Nahverkehr Keine Busse mehr zwischen Suhl und Zella-Mehlis

Für die Busverbindung zwischen der kreisfreien Stadt Suhl und dem benachbarten Zella-Mehlis im Landkreis Schmalkalden-Meiningen stellt der Landkreis kein Geld mehr zur Verfügung. Landrätin Peggy Greiser (pl) kündigt zum Jahresende den freiwilligen Zuschuss an den Linienbetreiber Städtische Nahverkehrsgesellschaft (SNG). Das bestätigte eine Sprecherin des Landratsamtes Schmalkalden-Meiningen am Freitag.

Festgefahrener Bus in Suhl
Hier geht nichts mehr - ebenso wie im Busverkehr nach Suhl. Bildrechte: MDR/Mirjam Winzer

Der Sprecherin zufolge gibt es derzeit aber Gespräche zwischen Kreis und Stadt. Dabei geht es um ein Gutachten zu Chancen und Risiken einer Kooperation im Nahverkehr. Greiser erklärte demnach jedoch, dass für sie Kooperation nicht Subvention bedeute.

60 Fahrten pro Tag auf der Strecke

Peggy Greiser, Landrätin Schmalkalden-Meiningen
Peggy Greiser, Landrätin Schmalkalden-Meiningen Bildrechte: imago/Karina Hessland

Die Landrätin begründet das Ende der Finanzspritze damit, dass die landkreiseigene Meininger Busbetriebs GmbH (MBB) bereits im vergangenen Oktober die Leistungen für den Stadtverkehr Zella-Mehlis von der SNG übernommen hat und deswegen Konzessionsinhaber ist. Damit übernehme der Landkreis die Kosten des Regionalverkehrs im eigenen Areal komplett. Zu freiwilligen Finanzhilfen darüber hinaus sei ihr Landkreis nicht verpflichtet, sagte Greiser. Für den kreisübergreifenden Busverkehr zwischen Suhl und Zella-Mehlis bedeute dies das Aus. Bisher unterstützt der Landkreis das Linienangebot mit 135.000 Euro im Jahr. Auf der Linie gibt es etwa 60 Fahrten pro Tag.

Bürgermeister der beiden Städte reagieren empört

In einer gemeinsamen Erklärung äußerten sich am Freitagnachmittag André Knapp, Oberbürgermeister von Suhl und der Bürgermeister von Zella-Mehlis, Richard Rossel. Die Entscheidung der Landrätin sei für sie völlig unverständlich.

Das ist beispiellos. So geht man nicht mit der drittgrößten Stadt im Landkreis um.

Richard Rossel Bürgermeister Zella-Mehlis

Weiter kritisiert der Bürgermeister, dass es keine Vorinformation und keine Erklärung gegeben habe. Für Landrätin Greiser scheine Zella-Mehlis nicht mehr zur "Prachtregion" zu gehören. "Wir werden das nicht unwidersprochen hinnehmen und alle rechtlich erdenklichen Schritte gegen dieses Kündigungsschreiben einleiten".

Oberbürgermeister André Knapp gibt außerdem zu bedenken, dass nicht nur die Menschen in Suhl und Zella-Mehlis an den regionalen Nahverkehr angebunden werden, sondern die Busverbindung auch einen "wesentlichen infrastrukturellen Grundpfeiler" des gemeinsamen Oberzentrums darstellt.

Die Bürgermeister haben deshalb laut dieser Erklärung sowohl die Vereinbarung als auch die Kündigung einer rechtlichen Prüfung unterziehen lassen. Demnach besteht die Vereinbarung bis zum 31.12.2027 und kann erst dann gekündigt werden.

Jetzt wurde ein Gesprächstermin zwischen Landrätin Peggy Greiser und den beiden Bürgermeistern vereinbart.

Ein Selbstversuch Mit dem Bus durch den Thüringer Wald

MDR THÜRINGEN Reporterin Bettina Ehrlich wagt den Selbstversuch: Wie sehr lohnt es sich wirklich, das Auto stehen zu lassen und auf Bus und Bahn umzusteigen? Sie war vier Stunden im Thüringer Wald unterwegs.

