Eisheilige Massive Frostschäden im Thüringer Wald - besonders betroffen sind Buchen

Wie hoch die Schäden durch die Eisheiligen in den Thüringer Wäldern sind, will im Moment noch keiner beziffern. In etwa 14 Tagen sollen die ersten belastbaren Zahlen vorliegen. Betroffen sind nicht nur die jungen Buchen, sondern auch die gestandenen. Aber es gibt noch Hoffnung.       

Bäume im Wald mit braunen Blättern
Die Eisheiligen haben die jungen Triebe erfrieren lassen. Bildrechte: Simone Streisel

"Mir treibt es die Tränen in die Augen" eine Wanderin, die vom Mordfleck zur Schmücke unterwegs ist, schaut fassungslos in den Wald. Vor ihr stehen Buchen, die 60, 70 ja vielleicht sogar 100 Jahre alt sind – an den Zweigen baumeln leblos braune, vertrocknete Blätter im Wind und das Anfang Juni.

In diesem Jahr sind zwei fatale Wetterereignisse zusammen getroffen, erklärt uns Revierförster Ronny Eckhardt. Zunächst ist es der April, der überdurchschnittlich  warm ist. Die Bäume treiben aus. Frühlingstypische frischgrüne Blätter sind Ende April selbst in den Höhenlagen des Thüringer Waldes zu sehen.

Die Eisheiligen waren schlimm wie lange nicht

Und dann kommen pünktlich am 11. Mai die Eisheiligen daher. So kalt wie gefühlt in den letzten 50 Jahren nicht mehr. Metrologen an der Wetterstation auf der Schmücke messen in der Nacht vom 12. zum 13. Mai -4,2 Grad in der Luft und am Boden satte -9 Grad. In dieser Nacht werden die frischausgetrieben, grünen Blätter der Buchen quasi gefriergetrocknet.

Betroffen sind nicht nur die jungen sondern eben auch die gestandenen Bäume. "Solche massiven Ereignisse haben wir noch nicht gehabt", sagt der Revierförster, "was wir im Moment machen können, ist Erfahrungen sammeln und hoffen".

Laubbäume, die keine Blätter haben, sterben zwangsläufig ab. Sie brauchen die Vegetationsperiode, um neue Knospen für das kommende Jahr zu bilden. Passiert das nicht, ist das das Ende - auch eines gestandenen Baumes.

Die kommenden zwei Wochen entscheiden

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber. Ronny Eckhardt knipst an einer kleinen Buche einen Zweig ab.

Bäume im Wald mit braunen Blättern
Die Buchen bieten einen traurigen Anblick. Bildrechte: Simone Streisel

"Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass noch etwas Saft fließt." Und das ist der Rettungsanker. Kleine schlafende Knospen könnten aktiviert werden. Und vielleicht den einen oder anderen Baum retten. sagt der Revierförster. "Die kommenden ein, zwei Wochen werden extrem spannend." Damit einige Buchen überleben, braucht es zwei Dinge. Erstens viel Niederschlag und zweitens keinen weiteren Spätfrost. Zumindest für den Spätfrost geben die Metrologen aber Entwarnung – zur Schafskälte erwarten sie auf der Schmücke zwar einen Temperaturrückgang, aber keinen Bodenfrost mehr.

Buchen sind wichtig für Waldumbau

Die Buche ist wichtiger Bestandteil des Waldumbauprogramms im Thüringer Wald. Der Laubbaum soll die Fichten ergänzen und mehr Halt bei Extremwetter geben.

