Organisierte Kriminalität Neuer Rockerclub in Zella-Mehlis

Der Gremium MC hat einen weiteren Anlaufpunkt in Thüringen eröffnet. In der Nacht kamen rund 70 Rocker vor allem aus Bayern und Thüringen nach Zella-Mehlis. Begleitet wurde die Feier von einem Großaufgebot der Polizei. Die Beamten aus Suhl wurden von der Bereitschaftspolizei sowie von szenekundigen Beamten aus Sachsen, Bayern und dem Thüringer Landeskriminalamt unterstützt. Der weltweit aktive Gremium MC wird von den Sicherheitsbehörden der Organisierten Kriminalität zugerechnet.

von Axel Hemmerling

Weißer Lieferwagen vor Clubeingang
Die Rocker haben sich direkt über einer Spielothek eingemietet. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Taghell haben die Lichtwagen der Polizei die sonst finstere Meininger Straße in Zella-Mehlis ausgeleuchtet. Notstromaggregate knattern. Zwei Kontrollstellen der Polizei versperren die Durchgangsstraße. Kontrolliert wird jeder, der die Straße passieren möchte. Direkt über einer Spielhalle - eine ehemalige Diskothek - haben sich die Rocker des Gremium MC eingemietet.

Über dem unscheinbaren Seiteneingang prangt ihr neuer Name "Black East Suhl" und das szenetypische "GFFG" ("Gremium forever - forever Gremium"). Die geballte Faust ihres Logos fehlt. Es ist seit 2017 verboten - wie auch die Logos von sieben weiteren Rockerclubs, die von den Sicherheitsbehörden der Organisierten Kriminalität zugerechnet werden.

Polizei will jede Feier kontrollieren

Mit Zella-Mehlis hat der Gremium MC nun ein weiteres Clubhaus. Das andere wurde in Nordhausen eröffnet. Während die Rocker in Nordthüringen bereits Vollmitglieder sind und ihr Club als vollwertiges Mitglied (Chapter) in der schwarz-weißen Hierarchie gilt, müssen sich die Südthüringer noch beweisen: sie sind Anwärter - Prospects wie es bei den Rockern heißt.

Polizist mit Maschinenpistole steht vor Rockerclub
"Sie sollen sich hier bloß nicht wohlfühlen" kommentiert ein Beamter die Strategie der Polizei. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Axel Hemmerling

Doch ein Clubhaus bedeutet auch Besitzansprüche. Das hat die Polizei alarmiert. Sie sollen sich hier bloß nicht wohlfühlen - erläutert ein Beamter an der Straße. Jede Feier werde jetzt von der Polizei beobachtet, jeder Gast kontrolliert - kündigt die Polizei an. Das ist das, was Innenminister Georg Maier erst am vergangenen Donnerstag im Landtag mit hartem Durchgreifen gegen jede Form der organisierten Kriminalität meinte.

Polizeibekannte Miglieder aus Bayern und Sachsen

Rocker auf Straße
Einige der Mitglieder waren zuvor in anderen Motorradclubs aktiv. Einer davon wurde verboten. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Der Südthüringer Gremium-Ableger wird vor allem vom Gremium "Franconia" aus Bayern unterstützt. Nach einem heftigen Streit wurde das Chapter in Mühlhausen aufgelöst. Einige Mitglieder wechselten in den Club nach Nordhausen, andere finden sich jetzt in Zella-Mehlis wieder. Der Club hat aber offenbar auch Mitglieder angezogen, die die sächsische Polizei bereits im Visier hatte. So sollen mindestens zwei Rocker zuvor bei der "Härte Plauen" aktiv gewesen sein. Dieser Club unterstützte den Gremium MC Sachsen und wurde mit ihm 2013 vom Bundesinnenministerium wegen schwerster Straftaten verboten. Jetzt sind sie offenbar in Suhl und einer der Gründe, warum in der Nacht die Thüringer Beamten auch mit Maschinenpistolen die Kontrollstellen absichert.

Immer mehr Rockerclubs in Thüringen

Mit der Neueröffnung wird klar, dass die organisierten Rocker wieder stärker in Thüringen aktiv sind. Erst Ende Mai hatten sich der Hells Angels MC in Erfurt wiedergegründet - seine Unterstützer finden sich in Saalfeld und Arnstadt.

