Ermittlungen auf dem Friedberg Streit in Flüchtlingsunterkunft Suhl: Schwere Vorwürfe gegen Personal

Die Polizei spricht von einem verletzten Wachdienst-Mitarbeiter, der Flüchtlingsrat von Gewalt gegen Asylbewerber: In der Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl wird nach einem Streit in verschiedene Richtungen ermittelt.

Polizeiwagen vor einer Gemeinschaftsunterkunft
Die Polizei will die Vorfälle in Suhl möglichst umfassend aufklären. (Archivbild) Bildrechte: MDR/NEWS5/Steffen Ittig

Nach einem offenbar handgreiflichen Streit zwischen Bewohnern und Personal in der Flüchtlingsunterkunft in Suhl ermittelt die Polizei. Das bestätigte eine Polizeisprecherin MDR THÜRINGEN. Auslöser des Streits war offenbar, dass Bewohner der Unterkunft in einem Zimmer eine Kochplatte unerlaubt benutzt und einen Brandmelder manipuliert hatten. Bei der Auseinandersetzung sei ein Wachschutz-Mitarbeiter leicht verletzt worden, sagte die Polizeisprecherin.

Der Thüringer Flüchtlingsrat spricht dagegen von massiver Gewalt des Sicherheitsdienstes gegenüber Bewohnern. So soll einer Frau zunächst mit Gewalt ein Handy entrissen worden sein, weil sie das Geschehen filmte. Im Beisein ihrer schreienden Kinder sei sie dann auf den Boden gedrückt und geschlagen worden, heißt es. Weitere Familien wollten offenbar der Frau zu Hilfe kommen; auch ihnen gegenüber sei die Gewalt eskaliert, so der Flüchtlingsrat.

Bewohnerin stellt Anzeige gegen medizinischen Dienst

Eine der betroffenen Frauen hat zudem gegen den medizinischen Dienst der Einrichtung Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gestellt. Sie hatte vor wenigen Wochen ihr Kind im siebten Schwangerschaftsmonat verloren. Ihre Bitte um medizinische Hilfe sei zuvor tagelang auf taube Ohren gestoßen, so der Flüchtlingsrat. Die Polizeisprecherin bestätigte den Eingang der Anzeige. Man ermittele in alle Richtungen, um den Sachverhalt umfassend aufzuklären.

Betroffene Wachleute in Suhl vorerst nicht im Dienst

Auch der Flüchtlingsrat forderte eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge. Die betroffenen Familien müssten sofort in Kommunen untergebracht werden und psychosozial unterstützt werden, forderte der Menschenrechtsbeauftragte der Thüringer Landesärztekammer, Helmut Krause.

Ein Sprecher des Landesverwaltungsamtes sagte MDR THÜRINGEN, die betroffenen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes würden so lange nicht mehr eingesetzt, bis die Vorwürfe geklärt sind. Über weitere Konsequenzen müsse man sprechen, wenn die Ermittlungen zu dem Vorfall abgeschlossen sind.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. Oktober 2020 | 15:30 Uhr

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