Ein Mann prüft eine versilberte Glaskugel.
Auch als Glasbläser muss man den Durchblick behalten. Bildrechte: MDR/Patricia Geissler

Wie geht's den Lauschaer Glasbläsern?

Das Glashandwerk in Lauscha gilt als traditionsreich. Seitdem die "Dorfglashütte" im Jahr 1597 gegründet wurde, gelten Lauscha und das Glas als unzertrennlich. Doch die Branche befindet sich im Umbruch. Gerd Ross, Vertriebsleiter der Firma Krebs Glas Lauscha, sowie der Glasbläser Michael Haberland verraten uns, wie sie die Lage in der Glasbläserstadt einschätzen.

Ein Mann prüft eine versilberte Glaskugel.
Auch als Glasbläser muss man den Durchblick behalten. Bildrechte: MDR/Patricia Geissler

In Lauscha werden seit mehr als 400 Jahren Güter aus Glas hergestellt. Zunächst entstanden Waren des täglichen Bedarfs, darunter Artikel wie Apotheken- und Trinkgläser. Der Überlieferung nach soll um das Jahr 1847 von einem Lauschaer Glasbläser der Christbaumschmuck erfunden worden sein. Die Lauschaer erzählen sich, dass er zu arm war, um sich Äpfel und Nüsse leisten zu können. Diese galten damals als übliche Weihnachtsbaum-Dekoration. Allerdings verfügte er über Glas. Und so stellte der Glasbläser aus der Not heraus den ersten gläsernen Weihnachtsschmuck her. Viele Kollegen taten es dem Glasbläser gleich und stellten ebenfalls Christbaumschmuck aus Glas her. Später nahmen viele Sonneberger Spielzeugkontore und -händler den Lauschaer Christbaumschmuck in ihr Sortiment auf. Sie stellten Glasprodukte in ihren Musterbüchern vor und vertrieben sie über die Landesgrenzen hinaus in Übersee. Damit begann der Siegeszug der Lauschaer Glaskugeln um die ganze Welt.

Lauschaer Glaskunst damals

Das zu Lauscha gehörende Ernstthal am Rennsteig war ab 1907 Sitz der Glasbläsergenossenschaft Meininger Oberland e.G. Dort schlossen sich die Glasbläser der Region zusammen, um gemeinsam Handel zu betreiben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Betrieb verstaatlicht. Die Glasproduktion wurde daraufhin im VEB Thüringer Glasschmuck Lauscha weitergeführt. Michael Haberland, heute selbstständiger Glasbläser in Lauscha, erinnert sich: "Der Beruf des Glasbläsers galt damals in der DDR als Traumjob. Man konnte von zu Hause aus arbeiten und gut verdiente man auch. Teilweise waren wir bis zu 200 Beschäftigte im VEB Thüringer Glasschmuck."

Ein Pfau aus Glas steht auf einer Werkbank.
Ein fertiger von Mund geblasener Glaspfau. Diese traditionsreiche Form gilt als sehr beliebt. Bildrechte: MDR/Patricia Geissler

Doch mit der Wende und der Auflösung des Betriebes gingen viele Arbeitsplätze verloren. Die dort beschäftigten Glasbläser musste sich entscheiden, wie sie künftig Geld verdienen wollen. Michael Haberland entschied sich für das Glasblasen. Gemeinsam mit seiner Mutter fand er im Gartenschuppen die alten Formen seines Großvaters und Urgroßvaters, die sie verwendeten, um Christbaumschmuck herzustellen. Mit dem Wissen seiner Mutter und den Formen in seinem Besitz, wagte er im Oktober 1991 den Schritt in die Selbstständigkeit. Krebs Glas Lauscha gründete sich im November 1991, nachdem die Familie Krebs, Hersteller für Glas-Christbaumschmuck in Westdeutschland, auf Lauscha und dessen Glasbläser-Tradition aufmerksam wurde.

Die Glasbläserbranche im Umbruch

Glasweihnachtsmänner
Zur Dekoration ihrer Weihnachtsbäumen kaufen Kunden neben Glasvögeln auch gerne Weihnachtsmänner aus Lauscha. Bildrechte: MDR/Patricia Geissler

Krebs Glas Lauscha hat Kunden auf der ganzen Welt. Neben Deutschland und China gelten die Vereinigten Staaten als wichtigster Markt des Unternehmens. Aber auch Russland fragt immer mehr Produkte aus Lauscha nach. Das Unternehmen weist, laut Geschäftsführer Roger Müller, eine jährliche Wachstumsrate von 40 Prozent auf. Auch Michael Haberland ist zufrieden mit seinem Unternehmen. Er verkauft seine aufwendig verzierten Glasvögel auf Weihnachtsmärkten in Berlin, Hamburg oder Osnabrück. Auch Kunden und Händler in Österreich, Großbritannien, Dänemark, Norwegen, der Schweiz oder den USA freuen sich über den Christbaumschmuck "Made in Germany". Doch der Branche geht es laut dem Vertriebsleiter von Krebs Glas Lauscha, Gerd Ross, nicht besonders gut. Grund dafür sei der geringer werdende Bedarf an Christbaumschmuck. Er ist der Ansicht, dass viele Haushalte nicht mehr bereit sind, festlich zu schmücken, da sie über die Weihnachtsfeiertage verreisen. Außerdem sei der Brauch des Schmückens in jedem Land anders. Ross stellte beispielsweise fest, dass Amerikaner nicht nur dem Weihnachtsbaum ein festliches Gewand verleihen: "In den USA ist es üblich, das ganze Haus zu schmücken. Das, was man in den weihnachtlichen Spielfilmen sieht, ist wahr. Wohingegen in Europa meist nur der Baum geschmückt wird."

Nach Einschätzungen von Haberland haben die Unternehmen, die es in Lauscha noch gibt, "kräftig zu tun". Allerdings bemerkt er auch, dass es immer weniger neue junge Glasbläser gibt. Er selbst bezeichnet sich bereits als "Glasbläser-Dinosaurier". Haberland ist der Ansicht, dass Neulinge in dieser Branche nur bestehen können, wenn sie außergewöhnlichen Weihnachtsschmuck produzieren, um sich von der Konkurrenz abzusetzen.

Glaskugel vs. Plastikkugel

Ob Weihnachtsschmuck aus Plastik oder Glas: Vertriebsleiter Ross findet in beiden Stoffen Vorteile. Plastikkugeln sind weniger zerbrechlich als Glaskugeln. Deshalb werden sie oftmals in der Hoteldekoration verwendet. Doch Plastikkugeln gelten für Ross bei weitem noch nicht so qualitativ hochwertig wie Glaskugeln. Vergleicht er die beiden Kugeln miteinander, stellt er fest: "Die Farbenvielfalt und das Glänzende machen eine Glaskugel besonders". Glasbläser Haberland sieht es ähnlich: "Natürlich gibt es einen preislichen Unterschied zwischen den Kugeln und Formen aus Fernost und Lauscha. Doch die Kunden schätzen unsere Handarbeit."

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Zuletzt aktualisiert: 30. November 2018, 10:03 Uhr

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