Flüchtlingsunterkunft Nach Bußgeldbescheid: Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl legt Corona-Konzept vor

Die Stadtverwaltung Suhl hat einen Bußgeldbescheid gegen die Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Friedberg erlassen. Grund dafür war nach Informationen von MDR THÜRINGEN, dass ein entsprechendes Corona-Konzept für das Flüchtlingsheim verspätet eingereicht wurde. Dieses liegt nun vor.

Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Suhl
Seit Beginn der Corona-Krise wurde kein Konzept zum Umgang mit der Pandemie bei der Stadt eingereicht. Bildrechte: dpa

Wochenlang stand im Frühjahr ein ganzes Unterkunftsgebäude der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in Suhl unter Quarantäne - wegen eines infizierten Bewohners. Diese Situation brachte die Einrichtung schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. Und sie arbeitete damals ohne Hygienekonzept.

Erst vor Kurzem hat die Stadt Suhl ein Bußgeld gegen die Erstaufnahmestelle verhängt, weil diese seit März, also seit Beginn der Corona-Krise, ein Konzept zum Umgang mit der Pandemie schuldig geblieben war. Deswegen erließ sie Anfang September einen Bußgeldbescheid in Höhe von 1.500 Euro gegen die EAE.

Corona-Konzept spielt unterschiedliche Szenarien durch

Nach Angaben des Landesverwaltungsamtes wurde dieser rund eine Woche später, nämlich am 9. September, von der Bußgeldstelle wieder aufgehoben, weil das Konzept dem Gesundheitsamt mittlerweile vorlag. In dem 80 Seiten starken Konzept geht es unter anderem um die Zahl der Flüchtlinge, die bei unterschiedlichen Szenarien in der EAE auf dem Friedberg untergebracht werden können.

Sollten Corona-Infektionen auftreten, ist die Zahl der Flüchtlinge auf rund 300 begrenzt. Ohne Corona-Fälle - so wie aktuell - können es bis zu rund 600 sein. Im absoluten Notfall - so wie zum Beispiel während der Flüchtlingskrise 2015/16 - sind nach Angaben des Migrationsministeriums bis zu 1.000 Flüchtlinge möglich. Vorausgesetzt, die EAE bleibt coronafrei.

Derzeit wartet die EAE auf die schriftliche Bewertung des Konzepts durch das Gesundheitsamt. Anschließend geht das Konzept dann zur Stellungnahme an das Landesverwaltungsamt sowie das Innen- und Migrationsministerium.

Corona-Krise stellt EAE vor neue Herausforderungen

Wie der Leiter der EAE, Michael Hasenbeck, MDR THÜRINGEN sagte, sei die Erstellung eines Corona-Konzepts sehr zeit- und arbeitsaufwändig gewesen. Man habe quasi bei Null anfangen müssen. Zunächst sei eine umfangreiche Bestandsaufmahne der Liegenschaft notwendig gewesen.

Teilweise habe es keine Grundriss-Zeichnungen gegeben, keine komplette Auflistung unter anderem der sanitären Anlagen, Heizungssystem, Brandschutz, Notausgänge, etc. Die Bundeswehr habe bei der Bestandsaufnahme wertvolle Hilfe geleistet.

Hasenbeck beklagt zudem die chronische personelle Unterbesetzung der EAE. Das solle sich in Kürze aber ändern - von 2 oder 3 auf 8 ständige Mitarbeiter. Auch der bisherige Personalmangel habe das Erstellen des Corona-Konzepts verzögert.

In der EAE Suhl bleiben neu ankommende Flüchtlinge nur wenige Wochen. Sie sprechen dort vor allem mit Mitarbeitern des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge über ihren Asylantrag. In der Regel kommen alle Neuzugänge zunächst in Quarantäne - es sei denn, sie sind bereits vor ihrer Ankunft in Suhl negativ auf Corona getestet worden. Falls sie dann nach einem weiteren Test coronafrei sind und auch keinerlei Symptome aufweisen, werden die Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt.

Derzeit sind in der EAE Suhl 616 Flüchtlinge untergebracht. Sollte es zu Corona-Infektionen kommen, dann würde die Zahl der Flüchtlinge aus Quarantäne-Gründen auf 300 begrenzt - alle anderen müssten woanders untergebracht werden, zum Beispiel in Eisenberg.

Eisenberg wird mit Millionenaufwand saniert

Die Außenstelle der EAE Suhl (offiziell: Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge und Asylbewerber) in Eisenberg im Saale-Holzland-Kreis wird derzeit aufwändig saniert. Sie steht nach Angaben des Migrationsministeriums derzeit in "Standby" und kann im Falle eines erneuten Corona-Ausbruchs in der EAE als Ausweichstelle genutzt werden. Derzeit sind dort 17 Flüchtlinge untergebracht.

Laut EAE Suhl können dort nach Ende der Sanierung bis zu 200 Flüchtlinge und Asylbewerber untergebracht werden. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN sind von den insgesamt 300 Millionen Euro des Corona-Pakets der Landesregierung 2,2 Millionen Euro für die Sanierung der Landesaufnahmestelle in Eisenberg vorgesehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. September 2020 | 05:00 Uhr

20 Kommentare

Lyn vor 4 Wochen

" der Landesregierung 2,2 Millionen Euro für die Sanierung der Landesaufnahmestelle in Eisenberg vorgesehen."

Da ist also noch keine Sicherheitstechnik vorgesehen?

winfried vor 4 Wochen

Wer ist der Betreiber der Unterkunft ?... gar nicht so leicht zu beantworten.
In "meiner" Stadt sind die Unterkünfte(21 3er-Reihenhäuser a 4 Pers:)
- Bundeseigentum(vorher brit. Rheinarmee)
- angemietet vom Landkreis
- Versorgung der Bewohner durch die Kommune.

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 4 Wochen

Ah, ich glaube, Sie haben da meine Logik bezüglich des Kausalzusammenhangs etwas fehlinterpretiert. Ich hatte es eher so gemeint: Staat, Länder und Kommunen propagieren teilweise weiterhin die Zuwanderung, wälzen die Verantwortung für die Konsequenzen aber auf andere ab und spielen sich erst dann als Ordnungshüter auf, wenn das Kind quasi in den Brunnen gefallen ist und es alle mitbekommen haben.

Mehr aus der Region Suhl - Schmalkalden - Meiningen

Mehr aus Thüringen

Ein über 100 Jahre altes Wasserklosett auf Schloss Hummelshain 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei Sanierungsarbeiten auf Schloss Hummelshain wurde im ehemaligen Schlafzimmer der Herzogin eine Tapetentür entdeckt. Hinter der Tür ein skuriller Fund: das wohl erste Wasserklosett Thüringens.

So 25.10.2020 13:09Uhr 00:39 min

https://www.mdr.de/thueringen/ost-thueringen/saale-holzland/wasserklo-schloss-hummelshain-entdeckt-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video