehmen, die ihre Anzeigen mit weiblichen Gesäßteilen gestalteten, wurden ebenfalls vom Werberat beanstandet. Insgesamt sprach der Werberat im vergangenen Jahr 16 öffentliche Rügen wegen des Verstoßes gegen den Werbekodex aus.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Januar 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 15:05 Uhr

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32 Kommentare

18.01.2019 13:52 Part 32

Schade um die vielen Reiskörner, die hier aus dem Sack gelaufen sind...

17.01.2019 22:08 HansKle 31

An dieser Stelle möchte ich mein Unverständnis ausdrücken, dass die Schlagzeilen bezüglich der beiden Werbeaktionen der Thüringer Volleyballvereine der Damen aus Erfurt und Suhl, die u.a. zur 1. Bundesliga gehören, in dieser Form doch nichts, aber auch gar nichts, mit Sexismus zu tun haben!

Die Spielerinnen beider Vereine hatten lediglich vor, mit einer etwas anderen untypischen Form die Zuschauergunst möglichst erhöhen zu wollen. Während nicht nur für mich besonders die Erfurter in keiner Weise einen Hang zum "Rotlichtmilieu" haben, befindet sich auch die Eigenwerbung der Suhler Damen doch nicht auf einem Slip oder String-Tanga, wo evtl. noch ein Reißverschluss zwischen den Schritten vorhanden ist, sondern auf einer jeweils breitgefächerten Hose, die nicht nur den jeweiligen unterschiedlich ausgefallenen Po vor blauen Flecken schützen sollen, sondern gleichzeitig eventuelle genüssliche Gedanken bei näherer Betrachtung sofort im Keime ersticken lassen.

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