Personalnot und Kosten Wenn kein Taxi kommt: Angebot in Thüringen ausgedünnt

Nachts mal eben ein Taxi rufen? In vielen Regionen in Thüringen ist das schwierig geworden. Selbst in großen Städten müssen Fahrgäste mit Wartezeiten rechnen. Für die Taxi-Unternehmen lohnen sich manche Fahrten schlichtweg nicht - weshalb sie auf andere Standbeine setzen.

von Michael Hesse

Mehrere Taxis stehen an einem Taxistand
Gerade abseits der großen Städte ist es in Thüringen schwieriger geworden, ein Taxi zu bekommen. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Taxi-Unternehmen in Thüringen bieten mancherorts keine Fahrten mehr an. Verkehrsgewerbe-Chef Martin Kammer bestätigte MDR THÜRINGEN, dass teilweise die Versorgungsleistung nicht erfüllt werden könne. Kammer spricht von "weißen Flecken". So sei es im ländlichen Raum schwieriger geworden, ein Taxi zu bekommen.

Glückssache Taxi: Wartezeiten und fehlendes Angebot in Thüringen

Nach einer MDR THÜRINGEN-Umfrage unter Taxi-Unternehmern ist es auch in Städten teils Glückssache, mit einem Taxi zu fahren - speziell in den Nachtstunden oder auch an den Wochenenden. Das gilt für Suhl, Nordhausen, Gera und auch Gotha. In Eisenach, Erfurt, Weimar und Jena rollen die Taxis auch in den Nachtstunden, aber nicht so häufig wie am Tag. Wartezeiten sind programmiert.

Die Unternehmen dünnen ihr Angebot auch wegen fehlender Fahrer aus. Als einen Grund für den Personalmangel nannte Verkehrsgewerbe-Chef Martin Kammer Mehrkosten durch den Mindestlohn. Kammer sagte, manche Unternehmen könnten sich nicht mehr genug Personal leisten. Das Dilemma: Für einen einzelnen Anruf in der Nacht halte keine Taxi-Firma einen Acht-Stunden-Dienst vor. Ein Unternehmer benötige ungefähr 300,00 Euro pro Schicht, um kostendeckend arbeiten zu können, so Kammer.

Taxi-Betriebe weichen auf andere Einnahmequellen aus

Viele Taxi-Unternehmen bauen neben dem regulären Taxi-Betrieb auf weitere Standbeine. So werden die Kosten oft durch kalkulierbare und feste Fahrten für Hotels, Krankenkassen und Kliniken wieder hereingeholt. Nach Aussage der Unternehmer werden zwischen 50 bis zu 100 Prozent der Fahrten so abgedeckt.

Außerdem bauen zahlreiche Firmen auf das sogenannte Mietwagen-Modell. Im laufenden Taxi-Betrieb werden zusätzlich auch Mietwagen eingesetzt. Der Vorteil: Sie fahren ohne Taxameter. Der Preis kann vom Fahrer für die einzelne Strecke bestimmt werden. Außerdem unterliegen die Mietwagen nicht der gesetzlichen Personenbeförderungspflicht. Die Taxi-Unternehmen können Fahrten und Zeiten selbst bestimmen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10. Dezember 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2019, 13:51 Uhr

40 Kommentare

frank d vor 17 Wochen

@CrizzleMyNizzle
Offenbar ist bei mir noch nicht Hopfen uns Malz verloren :-)
bitte!

CrizzleMyNizzle vor 17 Wochen

wir sind ja sonst keiner Fans der anderen Meinung, aber hier muss ich sagen, danke!

Norbert B. vor 17 Wochen

"Das Taxi soll 24 Stunden lang für jeden und überall zum Nulltarif bereit gestellt werden. Und wer trägt dabei die Kosten? ..." Genau das ist der Knackpunkt! Selbst der staatlich alimentierte ÖPNV stellt sein Angebot in den Nachtstunden mangels Nachfrage nahezu völlig (abseits der Großstädte sogar völlig) ein. Dem zu 100% privaten Taxigewerbe soll dies aber, nach Meinung einiger, am besten verboten werden. Einer muß ja die vom ÖPNV nachts hinterlassene Lücke schließlich füllen. Wer das verlangt, der soll es dann auch bezahlen. Entweder über seine Steuern (für staatliche Zuschüsse an das Taxigewerbe um einen flächendeckenden Service rund um die Uhr abzusichern) oder über den Preis (d.h., "eine Hand voll" Fahrgäste in der Nacht müßten dann die Kosten für die gesamte Nachtschicht bezahlen). Ich bin mir nur ziemlich sicher daß gerade die lautesten Nörgler über den momentanen Zustand dazu nicht bereit sein werden.

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