Sonneberg Der Mann, der den Borkenkäfer riechen kann

In den Wäldern rund um Sonneberg wütet der Borkenkäfer gerade besonders schlimm. Fast jeden Tag gehen Forstleute durch den Wald, um befallene Bäume zu finden. Denn die müssen so schnell wie möglich raus. Der Forstwirtschaftsmeister Ulrich Göhring hat eine ganz besondere Gabe. Er kann den Käfer riechen.

Ulrich Göhring an einem von Borkenkäfern befallenen Baum.
Ulrich Göhring hat einen von Borkenkäfern befallenen Baum entdeckt. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Seine Nase ist nicht besonders groß oder in einer anderen Weise ungewöhnlich. Ulrich Göhring lacht. Seine Frau jedenfalls ziehe ihn schon manchmal ein bisschen auf, wegen seiner feinen Nase. Und wenn er Kollegen erzählt, dass er den Borkenkäfer riechen kann - ja, dann lachten sie erst mal. Aber Ulrich Göhring ist davon überzeugt: Wer nur ein bisschen seine Sinne schärft, der kann es auch lernen. "Für mich ist das nix Besonderes", sagt er. Obwohl er so bescheiden ist, hat er mit seiner Gabe so manchen Forstkollegen erstaunt. Nicht zuletzt den Forstamtsleiter Roland Kaiser.

Nicht den Borkenkäfer, sondern die Pheromone riechen

Das was man riecht, ist eigentlich nicht der Käfer selbst, sondern es sind die Lockstoffe, die er ausströmt. Forstleute nutzen künstlich hergestellte Pheromone zum Beispiel in speziellen Fallen. "Und genauso riecht das dann im Wald", so Göhring. "Ein bisschen nach frischem Harz, nur etwas süßlicher."

Kampf gegen Windmühlen

Normalerweise achten Forstleute auf Bohrmehl am Wurzelboden oder winzig kleine Einfluglöcher in der Rinde. Das sind untrügliche Zeichen, dass der Käfer den Baum befallen hat. Manchmal hat Göhring etwas ganz anderes zu tun. Holzfäller einweisen zum Beispiel. "Da steige ich aus meinem Jeep und ich rieche es sofort." Zurzeit allerdings hat der Forstwirtschaftsmeister immer mehr das Gefühl, gegen Windmühlen anzukämpfen. "Ich höre abends auf und weiß genau, dass ich hier früh gleich wieder anfangen kann", beschreibt er die dramatische Situation im Wald.

Der Käfer muss möglichst weit raus aus dem Wald

So schnell wie möglich müssen die Käferbäume raus aus dem Wald. Rund um Sonneberg gibt es deshalb inzwischen mehrere große Holzlagerplätze. Die liegen mindestens fünf Kilometer vom Wald entfernt. Sonst würde der Käfer den Weg zurück finden und sein zerstörerisches Werk fortsetzen. Liegt das Holz aber weit genug entfernt, verhungert er. Damit die Strategie auch aufgeht, sind Leute wie Ulrich Göhring gefragt. Nur wer den Käfer entdecken kann, hat eine Chance, den Wald zu retten.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 07. Juli 2020 | 08:10 Uhr

2 Kommentare

husar vor 4 Wochen

Der Borkenkäfer wird von vielen Vögeln gefressen, Spechte,Meisen,Kleiber sind also direkt betroffen. Wo sind die Aktivisten und die Menschen vom Nabu um zu protestieren?

Rasselbock vor 4 Wochen

Umkehrschluss: Wer sich mit Vögeln auskennt bekämpft Borkenkäfer, so gesehen, sollte Vögeln wirklich zu was nutze sein? ;-)

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