Thüringer Wald Lust auf Schnee: Wie Thüringer Wintersport-Orte mit dem Gäste-Ansturm umgehen

Im Thüringer Wald hat es geschneit. In nur wenigen Tagen so viel wie im ganzen letzten Winter nicht. Viele Kinder haben so eine verschneite Landschaft noch nie oder nur selten gesehen. Verständlich, dass viele Familien mitten im Corona-Koller in die Höhe fahren möchten. Doch der Ansturm war zuletzt so groß, dass sich manche Wintersportorte überfordert fühlten. Jetzt lockt das nächste Winterwochenende.

Ein Polizeiauto vor einem verschneiten Parkplatz.
Die Parkplätze seien zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet, erklärte Masserbergs Bürgermeister Dennis Wagner am Samstagnachmittag. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

"Hoffentlich scheint nicht auch noch die Sonne!", sagt Sigrun Greiner und schüttelt resigniert den Kopf. "Ohne Schnee würde ich es ja aushalten, aber wenn ich aus dem Fenster schaue und die herrliche Winterlandschaft sehe, könnte ich einfach nur noch heulen." Sigrun Greiner hat die Tubing-Anlage in Siegmundsburg im Landkreis Sonneberg gepachtet. Im Sommer geht es in den großen Reifen auf Kunststoffmatten den Berg hinab. Doch das Hauptgeschäft läuft normalerweise im Winter.

Wegen Corona steht die Anlage still. "Die Leute kommen trotzdem und viele von ihnen sind einfach nur dreist", ärgert sich Greiner. Manche rutschen mit ihren Schlitten auf der Sommerbahn herum, obwohl der Bereich abgesperrt ist. Greiner sorgt sich um die teuren Kunststoffmatten. Einige hätten sogar versucht, in der Schlepptrasse des Liftes zu rodeln.

Parkplatz an Tubing-Anlage in Siegmundsburg zu

Weil die Leute immer dreister werden, hat sie den Parkplatz vor ihrer Anlage mit einer Kette abgesperrt. So richtig viel genutzt hat es nicht. Weil sie nicht mehr direkt am Hang parken könne, stellen sie sich einfach irgendwo hin. Jede Waldeinfahrt wird zugeparkt. Sogar in die Zufahrt nach Friedrichshöhe am Ortsausgang passt kein einziges Auto mehr. "Hier mussten wir eingreifen, sagte Uwe Scheler. Er ist Bürgermeister von Neuhaus am Rennweg und damit auch für Siegmundsburg zuständig.

Mehrere Autos fahren auf einer verschneiten Straße.
Viele Menschen zieht es am Wochenende in den Thüringer Wald. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Jetzt stehen an der Zufahrt Parkverbotsschilder. Mindestens einmal im Tag schickt Scheler das Ordnungsamt und die Feuerwehr auf Kontrollfahrt. So ein Chaos wie über Weihnachten und am letzten Wochenende will Scheler nicht noch einmal erleben. "Wir räumen die Parkplätze und schieben Winterwanderwege, aber mehr machen wir im Moment nicht", sagt er.

Sollte der Ansturm wieder so groß sein, werden die Ordner die Leute wegschicken, sobald die Parkplätze voll sind. Weil sämtliche Gaststätten oder Cafés geschlossen sind, sehe es rund um die Parkplätze entsprechend wüst aus.

Schlepplift in Masserberg geschlossen

Ähnlich die Strategie auch in Masserberg. Der ehrenamtliche Bürgermeister Denis Wanger betreibt den Heubacher Skilift und hat mit den gleichen Problemen wie Sigrun Greiner zu kämpfen. Auch seine Piste ist voller Rodelgäste. Und das obwohl der Schlepplift geschlossen ist. "Ich kann es ja verstehen, dass die Leute mal raus in den Schnee wollen", sagt Wagner. Die Entscheidung, dass Skilifte schließen mussten, hält Wagner für falsch. "Wenn wir öffnen dürften, könnten wir den Wintertourismus wenigstens ein bisschen lenken", sagt er. So kämen die Leute und würden an einer eigentlich gesperrten Anlage rodeln. "Das kann auch gefährlich werden", so Wagner.

