Einkaufswagen selbst desinfizieren Suhler Unternehmen entwickelt Maschine gegen nerviges Corona-Einkaufen

Eine Suhler Firma entwickelte während des Corona-Lockdowns eine Maschine, die Einkaufswagen automatisch desinfiziert. Da die Geräte gut ankommen, hofft das Unternehmen jetzt auf einen größeren Auftrag.

Ein Mann desinfiziert einen Einkaufswagen in einem Automaten
Desinfizieren leicht gemacht, Frank Schwabe aus Suhl hat den Service schon getestet. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Es ist Freitag. Der Wochenendeinkauf steht an. Da nervt es schon, dass sich wieder einmal scheinbar jeder den Freitag zum Einkaufen ausgesucht hat, obwohl ja eigentlich die ganze Woche dafür Zeit ist. Naja, egal. Seit der Corona-Krise nervt der Einkauf aber doppelt oder sogar dreifach oder… Jedenfalls gehen wir seit Corona nur noch mit Mundschutz einkaufen. Wer ihn vergessen hat: Kein Zutritt! Auch der Einkaufswagen ist Pflicht. Ja, aber wenn denn einer da wäre.

Eine Einrichtung zum desinfizieren von Einkaufskörben 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 17.07.2020 19:00Uhr 02:06 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Viele Supermärkte haben die Zahl der Einkaufswagen reduziert, damit die Abstandsregeln eingehalten werden. Das heißt: Erstmal warten. Wenn nun endlich ein Einkaufswagen frei ist, dann muss er natürlich auch noch desinfiziert werden. Viele Märkte stellen dafür sogar den ganzen Tag Mitarbeiter ab. Irgendwie ist das kein toller Job und irgendwie sind sich alle einig, dass das leidige Abwischen des Einkaufswagens mit einem vielfach benutzten Lappen nicht gerade die beste Lösung ist und genau: Es nervt!

Eine bessere Lösung musste her

So oder so ähnlich wurde auch bei der Firma Zwerrenz Automatisierungstechnik aus Suhl in einer der wöchentlichen Teamrunden argumentiert. Einkaufen in der Corona-Krise nervt. Warum nicht einfach Abhilfe schaffen? Die Idee für ein Gerät zur automatisierten Einkaufswagendesinfektion war geboren. Kurzerhand entwickelte das Unternehmen eine Lösung. Fünf Supermärkte bieten diesen Service mittlerweile kostenlos für ihre Kunden an. Das Suhler Unternehmen hofft jetzt sogar auf einen größeren Auftrag.

Ein Einkaufswagen steht vor einer Desinfiziermaschine
Das System ist für verschiedene Einkaufswagentypen ausgelegt. Mittlerweile gibt es eine Station, die sechs unterschiedliche Einkaufswagen und Körbe reinigen kann. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Einkaufswagendesinfektion als neues Geschäftsfeld

"Wir sind ein klassischer Sondermaschinenbauer mit 40 Mitarbeitern. Hauptsächlich produzieren wir für die Autoindustrie oder auch Medizintechnik. Neue Maschinen zu entwickeln ist unser tägliches Geschäft. Aber eine Desinfektionsstation war dann doch etwas ganz Neues", sagt Katharina Vetter, Geschäftsführerin der Zwerrenz Automatisierungstechnik GmbH aus Suhl. "In der Zeit des Lockdowns war es für uns auch schwierig. Wir konnten keine Maschinen ausliefern, wir konnten keine Wartungen machen. Und da kam so eine Idee sehr gelegen. Es haben alle Mitarbeiter mit vollem Engagement mitentwickelt. Es hat auch Spaß gemacht mal in eine andere Branche reinzuschnuppern."

Desinfizieren leicht gemacht

Die Desinfektionsstation sieht aus wie ein großer Blechkasten. Eine große Öffnung an der Stirnseite bietet Platz für den Einkaufswagen. Katharina Vetter erklärt das System so: "Es funktioniert so: Man schiebt den Einkaufswagen einfach bis zum Anschlag rein, nimmt die Hände raus und drückt den Knopf. Dann wird das Desinfektionsmittel auf den Griff aufgesprüht. Das kann man gleichzeitig auch als Handdesinfektion benutzen. Dann kann man aus dem Spender noch ein Papierhandtuch nehmen und den Griff trocken wischen. Der integrierte Papierkorb sorgt dafür, dass kein Papier umherfliegt. Dann ist der Vorgang schon erledigt."

Die Bedienungsanleitung einer Desinfiziermaschine
Das Unternehmen ist in Verhandlungen mit einer großen Handelskette, die deutschlandweit diese Desinfektionsstationen aufstellen will. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Das System ist auch für verschiedene Einkaufswagen ausgelegt. Mittlerweile gibt es auch eine Station, die sechs unterschiedliche Einkaufswagen und Körbe reinigen kann. "Wir haben uns für ein biologisch abbaubares Desinfektionsmittel entschieden. Das hat die Zulassung für Flächen- und Händedesinfektion, sodass es auch die Haut nicht angreift. Das empfehlen wir den Kunden. Die Märkte können aber auch jedes andere Desinfektionsmittel verwenden."

Das Gerät kommt an

Auch wenn viele Kunden zuerst skeptisch auf das neue Gerät reagieren, nach anfänglichen Berührungsängsten gibt es Viele, die die neue Möglichkeit zur Desinfektion nutzen. Einige Kunden sehen das Gerät eher als Spielerei. Andere sind dankbar für die Idee, die das nervige Einkaufen in der Corona-Krise etwas erträglicher macht. "Ich finde die Idee gut. Es geht schnell und es ist einfach. Ich muss nicht erst mit dem verschmutzten Einkaufswagen in den Markt gehen, wo dann ein Mitarbeiter steht und den Wagen desinfiziert, sondern ich kann den Wagen sofort selbst desinfizieren. Ich finde, das ist ein tolles System", sagt Marko Panzer aus Benshausen.

Auch Frank Schwabe aus Suhl hat den neuen Service schon getestet: "Wichtig ist es vor allem, dass es schnell geht. Keiner hat lange Zeit und keiner will warten. Das hier passt deswegen gut. Reinfahren, einsprühen und fertig. Und außerdem sehe ich die Sache auch langfristig. Die nächste Grippewelle kommt bestimmt und da sind wir auch froh, wenn wir saubere Hände haben."

Serienproduktion geplant

Aus der Idee ist noch kein Verkaufsschlager geworden. Auch die Verluste aus der Corona-Krise fängt Katharina Vetter damit nicht komplett ab, aber es hilft dem Unternehmen in der Krise und vielleicht wird ja noch mehr daraus. "Das Hygienebewusstsein hat sich in der Corona-Krise einfach verändert. Deswegen wollen viele Märkte ihren Kunden diese Möglichkeit bieten. Wir sind gerade in Verhandlungen mit einer großen Handelskette, die deutschlandweit diese Desinfektionsstationen aufstellen will. Dann könnten wir in eine Serienfertigung gehen."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 17. Juli 2020 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus der Region Suhl - Schmalkalden - Meiningen

Mehr aus Thüringen

Eine Hand hält eine Checkkarte zum Einkaufen. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK