Weihnachtsbranche Hersteller von Christbaumschmuck bangen um Existenz

In Lauscha in Südthüringen ist die Weihnachtszeit Hochsaison für zahlreiche Glasbläser, Glasmaler, Glasformer. Durch die Corona-Pandemie wurden viele Bestellungen storniert. Viele Handwerker fürchten um ihre Existenz.

Auf einer Christbaumkugel ist ein Haus abgebildet.
In Lauscha wurde vor fast 200 Jahren der gläserne Christbaumschmuck erfunden. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Tief im Thüringer Wald schmiegen sich die schwarzen Schieferhäuser des Städtchens Lauscha ins Tal. Hier, so ist es mittlerweile nachgewiesen, wurde vor fast 200 Jahren der gläserne Christbaumschmuck erfunden - der Beginn einer großen Erfolgsgeschichte. Bis heute werden in Lauscha Christbaumkugeln und Formen aus Glas in Handarbeit hergestellt. Viele Lauschaer sind seit Generationen Glasbläser, Glasmaler, Glasformer. Die Weihnachtszeit ist Hochsaison für sie. Jedes Jahr an den beiden ersten Adventswochenenden wird Lauscha zum Weihnachtsglitzerwunderland voller Besucher aus aller Welt. Aber nicht in diesem Jahr.

Händler stornieren Bestellungen                 

Denn 2020 fällt der beliebte Kugelmarkt aus. So wie praktisch jeder andere Weihnachtsmarkt in Thüringen und Deutschland. Die Händler, die den gläsernen Baumschmuck aufkaufen, haben alles storniert. Sie können die Waren nicht auf Märkten feilbieten, weder in Erfurt noch in Nürnberg, erst recht nicht in den USA, wo viele Christbaumschmuckhersteller selbst regelmäßig ihre Produkte verkaufen. In diesem Jahr bleiben sie zu Hause.

Online-Verkauf fängt kaum etwas auf

"Es ist für jeden richtig mies", sagt Carmen Leipold-Büttner von der Weihnachtshütte Lauscha. Die Einzelunternehmerin, die den Schmuck bei den Glasbläsern einkauft und ihn dann bemalt und verspiegelt, verkauft in diesem Jahr Dreiviertel weniger als sonst: "Das Zeug steht im Lager". Mit den Märkten fehlt der Absatz. Die wenigen Touristen, die jetzt noch nach Lauscha kommen, gleichen das nicht aus. Auch der Online-Verkauf fängt kaum etwas auf: "Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, genau wie die staatlichen Hilfen.

Es gibt einige hier, die mussten schon aufgeben und haben sich andere Jobs gesucht, um sich über Wasser zu halten, manche sind inzwischen auf Hartz IV angewiesen. Nicht viele haben Rücklagen", sagt Carmen Leipold-Büttner.

US-Amerikaner kommen für Christbaumschmuck nach Lauscha

Dass die Händler ihre Bestellungen zurücknehmen, kann Maik Schewe, Einkäufer und, nach eigener Aussage, "Mädchen für alles" bei Krebs Glas Lauscha, bestätigen. Die GmbH ist einer der großen Anbieter gläsernen Christbaumschmucks in der Gegend. Der große Laden mit dem Werksverkauf ist üblicherweise besonders in der Weihnachtszeit voll mit Menschen.

Ein Weihnachtsbaum steht in einem Raum.
Dass die zwei Kugelmarktwochenenden und damit rund 25.000 Besucher wegfallen, trifft Krebs Glas ebenfalls empfindlich. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Selbst US-Amerikaner kommen eigens hierher, um den echten mundgeblasenen Christbaumschmuck vor Ort zu kaufen. Maik Schewe: "Überraschenderweise ist auch in diesem Jahr unser Werksverkauf sehr gut besucht, trotz Corona- und Reisebeschränkungen."