Nach Schneefall Freizeitsport im verschneiten Thüringer Wald

Im Thüringer Wald gab es in wenigen Tagen so viel Schnee wie seit Langem nicht. Viele Familien sowie Freizeitsportler wollen mitten im Corona-Koller dieses Wetter nutzen und in die Höhe fahren.

eine verschneite Landschaft im Thüringer Wald
So viel Schnee gab es schon seit Jahren nicht mehr. In nur ein paar Tagen hat sich der Thüringer Wald in eine Winterlandschaft verwandelt. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
eine verschneite Landschaft im Thüringer Wald
So viel Schnee gab es schon seit Jahren nicht mehr. In nur ein paar Tagen hat sich der Thüringer Wald in eine Winterlandschaft verwandelt. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Wintersport und tagesgäste im Thüringer Wald
Viele Familien wollen das Wetter mitten im Corona-Koller nutzen, um in die Höhe zu fahren. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Wintersport und tagesgäste im Thüringer Wald
Ach viele Langläufer sind in den Thüringer Wald gekommen, um das schöne Wetter zu nutzen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
eine verschneite Landschaft im Thüringer Wald
Aufgrund der Corona-Pandemie sind sowohl die Wintersportanlagenlagen, also auch die Gasstätten oder Cafés geschlossen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Wintersport und tagesgäste im Thüringer Wald.
Thüringens größtes Skigebiet - der Skiarena Silbersattel in Steinach - geht einen besonderen Weg. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Wintersport und tagesgäste im Thüringer Wald
Für die Langläufer dreht der Pistenbully seine Runden.  Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Wintersport und tagesgäste im Thüringer Wald
"Die Leute brauchen einfach auch mal eine Abwechslung von den ganzen Einschränkungen", sagt der Betreiber Axel Müller. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Mehrere Autos fahren auf einer verschneiten Straße.
Das Schneetelefon möchte keine chaotischen Verhältnisse im Thüringer Wald riskieren. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
Eine Schneelandschaft im Thüringer Wald.
Deshalb gibt es im Internet und in der Schnee-App momentan nur die nüchternen Fakten wie die Schneehöhen. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
eine verschneite Landschaft im Thüringer Wald
Allerdings auch nur von den Orten, die das tatsächlich auch möchten. Lauscha, Piesau, Steinheid oder Siegmundsburg fehlen zum Beispiel. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 09. Januar 2021 | 09:30 Uhr

Denn an den Masten und Schneekanonen sind noch keine Prallmatten angebracht und auch die Fangzäune am Lift und dem Schneeteich fehlen. Wagner glaubt nicht mehr daran, dass er in dieser Saison noch öffnen darf. Als Bürgermeister hat er entschieden, dass rund um Masserberg die Langlaufloipen gespurt werden. "Wir bereiten alles vor, machen aber aktiv keine Werbung", so Wagner.

Für den Fall eines neuerlichen Ansturmes von Tagesgästen ist auch Masserberg gewappnet. Sind die Parkplätze voll, werden die Gäste abgewiesen. Ach die Polizei werde kontrollieren. "Vielleicht haben manche die chaotischen Bilder vom letzten Wochenende gesehen und gehen lieber zu Hause in die Natur", hofft der Bürgermeister.

Rodeln im Skigebiet Silbersattel möglich

In Thüringens größtem Skigebiet - der Skiarena Silbersattel in Steinach - geht Betreiber Axel Müller etwas offensiver an die Sache heran.  "Die Leute brauchen einfach auch mal eine Abwechslung von den ganzen Einschränkungen", sagt Müller. Deshalb werde in der Skiarena auch ein Rodelhang präpariert.

Für Langläufer dreht der Pistenbully seine Runden.  Allerdings, wer die Pisten nutzt, handelt auch in der Skiarena Silbersattel auf eigene Gefahr. Für Schäden oder Verletzungen wird keine Haftung übernommen.

Kontrolle 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 09.01.2021 19:00Uhr 01:58 min

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Oberhof zum Biathlon-Weltcup dicht

Ein völlig ungewohntes Bild bietet gerade Thüringens wichtigster Wintersportort Oberhof. Bis zum 17. Januar laufen dort völlig ohne Zuschauer zwei Weltcups. Die Stadt ist für Tagestouristen deshalb fast tabu. Die öffentlichen Parkplätze wurden abgesperrt und sobald die wenigen privaten Parkflächen voll sind, werden die Leute abgewiesen. Das hat der Bürgermeister Thomas Schulz mit dem Meininger Landratsamt und dem Thüringer Innenministerium so vereinbart.

