Die Angeklagten mit ihren Anwälten im Gerichtssaal
Die Angeklagten mit ihren Anwälten im Gerichtssaal. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Landgericht Meiningen Prozess wegen sexuellen Missbrauchs

Vor dem Meininger Landgericht müssen sich ein 52-jähriger Mann und eine 37-jährige Frau wegen sexuellen Missbrauchs verantworten. Mehrfach soll der Mann ein Mädchen missbraucht haben. Zu Beginn der Übergriffe war das Kind sechs Jahre alt - die Frau soll die Kleine dazu gedrängt haben. Sie ist die Mutter der heute Zwölfjährigen.

von Cornelia Hartmann

Die Angeklagten mit ihren Anwälten im Gerichtssaal
Die Angeklagten mit ihren Anwälten im Gerichtssaal. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Die Angeklagten werden in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Als sie sich 2012 kennenlernten, gab der Mann der Frau gleich zu verstehen, dass er sich nicht für sie, sondern für ihre Töchter interessiere. Körperliche Kontakte zwischen beiden gab es nicht, sie bezeichnet ihn als ihren Vertrauten, als jemanden, der sich um sie und ihre Töchter kümmerte. Jemanden, der ihr Halt gab. Ihr Mann war früh verstorben.

Der 53-Jährige habe gesagt, er wolle sich wie ein Vater um die Kinder kümmern, da gehöre das sexuelle Zeug halt dazu. Seit 2012 musste eine der Töchter den Mann regelmäßig besuchen. 31 einzelne Fälle listet die Anklage auf. Es geht um schweren sexuellen Missbrauch, das heißt, es geht Übergriffe, die ein Kind besonders erniedrigen.

Die Mutter ist nicht etwa wegen Beihilfe angeklagt, sondern als Mittäterin. Sie hat die Übergriffe nicht nur geduldet, sie hat das Kind unter Druck gesetzt, wenn es nicht wollte, hat mit Stubenarrest oder Handyverbot gedroht. Und laut Anklage hat sie Geld bekommen, zwischen 30 und 50 Euro pro Übergriff. Das ist das Einzige, was die beiden bestreiten.

Schatten eines Kindes auf einer Schaukel.
Zu Beginn der Übergriffe soll das Mädchen gerade sechs Jahre alt gewesen sein. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Er habe der Mitangeklagten immer mal was zugesteckt, sagt der Mann. Aber niemals als Lohn für den Missbrauch. Sie bestätigt das. Dass sie bei der Polizei mal etwas anderes sagte, sei der Drucksituation geschuldet gewesen.

Alles andere räumen die Angeklagten ein. Es seien nicht ganz so viele Taten gewesen, aber im Prinzip stimmten die Anklagevorwürfe. Er wisse, dass man das nicht darf, sagt der 53-Jährige, aber als das Kind dann da war, habe er sich nicht zurückhalten können.

Der Mann ist vorbestraft. Weil er seine eigene Tochter missbrauchte, saß er im Gefängnis. Für ihn geht es in diesem Prozess auch um Sicherungsverwahrung. Während der Mann ruhig erzählt, bricht die Frau immer wieder in Tränen aus. Sie könne sich ihr Verhalten selbst nicht erklären. Sie sei feige gewesen. Ihre größte Befüchtung sei gewesen, wieder allein zu sein.

Deshalb habe sie ihre Tochter immer wieder zum Angeklagten geschickt - und auch pornografische Fotos von ihr gemacht, wenn der Mann danach verlangte. Ihre Mandantin leide unter einer Schilddrüsenunterfunktion mit depressiven Phasen, sagt die Verteidigerin. Ein Psychiater wird sich im Laufe des Verfahrens dazu äußern, ob und wie dieses Leiden die Frau daran hinderte, ihr Kind zu schützen. Die 37-Jährige weiß auch, warum der Mann ihre zweite Tochter verschonte. Die habe nicht seinen Vorstellungen entsprochen, sie sei nicht so schlank wie ihre Schwester. Ein Urteil soll Ende Juli fallen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Juli 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2018, 19:51 Uhr

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15 Kommentare

14.07.2018 19:03 der_Silvio 15

@8 Mediator; "Entschuldigung, aber mattotaupa hat doch völlig recht mit seiner Aussage!"
Hat er NICHT!

"Solche Verbrechen gehören zu unserer Gesellschaft dazu wie Morde, Vergewaltigung, Totschlag und Raub. Das sollte man sich einmal eingestehen, denn nur wer sich eines Problems bewusst ist, der kann auch etwas dagegen tun!"
Leider sind solche Auswüchse Teil JEDER Gesellschaft.

Hier geht es um ein Verbrechen schlimmster Art und sie und mattotaupa haben nichts besseres zu tun als das zu politisieren und ihrem (scheinbar vorhandenen) Hass auf Deutschland freien Lauf zu lassen. Schämen sie sich!

14.07.2018 11:16 martin 14

@12 räudiger: sorry wegen Tippfehler im Namen.

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