Klimawandel Kaum Schnee: Winterwelt Schmiedefeld mit Totalausfall

Die Winterwelt in Schmiedefeld ist ein beliebtes Skigebiet für Familien. Der Hang ist knapp zwei Kilometer lang und recht einfach. Rund vier Millionen Euro sind vor drei Jahren in die Winterwelt investiert worden. Neben einem neuen Doppelschlepplift wurde eine moderne Beschneiungsanlage installiert. In der ersten Wintersaison 2017/2018 kamen etwa 23.000 Skifahrer und in der zweiten rund 16.500. In diesem Winter hatte die Winterwelt ihren ersten Skitag am 29. Februar 2020.

Lift und Hang in Schmiedefeld
Am Schmiedefelder Skilift ging in dieser Saison nicht viel. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Seit inzwischen 19 Jahren kümmert sich Sven Anschütz um den Schnee am Schmiedefelder Skilift. Schlechte Winter gab es immer mal, aber so etwas wie in diesem Jahr hat er noch nicht erlebt. "Drei Mal waren wir immer fast fertig mit der Piste und jedes Mal ist es wieder warm geworden und hat noch draufgeregnet", sagt er und schüttelt mit dem Kopf. Sogar in der Silvesternacht war Anschütz auf dem Berg und hat die Schneekanonen angeworfen. Alles umsonst.

Über Wochen hatte Schmiedefeld mit der sogenannten Inversionswetterlage zu kämpfen. Im Tal waren teilweise minus neun Grad und auf dem Berg plus fünf Grad. "Da geht gar nichts", so Anschütz. Damit die Schneekanonen halbwegs Kunstschnee produzieren können, braucht es wenigstens minus vier Grad.

Andere Skigebiete - wie die Skiarena Silbersattel bei Sonneberg und die Ski-Area in Heubach im Kreis Hildburghausen - hatten wettertechnisch etwas mehr Glück und konnten wenigstens nachts Kunstschnee erzeugen. Während in Schmiedefeld der Lift nicht einen Tag öffnen konnte, kommen die Lifte in Steinach immerhin auf fast 80 und in Heubach auf fast 60 Betriebstage.

Ohne echten Schnee geht gar nichts

Eins ist in diesem Winter auch klar geworden: Ohne eine Grundlage aus echtem Schnee wird es nichts mit dem alpinen Skivergnügen. Dafür ist der Hang laut Anschütz zu lang und hat zu viele Ecken und Kanten. "Bei jedem Hügel ziehst du mit dem Pistenbully den Schnee wieder auf, du brauchst einfach viel mehr Grundlage."

Auch der Wind spielt eine Rolle. Der Hang in Schmiedefeld liegt völlig frei, der Wind kommt aus allen Richtungen. "Dann hast du den Schnee überall, nur nicht da wo du ihn brauchst", ergänzt Ortsteilbürgermeister Reinhart Pulvers. "Wenn dieser doch bescheidene Winter für eins gut war, dann dafür, dass wir und jetzt wirklich Gedanken machen müssen", so Pulvers.

Tägliche Krisensitzung

Loipenfahrt in Thüringene
Loipenfahrt bei Schmiedefeld: viele Schneetage gab es in der aktuellen Saison nicht. Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Jeden Tag hat sich das Winterwelt-Team zur Krisensitzung getroffen. "Wir haben genau überlegt, was geht und was geht nicht". Damit die Gäste in Schmiedefeld wenigstens ein bisschen Winterfeeling erleben durften, wurde der untere Teil des Hanges zum Rodeln präpariert. Pulvers Meinung nach reicht es aber längst nicht mehr aus, dass die Lifte im Winter laufen. Es müssten jetzt dringend Ideen für den Sommer her.

Pulvers schwebt zum Beispiel ein Erlebniswanderweg an der Bergstation vor, wo Kindern verschiedene Abenteuer in der Natur geboten werden. Um das Ganze zu finanzieren, sei jedoch vor allem das Land gefragt. Im Rahmen des Tourismuskonzeptes müssten neue gute Ideen her, wie Touristen auch in schneelosen Zeiten attraktive Angebote gemacht werden können.

In Schmiedefeld muss was passieren

Schmiedefeld am Rennsteig muss sich laut Pulvers aber auch einiges selbst fragen. Zum Beispiel, wie sich der Ort den Gästen präsentiert. Viel zu viele Häuser stehen leer. Das einstige Glaswerk ist nur noch eine hässliche Industriebrache und müsste dringend abgerissen werden. Was ist mit dem Öffentlichen Nahverkehr? Das Rennsteig-Ticket sei ein Anfang, reiche aber hinten und vorne nicht.

Einen ersten Schritt will Schmiedefeld schon im Frühjahr machen. Unter dem Motto "Blühendes Schmiedefeld" wird jedem Haushalt ein Tütchen mit Blumensamen überreichen. Die blühende Wiese vor der Touristinformation war bei den Gästen im letzten Jahr richtig gut angekommen. "Manchmal sind es nur ganz kleine Dinge, die Urlaubern ein Wohlgefühl bereiten", so Pulvers.