Am liebsten hätte Schulz Oberhof schon vor Tagen dicht gemacht. Bis zu 15.000 Tagesausflügler hatten die Stadt regelrecht überrollt. Die Parkerei ist nur noch ein einziges Chaos. Für Rettungswagen war kein Durchkommen mehr. "So sehr wir uns freuen wenn die Menschen kommen, aber das war einfach zu viel", so Schulz. Wegen des Weltcups ist der bei Langläufern beliebte Grenzadler auch noch komplett gesperrt. Deshalb sollten alle Winterbegeisterten Oberhof vorerst lieber meiden.

Den Winter abseits des Rennsteigs genießen

Komische Tage sind das gerade auch für Stefan Ebert vom Schneetelefon des Regionalverbunds Thüringer Wald. Sein Job ist eigentlich auf allen Kanälen Lust auf das Winterwunderland Thüringer Wald zu machen. Stattdessen muss er sich völlig gegen seine Natur zurückhalten.

Ebert ist selbst ein begeisterter Langläufer und dreht gern nach Feierband mit der Stirnlampe ein paar Runden. Er kennt die schönsten Ecken im Thüringer Wald und bittet die Gäste, sich doch besser zu verteilen. Auch abseits des Rennsteiges und der bekannten Wintersportorte könne es wunderschön sein. Rund um Langewiesen im Ilm-Kreis beispielsweise. "Aber Orte zu nennen, ist hier eben leider auch kontraproduktiv", sagt Ebert aus Erfahrung.

Bei MDR THÜRINGEN im Radio hatte er am vergangenen Wochenende zum Beispiel das Gebiet um den Skilift am Kirchberglift in Oberweißbach im Schwarzatal angepriesen. Danach pilgerten Hunderte auf den Kirchberg. Die Betreiber dort haben dann laut Ebert wunderbar reagiert. Die Mitarbeiter seien trotz Corona-Zwangspause gekommen, haben Parkplätze geschoben und den Hang zum Rodeln präpariert.

Manche Orte fehlen in der Schnee-App

"Was für ein tolles Engagement, obwohl der Lift damit nur Ausgaben hatte", so Ebert. Trotzdem möchte auch das Schneetelefon keine chaotischen Verhältnisse im Thüringer Wald mehr riskieren. Deshalb gibt es im Internet und in der Schnee-App momentan nur die nüchternen Fakten wie die Schneehöhen. Allerdings auch nur von den Orten, die das tatsächlich auch möchten. Lauscha, Piesau, Steinheid oder Siegmundsburg fehlen zum Beispiel.

Ob die Strategie aufgeht, wird sich spätestens am Sonntag zeigen. Dann nämlich soll nach Angaben der Experten im MDR- Wetterstudio tatsächlich mal ein bisschen die Sonne scheinen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 08. Januar 2021 | 09:30 Uhr

37 Kommentare

Hans Dampf vor 5 Tagen

Wieso kann in Oberhof Biathlon stattfinden, wenn lt. Bürgermeister die ganze Stadt abgeriegelt ist. Soll etwa nur der Pöbel außen vor bleiben oder meint man es wirklich ernst mit den Infektionsschutz.🤔
Das solche Entscheidungsträger überhaupt noch ruhig schlafen können ist mir ein Rätsel.

martin vor 6 Tagen

@james: Wenn Sie den Politikern den Ernst der Situation auch in D nicht abnehmen, weshalb fragen Sie nicht mal beim Personal der ITS von Level-1-Krankenhäusern? Oder weshalb sich auch die Intensivmediziner der Level-2-Krankenhäuser längst auch auf die Umstellung zum Notbetrieb vorbereitet haben und jetzt noch versuchen soviel wie möglich andere Patienten (insb. Tumorpatienten) zu operieren?

martin vor 6 Tagen

@ch1: Es sind sogar 8 NEUE Infektionen - insg. sollen es laut Berichten mittlerweile 15 sein. Das Gesundheitsamt in Suhl hat ja auch sonst nichts zu tun. Und dass über das Personal nichts in die "normale Bevölkerung" getragen wird, halte ich ebenfalls für eher unwahrscheinlich.

Die normalen Gastronen verdienen aber nicht so viel Geld, wie die Ski-Zirkus-Profis .... aber für den Profisport zahlen wir ja gerne. Oder etwa nicht?

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