Geschäft auf den Weihnachtsmärkten fehlt

Aber das Geschäft auf den Weihnachtsmärkten fehlt. "Wir haben zahlreiche Händler, die unsere Produkte auf Weihnachtsmärkten verkaufen. Dieses Jahr wurde viel storniert, auch von einem Großkunden aus den USA."

Dass die zwei Kugelmarktwochenenden und damit rund 25.000 Besucher wegfallen, trifft Krebs Glas ebenfalls empfindlich, schließlich seien das die umsatzstärksten Tage im Jahr, sagt Maik Schewe. Und so ist er froh, dass sie in den letzten Jahren das Onlinegeschäft aufgebaut haben: "Das kommt uns jetzt zugute".

Natürlich macht er sich Gedanken um das Weihnachtsmarktgeschäft, auch das zukünftige: "Die Frage ist, ob unsere Händler über die Krise hinwegkommen und es schaffen, sich im nächsten Jahr wieder etwas aufzubauen. Die Weihnachtsmärkte werden zwar bleiben, aber wenn die Händler wegfallen, was macht dann die Weihnachtsmärkte noch aus?"

Handwerk wird die Zukunft sein

Die Erfurter Kunsthandwerkerin Bettina Neumann ist da optimistisch. Auch wenn die Diplomdesignerin ihre Waren nicht wie sonst im Dezember auf Weihnachtsmärkten verkaufen kann, sagt sie: "Positiv gestimmt bin ich immer! Kunsthandwerker lassen sich nicht unterkriegen."

Dabei ist sie eine derjenigen, die der Lockdown besonders trifft, ist sie doch überwiegend auf die Umsätze auf Märkten und die Werbung, die sie dort machen kann, angewiesen. Schon im Frühjahr fielen Märkte und Messen aus, auf denen Bettina Neumann ihre Mützen, Hüte und Accessoires in normalen Zeiten anbietet. Auch bei ihr können weder das Online-Geschäft noch die staatlichen Hilfen die Lücken füllen. "Natürlich fehlen die Weihnachtsmärkte", sagt sie, aber sie bleibt zuversichtlich: "Handwerk wird die Zukunft sein."

Lockdown bringt Hersteller an den Rande der Existenz

Davon merken die Lauschaer in diesem Jahr allerdings noch nichts. Glasmalerin Carmen Leipold-Büttner: "Man merkt jetzt schon, dass die Leute weniger Geld haben". Da wird eben zuerst bei den Dingen gespart, die nicht notwendig sind.

Wenigstens im Sommer konnten die Christbaumschmuckhersteller etwas aufatmen, als wieder Touristen in die Stadt kamen und die Läden gut besucht waren. Doch nun, mit dem erneuten Lockdown, gehe es mittlerweile bei jedem an die Existenz, sagt Carmen Leipold-Büttner und fügt hinzu: "Es geht ja nicht nur unserer Branche so, es ist überall dasselbe, egal, wo man hingeht, es zieht sich durch wie ein großer Rattenschwanz". Mittlerweile sieht sie die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie kritisch. "Ich will die Krankheit nicht unter den Teppich kehren, aber das kann doch nicht mehr vernünftig sein." Und fügt hinzu: "Wir wollen hoffen, dass das nächste Jahr doch ein bisschen besser wird."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 24. November 2020 | 18:43 Uhr

6 Kommentare

wer auch immer vor 6 Wochen

Das sind doch Dinge die auch vererbt werden. Da sind geschichtliche Schmuckstücke dabei.
Nur neue Artikel kaufen um "hipp" zu sein, nein Danke. Davon wird Weihnachten auch nicht schöner.
Auch hier fängt Nachhaltigkeit an.

Harka2 vor 6 Wochen

Nun ja, ich werde keinen Christbaumschmuck kaufen. Ich bin mit Lauscha-Produkten voll versorgt. Den habe ich mir vor Jahren in Lauscha gekauft und dort auch mehrfach ergänzt. Ich habe mehr Baumschmuck, als ich am Baum unterbringen kann und China-Müll kommt dort nicht dran.

zenkimaus vor 6 Wochen

Sie können ja immer schön online kaufen.

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