Steinach macht es vor

Obwohl sich die Touristenzahlen in Steinach im Landkreis Sonneberg etwas besser entwickeln, hat die Stadt im Schiefergebirge mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Seit inzwischen zehn Jahren soll die Skiarena Silbersattel ausgebaut werden. Unter anderem muss die Beschneiung dringend erneuert werden. Der Schlepplift ist so alt, dass es für ihn heute schon keine Ersatzteile mehr gibt.

Hang an der Skiarena Silbersattel
Eine neue Sesselbahn soll die Skiarena Silbersattel für den Sommer fit machen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Kernstück der Pläne ist eine Kabinenbahn von der Innenstadt aus. Bürgermeister Ulrich Kurtz setzt wie sein Amtskollege in Schmiedefeld auf Sommernutzung. "Die Menschen wollen einfach das Bergerlebnis wie in den Alpen", sagt er. Außerdem profitiert durch einen Einstieg in der Innenstadt auch das Zentrum Steinachs, weil dann dort wieder etwas mehr Leben ist. Dennoch gibt es einen großen Unterschied zwischen Schmiedefeld und Steinach.

Axel Müller, der neue Chef der Steinacher Skiarena Silbersattel, in Steinach (Kreis Sonneberg), überwacht den ersten Probelauf der Schneekanonen in der bevorstehenden Wintersportsaison.
Skiarena-Betreiber Axel Müller (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Der Skiarena-Betreiber Axel Müller sorgt dafür, dass sich Urlauber auch ohne Skier nicht langweilen. Mitten in Steinach betreibt Müller ein Sporthotel. Im benachbarten Sonneberg führt er ein Gästehaus mitten in unberührter Natur, wo auch größere Gruppen ungezwungen feiern und übernachten können. Und wenn das Wetter zum Skifahren oder Wandern zu ungemütlich ist, bietet er jede Menge Freizeitaktivitäten an. Vom Klettern am echten Fels oder im Hochseilgarten, über Bogen- und Biathlonschießen bis hin zu Spielen an einer riesigen Murmelbahn. Auch Schneeschuhtouren, Seifenkisten- oder Flößebauen sind im Angebot.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 02. März 2020 | 18:00 Uhr

6 Kommentare

Knallerbse vor 23 Wochen

Wen interessieren Schlepplifte und anderer Kokolores. Bester "Winter" aller Zeiten. Abgesehen von weniger Unfällen, Verletzten und Toten durch Strassenglätte. Klimaerwärmung kann voranschreiten. Weiter so. Meine Schneeschippe kann ruhig weiter vor sich hinrosten.

Heftklammer vor 23 Wochen

Die Frage ist doch, warum hat man über 4 Millionen € in einen Schlepplift investiert?
Man hätte doch zB. einen Sessellift nehmen können, welcher auch im Sommer genutzt werden kann um zur Liftbaude zu gelangen. Eine Sommerrodelbahn neben dem Skihang, durch den Wald und einen Stausee, anstatt dem "Dorfteich" wäre mit seinen umliegenden Wiesen und guter Zufahrt von der Suhler Strasse aus ein Erholungsparadies. Auf den terassnartigen Wiesen könnten zB. Camping und Wohnmobilstellplätze sein. Sommer und Winter nutzbar. Gastronomie, Fahrradverleih inkl. E-Bikes, Skiverleih, Schlitten, vieleicht sogar Ruderboote usw. hätten dann etwas von einer INVESTITION, die nicht nur auf den Winter begrenzt ist.
Sind nur so meine Gedanken. Wäre es evtl. so geplant gewesen, hätte man bestimmt auch das nötige Geld dafür zusammenbekommen.
Dann hätte man mit einem weitaus geringerem Risiko zu rechnen, ein Jahr gar nichts zu verdienen und nur drauflegt.
Egal, über 4 Millionen€ sind weg .....

Jaroslav Skalicky vor 23 Wochen

Der Skilift in Schmiedefeld hätte bei der angeprangerten Inversionslage problemlos bis zur HÄLFTE des Hanges öffnen können!
Ebenso hätte man unbürokratisch die Breite des Hanges durch Absperrungen reduzieren können...
In Bayern, Österreich und anderswo wurde und wird dies problemlos so gehandhabt! Und auch in Schmiedefeld gab es dies vor Jahren bereits!

Der kürzlich in der TA erschienene sehr kritische und aufschlussreiche Bericht zum Thema Winterwelt Schmiedefeld hat es auf den Punkt gebracht:
„Es reicht nicht, nur neue Technik anzuschaffen, man muss sie auch bedienen lernen!“

Wenn dann die Akteure noch mit Herz und Seele für Ihre Region und die Gäste was reißen wollen, klappt das auch! Warum geht es woanders, diese miesen Bedingungen gab es in diesem Winter doch überall !?!

Genau DA sollte man wohl erst einmal ansetzen, bevor man schon wieder in Richtung Sommernutzung nach Finanzierern ruft....

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