Bettina Ehrlich fährt Bus
Start für den Selbstversuch der MDR THÜRINGEN Reporterin ist in Masserberg. Um 8:50 Uhr sind aber an der Bushaltestelle weder Bus noch Reisende zu sehen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Bettina Ehrlich fährt Bus
Start für den Selbstversuch der MDR THÜRINGEN Reporterin ist in Masserberg. Um 8:50 Uhr sind aber an der Bushaltestelle weder Bus noch Reisende zu sehen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Bettina Ehrlich fährt Bus
Aber... es fährt ein Bus - direkt nach Neustadt am Rennsteig. Dort will Bettina Ehrlich hin. Die Direktverbindung gibt es aber nur am Wochenende. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Bettina Ehrlich fährt Bus
In der Touristinformation hilft der Reporterin die Mitarbeiterin Manuela Grimm weiter. Sie findet heraus, es gibt zwei Verbindungen von Masserberg. Die eine dauert vier, die andere fünf Stunden. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Bettina Ehrlich fährt Bus
Wer die Wahl hat, hat die Qual. Viele Touristen würden gern auf ihrer Tour entlang des Rennsteigs auf den Bus zurückgreifen, müssen dafür aber lange Fahrtzeiten in Kauf nehmen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Bettina Ehrlich fährt Bus
9:50 Uhr sitzt Bettina Ehrlich im Bus nach Suhl. Allein, nur mit dem Busfahrer. Der kennt das Problem der langen Fahrtzeiten. Es liegen Kreisgrenzen zwischen den Städten, deswegen sind mehrere Nahverkehrsunternehmen zuständig. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Bettina Ehrlich fährt Bus
Eine Stunde tuckert der Bus von Masserberg nach Suhl. Wenn niemand mitfährt, bleibt viel Zeit zum Nachdenken. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
eine Frau steht vor einer Ersatzhaltestelle für Busse
In Suhl muss die MDR THÜRINGEN Reporterin erst einmal 80 Minuten warten, ehe es weiter nach Ilmenau geht. Zu viel Zeit, um sie an einer Ersatzhaltestelle zu verbringen, zu wenig, um mal schnell in der Stadt ein paar Besorgungen zu erledigen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Bettina Ehrlich fährt Bus
In Ilmenau bleiben dagegen nur drei Minuten, um umzusteigen. Der Bus fährt nach Großbreitenbach und von dort aus schließlich ans Ziel Neustadt am Rennsteig. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Ein Bus fährt eine Straße entlang durch einen Wald
Zwischendurch zeigt sich der Thüringer Wald von seiner besten Seite. Es geht durch herrliche und abwechslungsreiche Landschaft. Die Strecke von Altenfeld nach Kahlert sollte jeder einmal erlebt haben, meint Bettina Ehrlich... Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Eine Frau mit Mirkofon in der Hand reißt vor einem Schild die Arme hoch
...und kommt schließlich nach vier Stunden in Neustadt am Rennsteig an. Mit dem Auto braucht man für die knapp neun Kilometer lange Strecke ungefähr zehn Minuten. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Eine Frau mit Mikrofon in der Hand steht vor einem Café
Am Ziel muss die MDR THÜRINGEN Reporterin allerdings feststellen. Mit dem geplanten Kaffee und Kuchen wird es nichts, das Café wird gerade renoviert. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
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Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 13. September 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 17:21 Uhr

8 Kommentare

Katze vor 14 Stunden

Ich schreibe als Direktbetroffene. Ich und viele andere Pendler sind auf die Buslinie Suhl/Zella-Mehlis angewiesen. Ein Großteil der Pendler ist in Besitz eines nichtübertragbaren Abotickets. Das heißt, die SNG könnte rein theoretisch auf Anfrage sicherlich Auskunft darüber geben, wieviel Zella-Mehliser Bürger ein solches Ticket abonniert haben. Hinzu kommen viele Nutzer einer normalen Monatskarte bzw. von Einzelfahrscheinen. Frau Greiser sollte vielleicht mal einen Tag auf Exkursion gehen und mit der Buslinie B bzw. B/F fahren. Da erkennt sie den Bedarf dieser wichtigen Verbindung zwischen beiden Orten. Für Schüler, Auszubildende und Berufspendler ist diese Linie unverzichtbar. Denken Sie auch mal an das A71 Center. Liebes Centermanagement! Auch sie werden vermutlich finanzielle Einbußen haben, da sich ihr Einkaufszentrum auf Zella-Mehliser Territorium befindet und die Haltestellen vor ihrem Gebäude von der SNG nicht mehr angefahren werden.

Frank ZM vor 17 Stunden

Ich dachte das diese Frau ,die auch noch in Zella-Mehlis wohnt, mehr für Stadt auf Kreisebene erwirkt. Der Nahverkehr bei uns ist wirklich schlecht. Seit die Zella-Mehliser Stadtlinie von Meiningen übernommen wurde , lohnt sich nicht einmal ein Tagesticket mehr . Da sie in beiden Unternehmen nicht anerkannt werden. Jetzt will sie auch noch die wichtigste Verbindung im Raum Suhl/Zella-Mehlis kappen.

maheba vor 2 Tagen

Wenn man einen Landkreis wie eine Firma führt ist das wirtschaftlich in Ordnung.
Da es aber hier um die allgemeine Daseinsfürsorge für die Bevölkerung geht, kann ich das nicht nachvollziehen.

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