In Weimar herrscht, wenn auch leise und unauffällig, der Bandidos MC. Seine Unterstützer agieren in Apolda und Suhl. Sowohl die "Banditen" als auch die "Höllenengel" und die Biker vom Gremium dürfen ihre Kutten und Logos nicht mehr tragen, so dass die Rocker kaum noch auffallen. Aber sie sind da - und sie sammeln sich. Noch in kleinen Schritten, aber stetig steigen die Zahlen der Mitglieder der so genannten "Outlaw Motorcycle Gangs“ (OMCG).

Verbindungen zu russischen Motorradclub "Nachtwölfe"

Mitglieder und Unterstützer der Motorradgang "Nachtwölfe" besuchen das Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park.
Der "Wolfspack MC" aus Katzhütte unterstützt den russichen Rockerverein "Nachtwölfe". Bildrechte: dpa

Das belegt die Antwort des Thüringer Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage des CDU-Innenpolitikers Raymond Walk, die MDR THÜRINGEN vorliegt. Sie belege aber auch - so Walk - wie dünn die Erkenntnislage der Sicherheitsbehörden offenbar ist. Hier müsse der Ermittlungsdruck deutlich gesteigert, das enorme Dunkelfeld müsse aufgehellt werden - mahnt der CDU-Mann. So macht die Antwort des Landes deutlich, dass die Sicherheitsbehörden keine Erkenntnisse zu einem kleinen, unscheinbaren Club aus Katzhütte haben: dem Wolfspack MC. Der unterstützt, was die Sache deutlich brisanter macht, den Kreml nahen russischen Night Wolfes MC, der auch bei den Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder von deutlicher Relevanz ist.

Die Szene ist in Bewegung. Für dieses Wochenende haben die Hells Angels zur Clubparty geladen. Der neue Gemiums-Ableger in Zella-Mehlis will in zwei Wochen erneut feiern.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2019, 09:59 Uhr

5 Kommentare

Ines W. vor 6 Wochen

Lieber Fürst, anders als in Russland muss in Deutschland Schuld individuell nachgewiesen werden. Man kann ja z.B. auch nicht alle Leute verhaften die bei Pegida auflaufen oder diesen Verein verbieten, weil aus den Reihen dieser Leute Straftaten begangen wurden.

Das Gequatsche vom Politikversagen ist doch billig und durch nichts belegt. Nur weil es irgendwo Verbrecher gibt bedeutet noch lange nicht, dass die Politik versagt hat. Nur weil es Leute mit schlechten Zähnen gibt haben ja auch nicht die Zahnärzte versagt!

Ines W. vor 6 Wochen

Hallo Norbert, wollen sie bestreiten, dass die Gruppierungen um die es geht dem Bereich der organisierten Kriminalität zuzuordnen sind? Sie wissen schon was das bedeutet? Schutzgelderpressung, Prostitution, Drogenhandel und mehr. Warum sollte man also nicht die Kennzeichnungen solcher krimineller Vereinigungen verbieten, tragen diese doch maßgeblich mit dazu bei präventiv Schrecken zu verbreiten? Was stört sie daran, dass bei deren "Feiern" die Polizei besonders genau hinschaut ob da gesuchte Verbrecher anreisen, oder Drogen und Waffen mitgeführt werden?

Schon interessant, wie sich sich mit ihrem Hinweis auf die Antifa - was auch immer das genau sein soll, outen. Ist schon klar, dass die Leute denen Antifaschisten ein Dorn im Auge sind wenig Probleme mit kriminellen Motorradclubs haben.

Norbert 56 NRW vor 6 Wochen

Na da kann man ja den starken Rechtsstaat markieren. Die bösen Rocker eignen sich da prima. Nach fast 30 Jahren MC Angehörigkeit kann ich da nur laut lachen. Jeder Polizist den man anspricht sagt (natürlich nur unter der Hand) das es auf jedem Schützenfest mehr Stress gibt als auf einer Rockerparty. Das es gewisse MCs gibt die nicht lupenrein sind ist natürlich wahr, aber auf Partys wird man dieser Situation sicherlich nicht Herr, welch ein Blödsinn. Und das verbieten von gewissen Logos ist Strafvervolgungsmässig kontraproduktiv. Eigentlich logisch sollte man meinen, auch werden da alle Member unter Generalverdacht gestellt was nichts mit der Unschuldsvermutung bis zum Gegenbeweis zu tun hat. Wann wird denn dann im Anschluss das Logo der Antifa verboten..deren Verhalten ja wohl auch oft und bewiesenermassen mehr als fragwürdig ist; heisst es nicht, gleiches Recht für alle ??? Da bekommt der Rechtsstaat noch nicht mal das Vermummungsverbot auf Demos in den Griff.

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