Bäume im Wald mit braunen Blättern
Es kann sein, dass sie noch einmal austreiben. Bildrechte: Simone Streisel

Ingolf Profft vom Forstlichen Kompetenzzentrum in Gotha begleitet das Programm. Nun steht er zusammen mit seinem Kollegen auf der Wies am Mordfleck und schickt eine Drohne in den Himmel. Auf einer vorher programmierten Route fotografiert sie an festgelegten Punkten den Wald. Im 14-tägigen Rhythmus soll dokumentiert werden, ob und wie sich der Buchenbestand erholt. Wichtig sind dabei die gestandenen Bäume. "Die sind wichtige Samenträger für die natürliche Verjüngung der Buche. Sollten sie tatsächlich absterben und sich nicht mehr erholen, wäre das ein herber Rückschlag im Waldumbauprogramm" sagt Ingolf Profft.

Auch im Tiefland haben die Eisheiligen Bäume erfrieren lassen. Laut Dr. Horst Sproßmann von Thüringen Forst sind hier vor allem neu angelegten Kulturen betroffen.

Wie hoch die Schäden durch die Eisheiligen in den Thüringer Wäldern sind, will im Moment noch keiner beziffern. In etwa 14 Tagen sollen die ersten belastbaren Zahlen vorliegen.   

                                                                                                        

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringen Journal | 03. Juni 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

W.Merseburger vor 4 Wochen

emlo,
ich möchte Ihnen nicht widersprechen; jedoch ist mir das Argument: "wenn der Niederschlag nur ab und zu als Starkregen fällt, dann bringt das nichts", zu trivial. Wenn sie unsere Region, also Mittel- und Ostdeutschland betrachten, dann haben Sie an den südlichen und westlichen Rändern Mittelgebirge. Ansonsten gibt es Flachland und leicht hügeliges Gelände ohne Ende (Leipziger Tieflandsbucht, Magdeburger Börde, Querfurter Platte, Thüringer Becken, fast ganz Brandenburg und Meck.Pom.) Wo soll auf diesen riesigen Ebenen der Starkregen hin? Die Temperaturerhöhung und die heißen Perioden der letzten beiden Jahren haben natürlich zu deutlich höher Verdunstung und damit höheren Wasserbedarf geführt. Demgegenüber kann natürlich eine wärmere Luft auch mehr Wasserdampf aufnehmen und so stärkeren Niederschlag erzeugen.

emlo vor 4 Wochen

Ich glaube, Ihr Fazit ist nicht ganz korrekt. Werfen Sie doch bitte auch mal einen Blick in den verlinkten Artikel "Trockener Frühling: So wenig Niederschlag...". Trotz gelegentlichem Niederschlag ist es bereits seit mehreren Jahren insgesamt zu trocken. Daran ändert auch ein etwas zu nasser letzter Winter nichts. Und selbst wenn die Niederschlagssumme übers Jahr relativ konstant bleibt, nützt das unter Umständen nur wenig, wenn der Niederschlag nur ab und zu als Starkregen fällt. Denn dann läuft das meiste Wasser einfach weg und kommt nicht in den tieferen Bodenschichten an. Mein Fazit: Es gibt sehr wohl einen Klimawandel, auch wenn er vielleicht nicht so eindeutig daherkommt, wie Sie sich das vielleicht vorstellen. Die Effekte sind einfach komplexer und nicht unbedingt gleich offensichtlich.

W.Merseburger vor 4 Wochen

Schöner Satz: So kalt wie gefühlt in den letzten 50 Jahren nicht mehr. An Ilm, Saale und Unstrut hat es auch den Wein erwischt. Mit dem Wetter ist eben so eine Sache; der April zu warm und extrem trocken; der Mai deutlich zu kühl und leicht zu trocken. Die sogenannten Eisheiligen haben zugeschlagen. Der Juni beginnt nach kurzer Hitze mit erneut kühleren Temperaturen und mit angekündigtem deutlichen Regen. Fazit: Das bisherige Wetter 2020 entspricht so gar nicht den Vorstellungen von der vorher gesagten Versteppung Mitteldeutschlands. Langsam finden sich auch hier im MDR Veröffentlichungen, die das Klima und das Wetter diskutieren, versachlichen und nicht falsche Ängste schüren.

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