Mitarbeiter als "dumm" bezeichnet Beschäftigte im Krankenhaus Sonneberg sauer auf Hygiene-Arzt

Professor Dr. Klaus-Dieter Zastrow ist Leiter des Hygiene-Instituts des Regiomed-Klinikverbunds. Mit einem Interview hat der Hygienemediziner für ziemlich viel Frust bei Klinikmitarbeitern in Sonneberg gesorgt.

Regiomed-Klinik in Sonneberg
Regiomed-Klinik in Sonneberg Bildrechte: REGIOMED-KLINIKEN GmbH

Professor Dr. Klaus-Dieter Zastrow ist Leiter des Hygiene-Instituts des Regiomed-Klinikverbunds. Zu diesem Verbund gehört auch das Krankenhaus in Sonneberg. Die Klinik, in der sich 20 Mitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt haben. Mit seinem Interview in der Südthüringer Lokalzeitung Freies Wort vom Mittwoch hat der Hygienemediziner für ziemlich viel Frust bei den Klinikmitarbeitern gesorgt. Auf die Frage des Zeitungsjournalisten, ob sich nachverfolgen lässt, wo sich die Klinikmitarbeiter angesteckt haben, antwortete Zastrow im Originalwortlaut:

"Ja, leider handelt es sich hier um besonders dumme Mitarbeiter, die sich nicht an die Regeln gehalten haben. Ich sage ganz bewusst dumm, denn diese Mitarbeiter sind nun auch selbst an Corona erkrankt. Seit Anfang März haben alle Mitarbeiter ganztägig einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Damit ist eine Übertragung im Krankenhaus ausgeschlossen. Da die Mitarbeiter 16 Stunden des Tages außerhalb des Krankenhauses verbringen, bleibt die Quelle unklar. Sie sehen ja , wie die Menschen im Freien mit dem Mund-Nasen-Schutz umgehen."

Auch Gesundheitsamt bekommt Fett weg

Bei der Zeitungslektüre ist nicht nur den angesprochenen "dummen Mitarbeitern", sondern auch dem Vizelandrat und Chef des Krisenstabes der Kaffee im Hals stecken geblieben. Denn auch Jürgen Köppers Gesundheitsamt hat ordentlich Fett weg bekommen. Zastrow meint, dass die Mitarbeiter dort nicht verstehen würden, dass sich Menschen mit dem Coronavirus schon Tage vor einem positiven Test angesteckt haben müssen. Die meisten Patienten hätten sich eben nicht im Krankenhaus, sondern irgendwo außerhalb mit dem Virus infiziert. Zastrow forderte die Mitarbeiter im Gesundheitsamt auf, "besser und gezielter zu ermitteln."

"Das ist eine Frechheit"

"Das ist eine Frechheit", sagt der Vizelandrat sichtlich aufgebracht. "Schuldzuweisungen in dieser Form sind völlig daneben, gerade in diesen schwierigen Zeiten". Auch auf die Klinikmitarbeiter wolle Köpper nichts kommen lassen. Im Gegenteil, sie riskierten ihre eigene Gesundheit, um schwerkranken Patienten zu helfen. 

Klaus-Dieter Zastrow
Der Hygienemediziner Klaus-Dieter Zastrow Bildrechte: Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene e.V.

Markige Worte sind am Donnerstag auch bei einer Telefonkonferenz zwischen der Regiomed-Geschäftsführung und den Sonneberger Mitarbeitern gefallen. Als "dumm" wollen sie sich auf keinen Fall bezeichnen lassen und forderten eine Entschuldigung. Die hat der Professor dann im Laufe des Tages tatsächlich ausgesprochen. "Dumm hätte ich vielleicht nicht sagen sollen", sagt Zastrow im Nachhinein. Aber trotzdem ist er davon überzeugt, dass im Sonneberger Klinikum einiges schief gelaufen sein muss. Wenn Pflegekräfte in der Raucherpause ohne Mund-Nasenschutz eng beieinander stehen oder zu acht am Frühstückstisch sitzen. Das sei bei Hygienekontrollen mehrfach aufgefallen.

Aus Fehlern lernen

Regiomed hat nun angekündigt, dass eine Expertenkommission die internen Abläufe im Sonneberger Krankenhaus unter die Lupe nehmen soll. Nach Angaben von Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke sind in Sonneberg Dinge passiert, die man hätte besser machen können. Wichtig sei es, daraus zu lernen und eventuelle Fehler zu beheben. 

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 14. Mai 2020 | 17:30 Uhr

4 Kommentare

Silent_John vor 11 Wochen

Bravo Oliver , ich bin auch Arzt , an der "Front" an vorderster Linie tätig. Solche Hygieniker braucht das Gesundheitssystem ganz besonders ! Sie helfen ungemein und jeder Cent den sie vom Steuerzahler oder nun vom Geschwindigkeissünder bekommen ist bestens investiert .
Als wir noch Kinder in der Schule waren gab es auch solche Typen wie den Professor in meiner Klasse. Nach spätestens 2 Jahren gemeinsamen Heimweg haben sie gelernt oder ihre Eltern haben sie versetzen lassen oder sind in ein anderes Dorf gezogen. Nun sind wir keine Kinder mehr und einfach so verhaut man niemanden täglich nur weil er einfach fies ist . Und es gibt auch durchaus sehr gute Mitarbeiter in Hygieneinstitutionen , habe recht oft mit manchen zu tun. Sie sind in der Lage, Theorie und Praxis realitätsbezogen, ressourcengerecht und vor allem mit kollegialem Miteinander zu verbinden.

SitBull vor 11 Wochen

Ich kenne den internen Kampf zwischen Hygienikern, Ärzten und Pflegepersonal bei der MRSA Problematik. Kann mir bildlich vorstellen, dass dies jetzt auch wieder ein Problem darstellt. Und ja, aktuelle Infektionen sind Unachtsamkeiten geschuldet. Dies ist aber keine Dummheit. Dies kann jedem passieren, wie ein Verstoß gegen die StVO. Verstehe aber auch, dass Spezialisten immer auch ein Defizit aufweisen. Manche können nicht vernünftig kommunizieren, manchen fehlt halt schlichtweg die Sozialkompetenz. Wenn der gute Professor Schulungsbedarf identifiziert hat, soll er seinen Hintern bewegen und nachhaltig schulen, oder?

Petra Stein vor 11 Wochen

"Wenn Pflegekräfte in der Raucherpause ohne Mund-Nasenschutz eng beieinander stehen oder zu acht am Frühstückstisch sitzen. "

Dann ist das dumm! Meine Meinung.

Übrigens habe ich eine Krankenschwester in meiner Erfurter Nachbarschaft, die letzte Woche eine Geburtstagsfeier mit fünf bis sieben Besucherinnen (womöglich Kolleginnen?) auf dem Balkon zelebrierten.

Da denke ich mir: solche Krankenschwestern missachten und verachten die Prinzipien ihres Berufsstandes und sind die Schwäche ihres Arbeitsplatzes.

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