Suhl Polizei holt Störer aus Flüchtlingsunterkunft

Das Leben in der Erstaufnahme für Flüchtlinge auf dem Suhler Friedberg ist auch an normalen Tagen nicht unbedingt komfortabel. Aber in Zeiten des Coronavirus kann es unerträglich werden. Mehr als 500 Bewohner auf engstem Raum dürfen sich zwar im Haus frei bewegen, aber das Gelände nicht verlassen. Immer wieder gab es deshalb Randale und Streit. Die Polizei hat am Dienstag durchgegriffen und etwa 20 Störer aus der Unterkunft geholt.

von Bettina Ehrlich

Seit Freitagnacht gilt strenge Quarantäne, weil einer der Bewohner positiv auf das Virus getestet worden war. Der Mann liegt auf der Isolierstation. Ihm geht es laut Amtsärztin Marion Peterka gut. Sie geht von einem leichten Krankheitsverlauf aus. Seine Kontakte wurden ebenfalls isoliert.

Der Suhler Polizeichef Wolfgang Nicolai hat sich von Anfang an auf schwierige Einsätze eingestellt. "Uns war von vornherein klar, dass es zu Problemen kommen wird." Und so kam es tatsächlich. Immer wieder provozierten immer die gleichen Männer. Sie riefen zum Hungerstreik auf, hinderten andere Bewohner daran, in den Speisesaal zu gehen, versuchten den Zaun zu überklettern oder rissen die Gullydeckel aus der Verankerung, um nach einem möglichen Fluchtweg zu suchen. Auch Steine flogen in Richtung der Polizisten.

Das ging auch nicht am Stammpersonal der Einrichtung spurlos vorüber. "Die Personaldecke war dann so dünn, dass wir Polizisten in die internen Abläufe eingreifen mussten", sagte Frank Haspel von der Suhler Landespolizeiinspektion. So haben die Beamten laut Haspel bei der Verpflegung und der medizinischen Versorgung geholfen und auch noch den Waschschutz unterstützt. Das jedoch kann keine Dauerlösung sein.

Polizeieinsatz in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Suhl
Insgesamt 20 Bewohner des Heimes hat die Polizei aus dem Gebäude geholt und in eine andere Einrichtung gebracht. Sie hofft, dass sich dadurch die Situation in der Erstaufnahmestelle wieder beruhigt. Bildrechte: MDR/Stefanie Magiera

Polizeichef Nicolai, das Justiz- sowie das Migrationsministerium haben den Einsatz am Dienstagnachmittag akribisch vorbereitet. Die rund 20 Störer wurden einer nach dem anderen aus der Unterkunft geholt. "Wir hoffen, dass so wieder etwas mehr Ruhe einkehrt", sagt Nicolai. Rund 200 Polizisten in Vollschutz waren im Einsatz. Auch in ihrem neuen Domizil in Arnstadt müssen die Flüchtlinge weiter in Quarantäne bleiben.

Gleichzeitig sollen die Bewohner in der Suhler Einrichtung künftig besser informiert werden. "Ein großes Problem ist, dass viele über das Coronavirus so gut wie gar nichts wissen", sagt Amtsärztin Peterka. Deshalb wurden mehrere Dolmetscher engagiert. Sie erklären den Menschen, warum sie das Gelände nicht verlassen dürfen. Im Moment scheint die Strategie ganz gut zu funktionieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. März 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2020, 11:45 Uhr

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